John Frusciante - Curtains

John Frusciante- Curtains

Record Collection / Warner
VÖ: 24.01.2005

Unsere Bewertung: 7/10

Eure Ø-Bewertung: 8/10

Letzter Aufruf

Ein Blick in die Bücher: John Frusciante hat in den vergangenen zwölf Monaten, Ataxia mitgerechnet, sechs Alben und eine EP veröffentlicht. Vier Stunden, 17 Minuten und 28 Sekunden Musik, verteilt auf 67 Songs und einen ganzen Haufen wildester Stilspagate von Indie-, über Kraut- bis zu Post- und Rock-Rock. Nebenbei hat er seinen Kumpanen Josh Klinghoffer als talentierten Songwriter und veritablen Sidekick vorgestellt, den ein oder anderen Plattenhändler vor dem Ruin bewahrt und eine gute Handvoll Lieder geschrieben, die man niemals mehr hergeben möchte. Rechtzeitig fertig geworden ist er trotzdem nicht.

Eigentlich sollte nämlich schon im Dezember ein vorübergehender Schlußstrich unter Frusciantes Veröffentlichungswut gezogen werden. Woraus dann aber doch nichts wurde, weil wahrscheinlich alle außer ihm Weihnachtsferien machen wollten. So hat sich "Curtains" eben ins neue Jahr verschoben. Und ist nebenbei bemerkt auch nicht das Unplugged-Album geworden, als das es zwischendurch angekündigt worden war. Ganz dezent flackert doch wieder mancher Synthesizer durch die Kulissen der Songs, und auch von seinen ausgeleierten, längst Markenzeichen gewordenen Gitarrensoli wollte John nicht die Finger lassen. Nach lockeren Wohnzimmersessions klingt die Platte trotzdem, nach quietschenden Gitarrensaiten, einzählen, husten und dazwischenrufen. Zeit, ein bißchen festlich zu werden.

Gleich der Opener "The past recedes" gibt die Songwriter-Richtung der Platte vor, greift zwischen zwei brüchigen Akkorden zur Mundharmonika und ist auch noch überwältigend schön. "Your warning" streichelt sowohl klassische als auch elektronische Tasten, und durch "Time tonight" schleppen sich sogar wieder ein paar diskret mosernde Störgeräusche, die Gott weiß was ausgespuckt hat. Wenn man John Frusciante ist, paßt eben selbst in die engste Songritze noch eine kleine Absonderlichkeit hinein.

Dennoch fällt auf, wie wenig diese Songs von allem brauchen, sei es nun Zeit, Instrumente oder Noten. Auf schmückendes Schlagzeug wurde weitgehend verzichtet, meist sind Akustikgitarre und -baß hier schon das höchste der Gefühle. Es bleibt also viel Platz für Frusciantes erstaunlich gereifte Stimme, für loses Picking und noch mehr Geschichten über Leben, Tod, Gott und die Welt. "Life is so sad", beklagt sich John diesmal kurz vor Schluß, gestützt nur von einem Klavier. Wir sollten ihm wirklich dankbar sein. Weil er das vergangene Jahr ein gutes Stück erträglicher gemacht hat.

(Daniel Gerhardt)

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Highlights

  • The past recedes
  • Time tonight

Tracklist

  1. The past recedes
  2. Lever pulled
  3. Anne
  4. The real
  5. A name
  6. Control
  7. Your warning
  8. Hope
  9. Ascension
  10. Time tonight
  11. Leap your bar

Gesamtspielzeit: 33:44 min.

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