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...And You Will Know Us By The Trail Of Dead - Worlds apart

...And You Will Know Us By The Trail Of Dead- Worlds apart

Interscope / Universal
VÖ: 24.01.2005

Unsere Bewertung: 9/10

Eure Ø-Bewertung: 8/10

Sternschnuppen

Damit mußte man wohl rechnen. Und trotz der vorherigen Ankündigung von allerlei Chören, Streichern und Lärm überrascht die fortgesetzte Prog-Werdung der Knallchargen von ...And You Will Know Us By The Trail Of Dead nach der gigantischen Lärmstudie "Source tags & codes". "Worlds apart" ist ein ausgefranster Klangteppich, eine esoterische Welle, ein hochdramatisches Brimborium und ein ziemlich famoser Lärm obendrein. Statt mit dem Kopf durch die Wand geht es jetzt mit gleich mal der ganzen Welt durch den Kopf. Was die Beschäftigung mit vorchristlicher Philosophie, der Unterhaltungsbranche der letzten 2.500 Jahre, deutschen Reformatoren, der Ethik der Aufklärung und einer unbedeutenden Castingtruppe nicht alles mit Texanern anzustellen vermag.

Und so sollte man sich von dem wagnerianischen Geklingel nicht verwirren lassen, das "Worlds apart" eröffnet. Das ist dieses Mal nämlich keineswegs das erwartete Ablenkungsmanöver, sondern der pure Ernst. Angeblich. Das Spiel mit Wahrheit und Lüge und allem dazwischen gelingt ...And You Will Know Us By The Trail Of Dead jedenfalls längst genauso gut wie ihre fabulöse Musik. Aufrichtigkeit ist ausschließlich auf die Musik begrenzt. So sei "Worlds apart" als Hommage an die Boyband gleichen Namens zu verstehen, deren Karriere überraschende Parallelen zu der von ...And You Will Know Us By The Trail Of Dead aufweise. Wer's glaubt.

In "Will you smile again?" explodiert jedenfalls gleich mal ein voluminöser 5/8-Takt im kognitiven Zentrum des Hörers und brennt ihm eine Antwort auf all die Mittelmäßigkeit da draußen mitten ins Gehirn. Der Künstler hadert mit seiner Kunst und seiner Wahrnehmung, und Conrad Keely gibt dazu die Sirene: "Close the door and drift away / Into a sea of uncertainty." Öffnen Sie die Sicherheitsgurte, und werfen Sie alle Fallschirme aus dem Fenster. Willkommen im Reich der Schatten, in dem es scheppert und brodelt und blitzt und donnert. "Remember all the bad dreams / Are not far from reality." Und das ist erst der Anfang.

Da stolpert das Titelstück nach einem herzlichen "Fuck you, man" im aufmüpfigen Walzertakt in Richtung Charts und zerreißt sich das Maul über die vermaledeite Celebrity-Kultur unserer Zeit. "'What's the future of rock'n'roll?' / I say, 'I don't know. Does it matter?'" Plötzlich klimpert es am Klavier und duftet ganz merkwürdig nach Hymne. Famose Ohrwürmer pellen sich aus ihren Kaftanen und plärren sich die Lungenbläschen leer: "The rest will follow" jubiliert zu Schlagzeug-Stakkato und verworrenem Schunkeln. "Caterwaul" bollert heiser los und kann vor lauter Vehemenz nicht einmal dann stillsitzen, wenn mittendrin das Klavier ein wenig für Ruhe sorgen will. So gewinnt man die Crescendo-Weltmeisterschaft.

Kurz durchatmen. Denn es geht gleich dermaßen hochkarätig weiter, daß man damit ganze Staatshaushalte sanieren könnte. "A classic arts showcase" wuchert mit sehnsüchtigem 7/8-Gewirr und handverlesenem Pathos. "Here I am!", donnert es aus dem Getänzel, und dann verschwindet der Boden unter den Füßen. Irgendwer hat den "Herr der Ringe"-Soundtrack, Don Giovanni, Jesus Christ Superstar und die Rocky Horror Show zusammen in den Darkroom gesperrt. Da bleibt kein Laken trocken.

Für das gottgleiche "Let it dive" lösen sich schließlich alle Sicherheitsnetze in Wohlgefallen auf. Die Gitarren wanken Arm in Arm umher, das Schlagzeug feuert euphorisierte Raketen in die Luft, und Keely brüllt es in die sternenklare Nacht: "Let it dive / Let it fade out of sight." Ein Gleißen größenwahnsinniger Texturen, eine Wand aus musikgewordener Glückseligkeit. Beinahe so gigantisch wie der Vorgänger. Lächerliche Nuancen. Denn wenn die Band für "To Russia my homeland" die Spiders From Mars herunterbeamt, weiß man längst, daß für ...And You Will Know Us By The Trail Of Dead der Himmel keine Grenze mehr ist. "Worlds apart" ist nicht von dieser Welt. Eine wahrhaft metaphysische Erfahrung.

(Oliver Ding)

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Highlights

  • The rest will follow
  • Caterwaul
  • A classic arts showcase
  • Let it dive

Tracklist

  1. Ode to Isis
  2. Will you smile again?
  3. Worlds apart
  4. The summer of '91
  5. The rest will follow
  6. Caterwaul
  7. A classic arts showcase
  8. Let it dive
  9. To Russia my homeland
  10. All white
  11. The best
  12. The lost city of refuge
  13. Mach Schau
  14. All saints day

Gesamtspielzeit: 52:39 min.

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(Neueste fünf Beiträge)
User Beitrag
Machix88
10.01.2017 - 16:12 Uhr
Bei mir wohl auf ewig in der Top 3. Vorallem auch aufgrund der Haltbarkeit. Haut mich auch nach Jahren immer wieder um - egal wann ich es mal wieder höre. Was das angeht, schlägt es da auch STC, welches ich nicht immer hören kann. Ich kann mich nicht einmal auf ein Highlight festlegen, weil es so voll mit überragenden songs ist.

Croefield

Postings: 103

Registriert seit 13.01.2014

10.01.2017 - 17:39 Uhr
Ja, für mich auch auf jeden Fall die beste Platte der Band, die Source Tags finde ich sogar etwas überbewertet.
Wenn's um ewige Bestenliste geht, weiß ich nicht so genau ob und wo ich die Platte platzieren würde. Aber in einer Top 50 wäre sie auf jeden Fall dabei.

Gomes21

Postings: 381

Registriert seit 20.06.2013

10.01.2017 - 17:59 Uhr
Ich finde Sources, Tags & Codes mindestens gleichwertig, vielleicht sogar nen Tick besser. Es hat zumindest ne höhere Dichte an persönlichen Trail of Dead Favourites..

Coaxaca

Postings: 309

Registriert seit 14.06.2013

10.01.2017 - 18:24 Uhr
Für mich sind Worlds Apart und Source Tags auch fast gleichwertig, aber WA sehe ich minimal weiter vorne. Wenn ich nur daran denke, dass ich mir beide Alben damals am gleichen Tag gekauft hatte...

Anfangs fand ich die Source Tags sogar deutlich schwächer.

The MACHINA of God

Postings: 7417

Registriert seit 07.06.2013

11.01.2017 - 11:11 Uhr
Bin hier bei den Lobrednen. Ein Meisterwerk, welches ich immer wieder gern auflege und durchhöre. Auch die Übergänge und alles. Wahnsinn! 10/10
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