Matt Sweeney & Bonnie 'Prince' Billy - Superwolf

Matt Sweeney & Bonnie 'Prince' Billy- Superwolf

Drag City / Domino / Rough Trade
VÖ: 17.01.2005

Unsere Bewertung: 6/10

Eure Ø-Bewertung: 8/10

Tanz der Fragmente

Im alternativen Musikgeschäft geschehen bisweilen noch Zeichen und Wunder. Der ausgemachte Eigenbrödler und Querdenker Will Oldham hat bei seiner jüngsten Veröffentlichung das musikalische Ruder aus der Hand gegeben und sich der Führung eines langjährigen Weggefährten anvertraut. Matt Sweeney, bekannt von Bands wie Chavez und Zwan, war lange Zeit mit Oldham als Tourmusiker unterwegs und hat sich so das Vertrauen des Meisters erspielt. Eines Tages dann erhielt er von diesem ein Bündel Gedichte und Textfragmente, die zu vertonen nun die Aufgabe der kommenden Monate sein sollte. Das Projekt "Superwolf" gewann auf gemeinsamen musikalischen Reisen Konturen und erblickt nun, Anfang 2005, als Veröffentlichung zweier gleichberechtigter Freunde das Licht der Welt.

Der Palace Brother Will Oldham präsentiert sich zum wiederholten Male als Bonnie 'Prince' Billy der geneigten Hörerschaft und verleiht seiner oftmals reichlich egozentrierten Lyrik eine gleichermaßen eindringliche wie zerbrechliche Stimme. Die Arrangements von Sweeney schaffen mit spärlichen Mitteln eine überaus dichte und konzentrierte Atmosphäre. Im Zusammentreffen dieser beiden Komponenten entsteht ein Sound, ein musikalischer und emotionaler Sog, der beinahe körperliche Schmerzen verursacht; in guten Momenten wie beim Kernstück des Albums "Lift it up" zum Beispiel. In schlechten allerdings - die es leider auch hier und da gibt - gleiten Songs wie "Goat and ram" ins Melodramatische ab. Bei diesem Song finden sich elektrische Gitarrenwände und Soli, Chorgesänge à la Crosby, Stills, Nash & Young.

Über weite Strecken beschränkt sich die Instrumentierung auf ein bis zwei akustische Gitarren pro Stück, ab und an mal eine elektrische. Oft begleitet eine davon Oldhams Stimme auf ihren absonderlichen Wegen der Melodieführung. Percussions werden nur an zwei Stellen eingesetzt. Der so entstehende karge Sound spiegelt den emotionalen Selbsterkennungstrip in des Sängers Seele zwar kongenial wieder, macht es dem Konsumenten aber wahrlich nicht leicht. Zumal er mit dem Opener "My home is the sea" auf eine falsche, weil fast schon treibend-rockige Fährte gesetzt wird. Daß Matt Sweeney dieses Metier gut beherrscht, ist durch seinen Werdegang belegt. Allerdings haben sowohl er als auch Oldham den "Superwolf" in sich weitestgehend domestiziert.

(Joerg Utecht)

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Highlights

  • My home is the sea
  • Lift us up

Tracklist

  1. My home is the sea
  2. Beast for thee
  3. What are you
  4. Goat and ram
  5. Lift us up
  6. Rudy foolish
  7. Bed is for sleeping
  8. Only someone running
  9. Death in the sea
  10. Blood mbrace
  11. I gave you

Gesamtspielzeit: 43:58 min.

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