16 Horsepower - Secret south

16 Horsepower- Secret south

Glitterhouse
VÖ: 27.03.2000

Unsere Bewertung: 9/10

Eure Ø-Bewertung: 8/10

(Ghost) Riders from the south

Düster, staubig und voller Leidenschaft - mit diesen Eigenschaften bestückt fällt uns mit "Secret south" ein Album der Sonderklasse ins Haus. Schon der Opener "Clogger" besticht durch den intensiven Vortrag von David Eugene Edwards, der sich über einem groben Teppich aus Folk, Country und Alternative Rock erstreckt. Ein Schatten scheint sich in der Musik auszubreiten, und bis zum Ende von "Secret south" verschwindet dieser nicht. Voller Verzweiflung, aber doch mit Wärme und Leidenschaft, findet der Hörer Zugang zu der Welt einer Band, die mit ihren eindringlichen Liveshows schon bei manch einem für Begeisterung gesorgt hat.

Die Zeilen "I'm just a poor wayfaring stranger / travellin' through a world of woe" aus dem Traditional "Wayfaring stranger", wo man das Gefühl hat, Lead Belly persönlich würde vom Grammophon krächzen, macht sich Edwards zu eigen und erlaubt uns, ihn auf dieser Reise zu begleiten. Die allzeit düsteren Klänge wie jene, die "Cinder alley" einläuten, erinnern an die Geschichten, die Nick Cave zu erzählen pflegt. Die ursprüngliche Kraft dieser Story von Versuchung und dunkler Leidenschaft richtet ganz nebenbei ein paar Nackenhaare aufrecht, wenn der gute Hirte seine Herde im Stich läßt, um nach seiner Geliebten zu suchen. Das Happy End bleibt natürlich aus, schließlich ist hier nicht Hollywood.

Edwards spielt zudem gerne mit religiöser Symbolik, wie in der sehnsuchtsvollen Pianoballade "Burning bush" oder beim Ritt über die "Praying arm lane". Hier klimpert das Banjo über der Prärie, aber die Kavallerie will partout nicht zur Seelenrettung erscheinen. Bildhaft geht es in "Splinters" weiter: "Self sent a twister / a tearin' after me / done bust my house to splinters, yeah / and took all that's dear to me" Zu allem Übel ist er für sein eigenes Ungemach selbst verantwortlich. Auch "Nobody 'cept you", im Original von Altmeister Bob Dylan, wird sehnsüchtig zelebriert, während im Hintergrund die allgegenwärtige Spannung darauf wartet, endlich herausgelassen zu werden. Statt einer versöhnlichen Hand wartet am Ende in "Strawfoot" aber nur die Hoffnung auf Vergebung ("It ain't no sin, son / to be forgiven").

Während sich alle Welt mit den neuesten Samples und den vertracktesten Beats daran versucht, eine Nische der globalisierten Gesellschaft zu erhaschen, gelingt dies 16 Horsepower mit der Besinnung auf Traditionen. Dennoch findet man wohl kaum eine zweite Band, die sich heutzutage diese Rückbesinnung traut und dennoch kein bißchen altbacken klingt. Zugänglich wie nie und dennoch keineswegs massenkompatibel werden Songs groß und leere Posen klein geschrieben. Dramaturgie und Songwriting gehen hier Hand in Hand. "Es ist eher ein Film über das Leben", erklärt Drummer Jean-Yves Tola. Edwards schnappt sich währenddessen lieber seine Gitarre und bläst mit weiteren seiner Geschichten den Staub von seinen Cowboystiefeln.

(Oliver Ding)

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Highlights

  • Clogger
  • Cinder alley
  • Burning bush
  • Praying arm lane

Tracklist

  1. Clogger
  2. Wayfaring stranger
  3. Cinder alley
  4. Burning bush
  5. Poor mouth
  6. Silver saddle
  7. Praying arm lane
  8. Splinters
  9. Just like birds
  10. Nobody 'cept you
  11. Straw foot

Gesamtspielzeit: 42:16 min.

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