Dälek - Absence

Dälek- Absence

Ipecac / Soulfood
VÖ: 07.02.2005

Unsere Bewertung: 8/10

Eure Ø-Bewertung: 8/10

Die Höhle des Löwen

Vor anderthalb Jahren ist eine Welt zusammengebrochen. Die Welt des HipHop, zur Strecke gebracht vom besten Live-Act, den diese Musik jemals gesehen hat. Ein DJ namens Still mit Sideshow-Bob-Afro, der kreuz und quer über seine Teller scratcht und dabei auch noch irgendeinen Noisemach-Schlauch im Mund stecken hat. Einer, den sie Oktopus nennen, der sich in Geheimniskrämerei und Hawaiihemd hüllt, tief gebeugt über unbarmherzig dröhnende Soundmaschinen. Und Dälek, der MC, vorneweg. Als namensgebende Naturgewalt, so hoch wie breit, so düster wie gefährlich.

Zusammen treten sie ein Erdbeben los. Türmen einen heillosen Haufen Krach Schicht für Schicht übereinander, ziehen dann wie beim Jenga irgendein tragendes Element raus und grinsen die Fratze des Bösen, wenn alles in sich zusammenstürzt. Es muß wie Gottspielen sein, soviel Macht zu haben. Und es klingt, als hätte jemand die Endzeitstimmung aus Eminems "Mosh" hoch zehn genommen und über einer blanken Stunde voll Angst und Schrecken ausgekippt. Damals in Frankfurt, vor zehn zahlenden Zuschauern. Und jetzt auch auf Platte. Der dritten von Dälek. Die wieder zahm ist wie ein Löwe im Blutrausch.

Wurde ihr letztes Album, das schlicht und einfach brillante "From filthy tongues of Gods and griots" noch für eine Musikalität gelobt, wie sie im HipHop angeblich selten ist, geht "Absence" nun den umgekehrten Weg. Es packt die Musik von hinten, reißt sich ein paar gute Stücke raus und wirft den Rest vor die Hunde. Beats im klassischen Sinn verarbeitet diese Platte beinahe gar nicht mehr, mit Songs braucht ihr keiner zu kommen. Stattdessen werden geradlinige Drum-Sounds vom Rappeln, Zischen und Zerren irgendeines Versuchsaufbaus übertönt, der wahrscheinlich noch von der 2004er Faust-Kollabo "Derbe respect, Alder" stehen geblieben ist. Und Dälek rappt dazu. Kryptische Verse, wie in Trance. Mit einer Stimme aus Granit.

Das Bemerkenswerte daran? "Absence" ist wahrlich einzigartig. Eine herausfordernde Platte, komplex bis hinter die letzte Kellertür und trotzdem Millionen Mal kickender als irgendein halbärschiger G-Unit-Quatsch. Der anwenderfeindliche Staubsauger für alles, das derzeit von MTV als HipHop-Kultur verkauft wird. Und abseits seiner inhaltlichen Absichten funktioniert es auch einfach als Horrorfilm. Weil die Tracks dieser ohnehin schon atmosphärisch dichten Platte durch ihr permanentes Rauschen noch ein Stückchen enger zusammenrücken. Und weil sich Dälek damit noch lange nicht zufrieden geben. Sondern auch an allen Ecken und Enden von "Absence" kleine Kopfhörer-Gimmicks fallen lassen, die man erstmal heraushören muß. Und das gibt Dir dann wirklich den Rest. Diese Platte ist nicht nur stärker als Du. Sie ist auch noch schlauer.

(Daniel Gerhardt)

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Highlights

  • A beast caged
  • In midst of struggle
  • Ever somber

Tracklist

  1. Distorted prose
  2. Asylum (Permanent underclass)
  3. Culture for dollars
  4. Absence
  5. A Beast caged
  6. Köner
  7. In midst of struggle
  8. Eyes to form shadows
  9. Ever somber
  10. Opiate the masses

Gesamtspielzeit: 57:07 min.

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