Early Day Miners - All harm ends here

Early Day Miners- All harm ends here

Secretly Canadian / Cargo
VÖ: 24.01.2005

Unsere Bewertung: 7/10

Eure Ø-Bewertung: 7/10

Entschleunigung

Die Early Day Miners sitzen zwischen allen Stühlen. Dort gefällt es ihnen sichtlich und hörbar gut. Ganz bestimmt liegen ihre Wurzeln im Rock'n'Roll, die klassische Instrumentenverteilung hat sich auch bis heute erhalten. Nur haben die Landeier aus Bloomington/Indiana mit der Zeit die Langsamkeit für sich entdeckt. Irgendwie ist das, was die Band zu Ohren bringt, entsprechend ihrer Herkunft auch sehr eindeutig Musik, die nicht in der großen Stadt verortet ist. Ohne jedoch nur eine Sekunde provinziell zu sein. Country ist das nicht, auch wenn natürlich Versatzstücke vorhanden sind. Diese allerdings scheinen zu verglühen in der Hitze der unendlichen Steppe des Mittleren Westens. Wüstenrock ist das Ganze allerdings ebenfalls nicht.

"All harms end" bedient sich offensichtlich vieler Stilelemente des 80er-Jahre-Wave. Die Band selbst bezieht sich dabei auf Größen wie The Church oder die frühen Cure. Da die Musik eine sehr sphärische, an manchen Stellen fast meditative Stimmung erzeugt, mag der Verweis nahe liegen. Allerdings gleitet der Sound niemals ins Düstere ab. Dies mag damit zusammen hängen, daß die Aufnahmen zu dem Album sämtlich in der Old Mt. Gilead Church, gelegen inmitten eines riesigen, wunderschönen, alten Friedhofs, stattgefunden haben. Jedem Song wohnt ein Stück Hoffnung inne und alle evozieren eine Fülle von Bildern. Bilder von Weite, von Horizonten, die unerreichbar scheinen, von Menschen, die losgelöst von ihren alltäglichen Bedürfnissen existieren und sich schwerelos in Zeit und Raum bewegen.

Um eines jedoch deutlich zu sagen: Die Band steht nicht unter Esoterik-Verdacht. Ein weiterer, selbstverständlich hinkender Vergleich mag ausreichen, um vielleicht die Richtung zu weisen: Hier und da klingen die Early Day Miners wie Interpol auf Valium. Beiden Bands wohnen große Gefühle inne, beide scheinen gefangen in einem dichten Referenzengeflecht. Beide machen alternative Gitarrenmusik, beide entspringen nicht gerade dem kalifornischen Lebensprinzip von lustvoller Leichtigkeit. In beiden Bands sind ziemlich helle Köpfe am Ruder. Soweit trägt die Gegenüberstellung Früchte. Doch haben die New Yorker an einer bestimmten Stelle der Popmusikgeschichte scheinbar aufgehört, Einflüsse aufzunehmen. Die Jungs aus Indiana gehen weiter und begreifen den Begriff "Postrock" offenbar nicht als Schimpfwort, sondern nur als zusätzliche Ausdrucksmöglichkeit. Kombiniert mit der alten Kunst des Geschichtenerzählens, mit der Fähigkeit zur Selbstreflektion, wird in Momentaufnahmen wie "The way we live now" auf dramatische Art und Weise ein weit verbreitetes Lebensgefühl auf den Punkt gebracht: das Zwischen-den-Stühlen-Sitzen.

(Joerg Utecht)

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Highlights

  • Townes
  • All harm
  • The way we live now

Tracklist

  1. Errance
  2. Townes
  3. The union trade
  4. Comfort/Guilt
  5. All harm
  6. Precious blood
  7. We know in part
  8. The way we live know
  9. The purest red

Gesamtspielzeit: 39:59 min.

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