Kanye West - The college dropout

Kanye West- The college dropout

Roc-A-Fella / Def Jam / Universal
VÖ: 10.02.2004

Unsere Bewertung: 8/10

Eure Ø-Bewertung: 6/10

Der Thronfolger

Weil immer dann eine neue Zeitrechnung beginnt, wenn der wichtigste Spieler das Team verläßt, wird der HipHop 2004 als Jahr eins nach Jay-Z in Erinnerung behalten. Nun hat man zwar vom Frühruhestand des Roc-A-Fella-Moguls noch nicht viel gemerkt, weil ein genialischer DJ seine letzte Platte mit dem weißen Album der Beatles in einen Zaubertopf warf und der Meister himself sich außerdem nicht zu schade war, seine Raps in den Linkin-Park-Dienst zu stellen. Wir hätten hier aber trotzdem schon einen passenden Nachfolger parat. Wenn Du also einen Schritt zur Seite treten könntest, Jigga – Vorhang auf für Kanye West.

"The college dropout", da ist man sich größtenteils einig, ist das beste Mainstream-HipHop-Album, das es im vergangenen Jahr gegeben hat. Und das ist nicht etwa der Fall, weil Kanye irgendetwas großartig anders machen würde als all die Ja Rules, 50 Cents und sonstigen falschen Fuffziger im Geschäft. Er macht es nur einfach besser. Läßt nicht locker, bis auch der letzte Beat paßt. Läßt seine Worte erst los, wenn sie bis in die letzte Silbe zurechtgefeilt sind. Reibt sich auf für seine Platte. Und das Tolle daran ist: Man hört es auch.

Tatsächlich kann man zu jeder Sekunde spüren, welche Arbeit in "The college dropout" steckt, obwohl es gleichzeitig natürlich niemals angestrengt klingt. Sein Producer-Handwerk hat Kanye schließlich bei zahlreichen Auftragsjobs gelernt, unter anderem übrigens für – siehe da – Jay-Z. Wenn man nun aber seine erste eigene Platte hört, wird man den Eindruck nicht mehr los, daß sich der Kerl seine besten Ideen bis hierher aufgehoben hat. Der Donnerhall von "Jesus walks" bricht über uns herein wie ein plötzliches Unwetter. "Last call" rappt geschlagene 13 Minuten um sein Leben. Und das so relaxte wie vielschichtige "We don't care" stellt HipHop und Zynismus einander vor. "Drug dealing just to get by." Gesungen von einem Mädchenchor.

Über all das hinaus ist "The college dropout" aber auch die erste HipHop-Platte seit langem, die durch ihren Feature-Overkill und ihre vielen Zwischenskits wirklich gewinnt. "All falls down" entlarvt Syleena Johnson als Soulwunder to come, "Never let me down" markiert die Machtübergabe durch Jay-Z mit Saul Williams als Kronzeugen. Und während sich in "Slow jamz" Calm-Down-Beat und Highspeed-Raps beißen, gibt mit Jamie Foxx sogar ein kommender Oscargewinner ein Gastspiel. Mark my words.

Und damit wären wir beim wichtigsten Thema: Zwar hat auch "The college dropout" seine "Pimp my ride"-Momente, etwa den Ludacris-Auftritt in "Breathe in breathe out", aber letzten Endes ist Kanye West viel zu schlau, um sich in Gangsterposen zu verlieren. Stattdessen gibt es warme Worte zu den Brennpunkten des Lebens als schwarzer Amerikaner. Rassismus, Terror, Krieg, Glaube, Armut, Drogen – alles erfreulich unaufdringlich und erfrischend originell verhandelt. Jede Wette also: Wenn das jetzt von heute an für den so weiter geht, wird 2004 schon sehr bald nicht mehr als Jahr eins nach Jay-Z, sondern Jahr eins unter Kanye West gelten. A new dynasty.

(Daniel Gerhardt)

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Highlights

  • We don't care
  • All falls down
  • Jesus walks
  • Never let me down
  • The new workout plan

Tracklist

  1. Intro
  2. We don't care
  3. Graduation day
  4. All falls down
  5. I'll fly away
  6. Spaceship
  7. Jesus walks
  8. Never let me down
  9. Get 'em high
  10. Workout plan (Skit)
  11. The new workout plan
  12. Slow jamz
  13. Breathe in breathe out
  14. School spirit (Skit 1)
  15. School spirit
  16. School spirit (Skit 2)
  17. Lil Jimmy (Skit)
  18. Two words
  19. Through the wire
  20. Family business
  21. Last call

Gesamtspielzeit: 74:42 min.

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(Neueste fünf Beiträge)
User Beitrag
captain kidd
2013-01-17 00:40:50 Uhr
was hab ich das album damals geliebt. ein highlight war für mich immer never let me down - mit jay-z und saul williams auf einem track. wahnsinn. aber auch jesus walks, through the wire, ... ach, ein wirklich gutes album.
LaL
2007-09-30 22:43:36 Uhr
Was sich nicht widerspricht.
Spast
2007-09-26 00:04:03 Uhr
Falsch, College Dropout ist DAS beste Album des Neopopraphiphopsoulfunk.
LaL
2007-09-25 16:12:09 Uhr
College Dropout ist eins der besten Alben.
Soup Dragon
2007-09-20 17:01:05 Uhr
Die Definition von HipHop neben Illmatic.
Die beiden Alben lassen sich nicht wirklich in einen Topf schmeißen. Illmatic ist wahrscheinlich das beste Rap-album überhaupt. 10 perfekte Tracks, kein überflüssiger Schnickschnack, sowas gab und gibt es meines Wissens kein zweites mal im gesamten Hip Hop-Universum.
KanYe West überzeugt weniger durch seine Rapskills, als dadurch sich ebenso dreist wie clever im gesamten Popkulturzirkus (zu Zeiten von College Dropout noch überwiegend im Bereich der schwarzen Popmusik)zu bedienen und so u.a. Jay-Z mit Mos Def zusammenzubringen. Eigentlich war er immer so etwas wie Diddy in gut.
Als Definiton von Hip Hop taugen beide Alben nicht, weil Hip Hop eben mehr ist als nur Rap. *klugscheißmodusaus*
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