Nouvelle Vague - Nouvelle Vague

Nouvelle Vague- Nouvelle Vague

Peacefrog / Rough Trade
VÖ: 09.08.2004

Unsere Bewertung: 8/10

Eure Ø-Bewertung: 8/10

Twenage kicks

Das vermutlich charmanteste Hitrecycling der letzten Jahre, mindestens aber der vergangenen zwölf Monate. Was die beiden französischen Beatverbastler Marc Collin und Olivier Libaux aus den Schlagern ihrer Jugend machen, verdient jeden Respekt. Zum Beispiel diese überfällige Lobhudelei aus dem Hause Plattentests.de. Nur ein paar Engländer finden keinen Spaß daran, daß ein paar Franzosen mit gleich acht unterstützenden Stimmchen ein paar der alten Hymnen aus der Frühzeit von Punk, Gothic und Indie in ein kokettes Bossa-Nova-Kleidchen wickeln. Schwappten doch die meisten dieser eigentlich unantastbaren Klassiker unter dem verbindenden Signet "New Wave" damals von der Insel herüber aufs Festland. Und sollten somit kein Spielzeug für Froschfresser sein.

Aber das, was Nouvelle Vague mit einem Zwinkern auf die neue Schule des französischen Films der späten Fünfziger betiteln, ist eine formidable Respektsbekundung für einige jener Songs, die den Grundstein für das legten, was sich heute noch musikalisch für alternativ hält. Dabei machten es Collin und Libaux zur Voraussetzung, daß die Chanteusen die Originale kaum bis gar nicht kennen. Und so entwickeln sie alle ein augenzwinkernd harmloses Eigenleben. Sei es der einstmals finster dreinblickende "Marian" von den Sisters Of Mercy, der nun durch den Regen tänzelt. Der Dead-Kennedys-Klassiker "Too drunk to fuck", dessen vorlautes Gekiekse und laszives Gehauche eher nach Prosecco als nach Whiskey klingt. Das rehscheue "(This is not) A love song", das John Lydons Gekeife jede Aggressivität nimmt. Und mit seinem Jungmädchencharme um so unwirklicher wirkt.

Besonders rührend wagen sich Nouvelle Vague an "In a manner of speaking", jene Zärtlichkeit der sträflich übersehenen Tuxedomoon, die vor Jahren Martin Gore ans Licht der Öffentlichkeit zerren wollte. Langsam klickt der Rhythmus, und die Gitarre weint ein Ströphchen dazu. Dann weht die ewige Liebeskummer-Überhymne "Love will tear us apart" mit zärtlichstem Eurovisions-Englisch daher, während Depeche Modes "Just can't get enough" eine prima Figur als beschwipste Samba abgibt. Auch der Gang durch "A forest" fasziniert. Statt paranoidem Tunnelblick gibt es leichtfüßiges Gehüpfe über moosweichen Waldboden. Und falls Robert Smith die allerliebste Xylophon-Umdeutung seines alten Synthi-Solos nicht gefallen sollte, möge ihm auf der Stelle sein Vogelnest abfallen.

Die unaufgeregte Absurdität der Idee wird durch das reizende Wortspiel des Projekttitels weitergeführt: Denn New Wave, Bossa Nova und Nouvelle Vague bedeuten nun einmal exakt das gleiche: neue Welle. Nicht nur in Caféhäusern der Tanzspaß des Sommers. Und nur verbohrte Einbahnstraßenhörer fanden an "Nouvelle Vague" keine Freude. Derweil durften sich endlich auch die langsam in Richtung Rente alternden Irokesen-, Kutten- und Spinnenweben-Träger sanft schunkelnd in den Armen liegen. Schuld war nicht nur der Bossa Nova.

(Oliver Ding)

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Highlights

  • Love will tear us apart
  • In a manner of speaking
  • Marian
  • A forest

Tracklist

  1. Love will tear us apart
  2. Just can't get enough
  3. In a manner of speaking
  4. Guns Of Brixton
  5. (This is not) A love song
  6. Too drunk to fuck
  7. Marian
  8. Making plans for Nigel
  9. A forest
  10. Psyche
  11. Teenage kicks
  12. I melt with you
  13. Friday night Saturday morning

Gesamtspielzeit: 46:28 min.

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(Neueste fünf Beiträge)
User Beitrag
Armin
2006-02-09 23:01:10 Uhr
Camille

Wir wissen es ja schon seit geraumer Zeit: Unsere Camille ist augezeichnet! Dass sie es jetzt auch vermutlich in großen Rahmen wird, überrascht uns nicht im Geringsten.

Bei den "Victoires de la musique" Awards, dem französichen Echo, am 03.03. ist die französische Sängerin satte vier Mal nominiert. Für ihr 2005er Album "Le Fil" könnte sie in folgenden Kategorien bedacht werden:

Live revelation artist of the year
Album revelation of the year
Original song of the year
Publikum Favorite of the year

Die "Nouvelle Vague"-Sängerin und mittlerweile äußerst erfolgreiche Solokünstlerin kommt im Mai auf Tour nach Deutschland und veröffentlicht außerdem am 10.03. ein Livealbum.
Tourdaten
08. Mai, Karlsruhe, Tollhaus
09. Mai, Jena, Stadtkirche St. Michael
10. Mai, Darmstadt, Centralstation
12. Mai, Hamburg, Fabrik
13. Mai, Berlin, Glashaus
Karten an allen bekannten Vorverkaufsstellen.

Website:
www.camille-lefil.com

Oliver Ding
2005-06-13 14:40:39 Uhr
Wir wissen jetzt auch, welche Platte 2raumwohnung letztes Jahr ausgiebig gehört haben. :-)
pennylane
2005-06-13 13:54:36 Uhr
die ist ja sowas von fein! muss hier nochmal erwaehnt werden, weil: sommerliche liebesgefuehle erweckend.
Paul Paul
2005-05-28 09:39:26 Uhr
Also "Platte des Jahres" wirklich nicht.
Uh huh him
2005-05-28 07:57:10 Uhr
naja, ist halt eine Coverplatte, sowas würde ich nicht "Platte des Jahres" nennen, oder?
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