Blood Brothers - Crimes

Blood Brothers- Crimes

V2 / Rough Trade
VÖ: 17.01.2005

Unsere Bewertung: 8/10

Eure Ø-Bewertung: 8/10

Dali, Dali

Die Band, die Ross Robinson überlebt hat. Vielleicht war es ein wenig zu optimistisch, den Blood Brothers und ihrem grandiosen Wirbelsturm "...Burn, Piano Island, burn" die Nachfolge von At The Drive-In zuzutrauen. Beim alternativen Mainstream stieß der quirlige Fünfer aus Seattle trotz vehementer Abfeierung auch von dieser Stelle aus leider weitgehend auf taube Ohren. Trotzdem halten sie konsequent an ihrem hakenschlagenden ADHS-Pogo fest. Und wenn er das letzte wäre, das nach diesen knapp vierzig Minuten noch mit beiden Füßen auf dem Boden der Tatsachen steht.

Denn selbst wenn man "Crimes" die angezogene Handbremse deutlich anhört, donnern die Blood Brothers weiterhin über die Gehörnerven hinweg wie ein Güterzug auf dem schnellsten Weg in den Abgrund. Dabei entpuppt sich die zwischenzeitliche Ruhe vor und während des Sturms als ganz pragmatisches Mittel zum Luftholen. Denn wer so herzergreifend seine Stimmbänder zerlegt wie Johnny Whitney und Jordan Blilie, braucht eben Atempausen. Um gleich danach wieder loszetern zu können, als wäre die ganze Welt aufzurütteln. Hier und jetzt und sofort.

Schon im donnernden Vorauskommando "Trash flavored trash" schüttelt es den ganzen Ekel über diese Welt aus Whitney heraus: "There's a priest in shackles building bombs out of bibles." Was nach Abfall riecht, ist auch solcher. Ein heiliger Zorn und ein herrliches Gewirr aus allem, was Lärm macht. Und wenn auch das aktuelle Video "Love rhymes with hidous car wreck" echte Hitqualitäten besitzt, knirscht und rumpelt es bei aller Harmonie derart im Gebälk, daß man glaubt, den Autounfall am eigenen Leib mitzuerleben. Und die gewohnt surreale Bildsprache macht den Alptraum noch unheimlicher. "Those tire tracks zigzag your torso like the devil's self portrait."

Ein feines Gestürze von Angst nach Paranoia und von Panik zu Weltschmerz ist das, was auf "Crimes" das Überdruckventil beansprucht. Gitarrengnom Cody Votolato wringt derart absurde Riffs aus seinem Stück Holz, daß man gleich den Verbandskasten bereithalten will. Akkordeon, Farfisa-Orgel, Trompete, Synthesizer und Kontrabaß schwirren durch die Songs. Zwar nur noch in Splittern, aber dank John Goodmansons (Sleater-Kinney, Blonde Redhead) kompetenter Produktion stets so, daß man jedes Molekül zu hören glaubt. Beseelt von der neuen Zielstrebigkeit trauen sich verquere Melodien erst schüchtern, dann immer selbstbewußter in die Moshpit. Und werden dann doch zum Wohl der Kunst wieder gnadenlos zerrüttet. Doch niemand verheddert sich, kein Groove kommt aus dem Tritt. Nur vor dem geistigen Auge sieht man schon die Playmobil-Frisuren übereinanderstolpern. Gut Holz.

(Oliver Ding)

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Highlights

  • Trash flavored trash
  • Love rhymes with hideous car wreck
  • Peacock skeleton with crooked feathers
  • Rats and rats and rats for Candy
  • Live at the apocalypse cabaret

Tracklist

  1. Feed me to the forest
  2. Trash flavored trash
  3. Love rhymes with hideous car wreck
  4. Peacock skeleton with crooked feathers
  5. Teen heat
  6. Rats and rats and rats for candy
  7. Crimes
  8. My first kiss at the public execution
  9. Live at the apocalypse cabaret
  10. Beautiful horses
  11. Wolf party
  12. Celebrator
  13. Devastator

Gesamtspielzeit: 38:58 min.

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