IAMX - Kiss & swallow

IAMX- Kiss & swallow

Recall / Tennis / Edel
VÖ: 25.10.2004

Unsere Bewertung: 7/10

Eure Ø-Bewertung: 7/10

Platzhalter

Bis zur sechsten Klasse war die Welt noch in Ordnung. Sie funktionierte nach einem einfachen Schema von Gut und Böse, und Mathe war ein Schulfach wie jedes andere. Bisweilen war es sogar äußerst nützlich, half das Fach doch, beim monatlichen Bezahlen des Milchgeldes schön den Überblick zu behalten. Dann kamen sie, die Variablen X und Y, und mit ihnen trennte sich in jeder Klasse die Spreu vom Weizen. Jene, die diese Buchstabenspielchen nicht begriffen, konnten sich getrost mit einer doppelten Lektüre ihrer Schulbücher anfreunden. Die anderen redeten fortan von Platzhaltern und taten so, als sei dies die logischste Sache der Welt.

Chris Corner, künstlerischer Kopf hinter I Am X, scheint seine Schulzeit recht souverän absolviert zu haben, hantiert er doch im Bandnahmen mühelos mit jenem König der Platzhalter. Und füllt ganz nebenbei mit seinem Projekt I Am X den Platz, jenen leeren Raum also, den die Sneaker Pimps hinterlassen haben. Dabei geht Corner noch einen Schritt weiter, als seine Ex-Band: Er verzuckert seine Songs, die noch immer die melodisch-freie Sneaker-Pimps-Luft atmen, mit einem rockenden Gewand.

Schon das letzte Sneaker-Pimps-Album "Bloodsport" war ein Fingerzeig in diese Richtung. Doch "Kiss and swallow" geht noch einen Schritt weiter. Corner ist mit dabei im Konzert der knallenden Bässe, der schwülstigen Hymnen, der krachenden Disco-Stampfer im Indie-Rock-Gewand. Schon der Titeltrack "Kiss and swallow" mischt Elektronik mit Rock und fusioniert dies mit einer Stimme, die nur ganz leicht durch den Vocoder gedreht wurde. Geiler Einstieg. "Sailor" macht genau da weiter. Es wummern die Synthesizer, es pumpt der Baß.

Spätestens bei dem Klassetrack "Simple girl" wähnt man sich auf dem Sofa von Oliver Geißen. Ist das hier die Achtziger-Show? Immer scharf an der Grenze zum Überkitsch: Auch das waren die Achtziger. "Your joy is my low" etwa schwankt zwischen genialer Melodie und tieftönendem Knalleffekt. "I like pretending" und "Missile" ständen auch Air gut zu Gesicht, und in "You stick it in me" darf eine Damenstimme säuseln. Beim abschließenden "Heat wave" schließlich dreht Corner völlig durch: Eckenrechnen für Fortgeschrittene, durchgeknallte Tanzbodenfegung deluxe. Mit IAMX darf man auch in Zukunft rechnen.

(Sebastian Peters)

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Highlights

  • Sailor
  • Simple girl
  • Heat wave

Tracklist

  1. IAMX
  2. Sailor
  3. Naked but safe
  4. Simple girl
  5. Mercy
  6. Your joy is my low
  7. I like pretending
  8. You stick it in me
  9. Skin vision
  10. Missile
  11. White suburb impressionism
  12. Heat wave

Gesamtspielzeit: 60:51 min.

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