Madonna - Music

Madonna- Music

Maverick / WEA
VÖ: 18.09.2000

Unsere Bewertung: 7/10

Eure Ø-Bewertung: 7/10

Wein, Weib und Vocoder

Die Medien neigen bekanntlich immer ein wenig zu Übertreibungen. Wenn irgendjemand 90 Minuten lang unfallfrei gegen eine Lederkugel getreten hat, wird er zum "Super Mario" glorifiziert, während der musikalische Hype des Monats als "Meister Popper" von allen Litfaßsäulen der Stadt prangt. Mit dem Verleihen von Adelstiteln hingegen ist man weitaus vorsichtiger. Egal ob "Königin der Herzen" oder "Kaiser Franz": Wer einmal einen derartigen Titel dauerhaft für sich beanspruchen darf, hat es geschafft. Nicht nur auf die Titelseiten, sondern - was viel wichtiger ist - auch in die Herzen eines jeden. Doch wer splitternackt am Straßenrand steht und ein aufreizendes "Erotica" stöhnt, ist des Throns der Königin nicht würdig, und das weiß auch "queen of pop" Madonna. Aus der kurzzeitig häßlichen Raupe ist eine der renommiertesten Solokünstlerinnen der Gegenwart geschlüpft, aus dem zwischenzeitlichen Luder eine sympathische Diva geworden. Spätestens seit "Ray of light" braucht niemand mehr seine Madonna-Platten in der Schublade zu verstecken. Der König ist tot, lang lebe die Königin!

Doch auch ohne nackte Tatsachen versteht es Madona weiterhin geschickt, zu polarisieren und im Gespräch zu bleiben. Für ihre Verunglimpfung von Don McLeans Klassiker "American pie" gab es zwar Kritikerdresche von allen Seiten, doch brachte sie Madonna (wieder mal) zurück an die Chartsspitze und in aller Munde. Die richtige Entscheidungen war es auch, William Orbit, der einen nicht zu unterschätzenden Anteil am Erfolg des Vorgängers hatte, für "Music" im Boot zu belassen und den französischen Sound-Tüftler Mirwais hinzuzuholen. Nicht zuletzt mit Mirwais Hilfe steuert das Flaggschiff Madonna fern aller gewöhnlicher Strömungen sicher auf den Horizont zu, der da Zukunft heißt. Den verruchten Teil der Achtziger mit minzgrünen Leibchen und geschmacklosen Frisuren lassen sie weit hinter sich und holen ihre Inspirationen nunmehr lieber aus der neu aufkeimenden französischen House-Szene und nicht zuletzt von Elektro-Pioniere der Eighties, die für "Paradise (Not for me)" oder "Nobody's perfect" Pate standen. Mirwais rollt den passenden Beat-Teppich aus, die Synthies blubbern und Madame Ciccone trällert stimmsicher ihre Liedchen. Ein wenig unglücklich scheint hierbei höchstens, daß ihre Stimme für fast jeden Song durch alle möglichen Verfremdungs-Geräte wie den Vocoder gejagt wurde. Obwohl es Vocal-Effekte natürlich lange bevor Cher damit die Charts stürmte gab und sie zu "Music" passen wie der Cowboyhut auf Madonnas Köpfchen, wirken sie in dieser geballten Form manchmal ein wenig störend. Denn wer will schon ein Madonna-Album, auf dem sie klingt wie ein schlecht geölter Computer oder eine schlecht operierte Mittfünfzigerin?

Nur einmal treten die Effektgeräte ein wenig in den Hintergrund, und es wird andächtig. In der scheuen Ballade "What it feels like being a girl" darf Madonna noch mal für fünf Minuten kleines Mädchen sein und herzzereißend die Leiden einer jungen Dame besingen. Ansonsten geht die 42-jährige ihren eingeschlagenen Weg hin zur Elektronik ein konsequentes Stück weiter. Auch wenn das Ergebnis im Extremfall, insbesondere bei den drei Songs, die William Orbit zu verantworten hat, ein wenig zu hektisch oder überladen ausfällt: Selten ging eines ihrer Stücke mehr in die Beine als der Titelsong, und nie war ein Madonna-Album ausgefeilter produziert als "Music". Der Teufel steckt im Detail, der Engel offensichtlich auch. Einmal mehr ist Madonna nicht nur auf der Höhe des Zeitgeistes, sondern ist ihm zwei Schritte voraus. Wo will diese Frau eigentlich noch hin? "Music makes the people come together". Und sie tanzen zu diesem Album.

(Armin Linder)

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Highlights

  • Music
  • What it feels like for a girl

Tracklist

  1. Music
  2. Impressive instant
  3. Runaway lover
  4. I deserve it
  5. Amazing
  6. Nobody's perfect
  7. Don't tell me
  8. What it feels like for a girl
  9. Paradise (Not for me)
  10. Gone
  11. American pie

Gesamtspielzeit: 49:18 min.

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(Neueste fünf Beiträge)
User Beitrag
Dan
2009-10-15 23:54:59 Uhr

Gautama 10.10.2009 - 19:15 Uhr
Wie meinste das? :D Ihre künstlerische Hochphase? Würde ich in diesem Falle unterschreiben.

genau so meine ich das ;)
Gautama
2009-10-15 20:02:06 Uhr
Für ein 9/10er-Album hats meiner Meinung nach bei Madonna nie gereicht, da sie in meinen Augen eine ganz klare Single-Künstlerin ist und auf ihren Alben immer viel zu viel klares Füllmaterial drauf hatte.

Der Sound der "Music" ist trotzdem meiner Meinung nach ihr interessantester, aus dieser hochinteressanten Verbindung von Folk und Electro hätte sie vermutlich auch noch viel mehr herausholen können, aber dafür saßen ihr wohl Zeit und Zeitgeist zu sehr im Nacken. Und beim Nachfolgealbum "American Life" waren ihr wohl beide schon davongelaufen. Trotzdem: Die Idee scheint in diesem Album immer wieder durch und prägt das bis dato letzte interesante Image dieser großen Künstlerin.

7/10
Konsum
2009-10-15 19:49:35 Uhr
DAS Pop-Album des neuen Jahrhunderts. Absolut bahnbrechend. Etablierte (zusammen mit ray of light) Madonna als Album-Künstlerin. Leider kam sie von diesem Weg später wieder ab, Music war jedoch ganz klar der Höhepunkt ihres Schaffens.

9/10
Gautama
2009-10-15 18:30:43 Uhr
"Don't Tell Me" ist auch echt großartig. Kratzt an der 9/10, weil eine wirklich raffinierte Produktion.
Gautama
2009-10-10 19:15:38 Uhr
Wie meinste das? :D Ihre künstlerische Hochphase? Würde ich in diesem Falle unterschreiben.
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