The Fever - Red bedroom

The Fever- Red bedroom

Kemado / Rough Trade
VÖ: 31.01.2005

Unsere Bewertung: 7/10

Eure Ø-Bewertung: 8/10

Hitzewallung

Bei The Fever sitzen alle erdenklichen Schrauben so locker wie der Geldbeutel bei Elton John. Sie mixen Punk mit New Wave, ach, eigentlich alles mit allem - Hauptsache tanzbar und cool und rock'n'rollig - und werfen abschließend noch eine großzügige Portion Elektro-Eiswürfel ins Glas. Ganz im Gegensatz zu den Schrauben ist die Rhythmusgruppe der New Yorker so diszipliniert und auf den Punkt, daß sie es durchaus mit den gefeiertsten Vertretern der E-Musik aufnehmen könnte. Auf dem schmalen Grat zwischen Genie und Wahnsinn, Detailverliebtheit und Chaos wandeln The Fever natürlich nicht alleine. Klar drängt sich da der Verdacht des Trittbrettfahrens bei Kollegen wie Franz Ferdinand oder The Rapture auf, aber das Quintett hat seinen ganz eigenen heißen Ofen. Den es schon seit vier Jahren mit dem Holz anfeuert, das ein breites Publikum erst im vergangenen Jahr durch eben jene bekannten Vertreter lodern hörte.

Großes Selbstbewußtsein darf durchaus unterstellt werden, wenn sich ein Rock-Kollektiv "The Fever" nennt. Heiß! Ansteckend! Aber: So ist das tatsächlich. Wie die Curiosity-Show auf LSD klingen die! Absurderweise legen die fünf mit einem Titel namens "Cold blooded" los, der doch tatsächlich in seiner bedingungslosen Coolness an Michael Jacksons "Beat it" erinnert. Baßläufe wie Abstaubertore und Rhythmus-Sperenzchen ohne auch nur den kleinsten Hauch von Wimpernzucken. Würde nicht verwundern, wenn die Lautsprecher plötzlich nach einer dunklen Sonnenbrille verlangten. Der "Gray ghost" spukt mit lockerem Hüftschwung, als sei er einem 80er-Jahre-Tanzfilm entsprungen und kann auch ganz hervorragend taktvoll kettenrasseln. Immer schwingt bei The Fever eine kurz vor der Explosion stehende Hyperaktivität mit. Als gelte es, dem Quecksilber seine Grenzen aufzuzeigen. Wer hier nicht zu zappeln beginnt, muss eine Zwangsjacke anhaben.

Daß sie auch mal einen Gang zurückschalten können, beweisen The Fever mit "The slow club", einer beinahe depechemodedüsteren Nummer, deren androgyne Monotonie durchaus spannend ist. Und sexy. Das auch. Daß die immer hübsch nacheinander einsetzenden, wohldosierten Instrumente trotz aller rhythmischen Kontrolliertheit stets etwas Improvisiertes haben, ist ausschließlich vorteilhaft. "Put it on you" kombiniert dreckige Rock'n'Roll-Gitarren mit einer 60s-Schnulzen-Melodie. Überaus großartig. "Hexxxed" hüpft im Nervenkostüm eines Fließbandarbeiters kurz vor Schichtwechsel herum. Auf "Scorpio" gibt sich eine Roboterstimme die Ehre, während man im Studio offenbar einfach mal auf alle Soundeffektknöpfchen gedrückt hat.

Allein "Ladyfingers" strapaziert ein wenig die Ohren, mit scheppernden Drums und Keyboardgeorgel, das an die unsägliche Klingeltonwerbung erinnert, die ertragen werden muß, wenn man mal wieder der irrigen Annahme erlegen ist, daß Musikfernsehen etwas mit Musik zu tun haben müßte. "Diamond days" wird seiner Rolle als letztes Stück auf "Red bedroom" gerecht und beherrscht die alte Schule der Albumdramaturgie: eine schöne, zahme, hymnische Ballade. "Here come the diamond days" wird da gesungen und man weiß, daß The Fever auf dem richtigen Weg sind. Auch ohne akkurat angezogene Schrauben.

(Ina Simone Mautz)

Bei Amazon bestellen / Preis prüfen für CD, Vinyl und Download
Bei JPC bestellen / Preis prüfen für CD und Vinyl

Bestellen/anhören bei Amazon

Highlights

  • Cold blooded
  • Gray ghost
  • Put it on you
  • Diamond days

Tracklist

  1. Cold blooded
  2. Gray ghost
  3. The slow club
  4. Ladyfingers
  5. Put it on you
  6. Hexxxed
  7. Artificial heart
  8. Labor of love
  9. Dream machine
  10. Scorpio
  11. Nite vision
  12. Diamond days

Gesamtspielzeit: 46:45 min.

Album/Rezension im Forum kommentieren (auch ohne Anmeldung möglich)

Einmal am Tag per Mail benachrichtigt werden über neue Beiträge in diesem Thread
Dein Name:
Deine Nachricht:
Forums-Thread ausklappen
(Neueste fünf Beiträge)
User Beitrag
gib ihnen eine chance
2006-09-30 17:06:29 Uhr
.........
vbvmncnvc
2006-03-01 20:13:57 Uhr
vbhvvbcn
*push*
2006-02-24 21:44:55 Uhr
hangover? hype-von-gestern-trittbrettfahrer? too-busy-für-unwichtiges?
nein. aufmerksamkeit. macht spass und bereicherte jede bessere party.
Anonymus
2005-05-22 17:57:46 Uhr
live waren sie wirklich gut, besser als departure meiner meinung nach,
nett ist, dass sie ihre bandshirts nach dem konzert selber verkaufen
justlikeyou
2005-05-15 18:25:50 Uhr
in berlin waren sie gestern vorband von HHH und einfach großartig!
Zum kompletten Thread

Hinterlasse uns eine Nachricht, warum du diesen Post melden möchtest.

Bestellen bei Amazon

Threads im Plattentests.de-Forum

Anhören bei Spotify