Nic Armstrong - The greatest white liar

Nic Armstrong- The greatest white liar

One Little Indian / Rough Trade
VÖ: 31.01.2005

Unsere Bewertung: 7/10

Eure Ø-Bewertung: 8/10

Pilzinfektion

Ganz England in Aufruhr. Es gibt sie wieder. Zwei der Fabs auf dem Fourmarsch: Die Beatles sind wieder da. Im Buckingham Palace tanzt sich Queen Lisbeth die Klunker von der Weste, der Big Ben rockt around the clock und Nazi-Harry tauscht endlich wieder die Hakenkreuzklamotten gegen Charles' Beatles-Shirts ein. Es wurde ja auch langsam mal Zeit. Lange genug hatten sich Paul McCartney und Ringo Star geziert und eine Reunion der verbliebenen Restzweiviertel der Beatles ins Reich der Fabeln verwiesen. Jetzt sind sie wieder ... Halt! Stop! Alles nur Fiktion! Ein Traum, zu schön, um wahr zu sein. Es ist leider nur Nic Armstrong, der mit seinem Debüt-Album hier gänzlich anachronistisch die Sechziger wieder aufleben läßt. Aber weil er das so gut macht, kann man doch mal ins Fabulieren geraten.

Im Königreich ist der erst 24jährige Armstrong womöglich schon bald jedermanns Darling. Kein Wunder: Wer sich auf seiner Platte großspurig als "The greatest white liar" inszeniert und dabei musikalische Kleinodien vom Stapel haut, die einem Nostalgie-Tränen in die Augen treiben, der darf auch mal mit den Fab Four verwechselt werden. Nic Armstrong hat wahrscheinlich ein ums andere Mal im Billy-Regal seiner Eltern gestöbert und dort einen reichhaltigen Fundus aus Beatles- und Kinks-Platten vorgefunden. Ihm hätte wohl nichts Besseres passieren können.

Mit seinen vierzehn Stücken auf "The greatest white liar" versteht es der Jungspund aus Nottingham sehr wohl, die Hommage an ein musikalisches Weltkulturerbe nicht in Monotonie zu ertränken. Er sorgt sich rührig um den Denkmalschutz, restauriert feinfühlig und garniert seine Melodien stets mit neuer Verve. Und so wird all das akkumulierte Wissen über die Sechziger mit einigen Referenzen an die musikalische Gegenwart angereichert. Und während "I can't stand it" als Opener von einer saftigen Verzerrung angetrieben wird und sich Armstrong danach mit krächzender Stimme erfolgreich am derzeit immer noch so hippen Retro-Rock versucht, verschiebt sich in herzschmelzenden Balladen wie "I'll come to you" oder "In your arms on my mind" die Stimmung unter die Bettdecke. Er kann eben beides.

Armstrong weiß, wie man den Slip unter dem Pettycoat sichtbar macht. Entweder läßt man die Damen tanzen und die Pettycoats schwingen, oder man versucht es mit der soften Variante, streicht Zeigefinger und Daumen ganz sanft über seine Klampfe und bezirzt die Liebste mit traumhaften Melodien. Beides ist auf "The greatest white liar" zu Genüge vorhanden. Dieses Album wird Macca und Ringo aufhorchen lassen. Und den Rest der Insel schwelgt einmal mehr von einer Zeit, in der ihre Königin noch Füchse jagen durfte und ihre Enkel noch wußten, daß Nazis böse Typen sind.

(Sebastian Peters)

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Highlights

  • In your arms on my mind
  • I'll come to you
  • Too long for her
  • You made it true

Tracklist

  1. I can't stand it
  2. Broken mouth blues
  3. In your arms on my mind
  4. Down home girl
  5. On a promise
  6. I'll come to you
  7. Back in that room
  8. Too long for her
  9. She changes like the weather
  10. Natural flair
  11. Scratch the surface
  12. You made it true
  13. The finishing touch
  14. Mrs. the moraliser

Gesamtspielzeit: 40:43 min.

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