Andrew Bird - The mysterious production of eggs

Andrew Bird- The mysterious production of eggs

Wegawamm / Righteous Babe / Fargo / Rough Trade
VÖ: 14.02.2005

Unsere Bewertung: 7/10

Eure Ø-Bewertung: 8/10

Saitenrätsel

Der Kerl mit der Fiedel hat die Sonne gesehen. Oder wie sonst erklärt sich, daß Andrew Bird auf "The mysterious production of eggs" auch unabhängig vom schon herrlich verdrehten Plattentitel beinahe leichtfüßig umhertänzelt? Mit verhuschten Rhythmen, bei denen die Instrumente voreinander Versteck zu spielen scheinen, und den gewohnt morbiden Reimen. "I was getting ready to be a threat / I was getting set for my / Accidental suicide." Ups.

Bird genießt das Spiel mit den Absurditäten. Er läßt das Leben und andere Absonderlichkeiten wirken wie ein sanft delirierender Fiebertraum. Und zwitschert dazu wie ein Vögelchen von Tourette-Ticks, mehr oder minder brutalen Mordplänen, kafkaesken Mutationen und der Aussicht von Wasserleichen. Alles so sanft und unschuldig dahergesäuselt, daß man es glatt mit Gute-Nacht-Musik verwechseln

Seine Geige hat einmal mehr Schauspielunterricht genommen und brilliert in zahlreichen Impersonationen von Gitarre, Säge, Wasserfall, Glockenspiel bis hin zu irgendetwas Chinesischem. Und zu Harmonien, die herunterplätschern wie leichter Sommerregen auf eine sorgfältig ausgebreitete Plastikfolie, flirtet Bird mit dem Mikrophon. Und auch er übernimmt die eine oder andere Rolle. Den desorientierten Verführer in "Masterfade", den skeptisch-überrumpelten Umstürzler in "Opposite day", das popowackelnde Bleichgesicht in "Skin is, my" oder den umständehalber ziemlich beeindruckten Ersaufenden. Und ist dabei weniger schwul als Rufus Wainwright, undramatischer als Jeff Buckley und ähnlich souverän wie Lambchops Kurt Wagner. Doch immer mit höflichem Knicks in diese oder jene Richtung.

Wenn er sich mit todgeweihten Soldaten im Dreivierteltakt wiegt, sich selber zum Geburtstag gratuliert oder in Kinderliedermelodien das endgültige Ende der Globalisierung und der Gesellschaft überhaupt besingt, ist das aufrichtig makabere Albernheit. Ohne oberflächliches Grinsen. Und mit einem überaus zärtlichen Twist. Denn Bird will niemanden verschrecken. Sondern nur ein paar Alpträumen das Tanzen beibringen. Slowfox, Cha Cha, langsamer Walzer, Rumba, Gummitwist. Und deren leider bei der Geburt verstorbenen Geschwister.

(Oliver Ding)

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Highlights

  • A nervous tic motion of the head to the left
  • Fake palindromes
  • Skin is, my
  • The happy birthday song

Tracklist

  1. ^
  2. Sovay
  3. A nervous tic motion of the head to the left
  4. Fake palindromes
  5. Measuring cups
  6. Banking on a myth
  7. Masterfade
  8. Opposite day
  9. Skin is, my
  10. The naming of things
  11. MX missiles
  12. ^^
  13. Tables and chairs
  14. The happy birthday song

Gesamtspielzeit: 53:34 min.

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