Xiu Xiu - Fabulous muscles

Xiu Xiu- Fabulous muscles

5RC / Kill Rock Stars / Tomlab / Indigo
VÖ: 15.03.2004

Unsere Bewertung: 8/10

Eure Ø-Bewertung: 8/10

Zum Weinen gut

Schwer verdauliche Speisen sind in der Regel in der Feinschmeckerszene von geringem Wert. Nicht so in der Musik. Da gilt Schwerverdauliches beizeiten als das wahrhaft Kostbare. Denn mitunter entpuppt sich so mancher musikalischer Sauerbraten erst nach mehrmaligem Beißen als das feine Stück Filet. Von "wachsenden Platten" schreibt man dann für gewöhnlich, von "Growern" ist die Rede. Da ist es verzeihlich, daß Xiu Xiu (sprich: schu schu) und ihre schwere Kost von "Fabulous muscles" einige Zeit im Plattenregal vor sich hin manirieren mußten. Besser spät als nie.

Diese Platte ist aber auch zu vertrackt. Immer wieder sträubt sich das Ohr gegen die trickreichen Melodien, die beharrlich jeder Melodiosität entsagen und manchmal erst gar keine Melodien sind. "Crank hearts" heißt ein Song. Nomen ist hier Omen. Musikalische Griesgrame. Der zweite Song "I luv the valley UH" läßt erahnen, wie David Bowie wohl geklungen hätte, wenn er nicht glücklicherweise irgendwann den Drogen abgeschworen hätte. Ein großartiges wie fragiles Stück Musik. Voller Wehmut zerhackstückeln Xiu Xiu um Sänger Jamie Stewart musikalische Stile bis zur Krankenhausreife. Während sie sich auf dem Vorgängeralbum "Knif play" noch nahezu ausschließlich den verstörenden Klängen widmeten und Melodiosität gänzlich aussparten, wird auf "Fabulous muscles" beizeiten gar mit pathetischer Harmonie hantiert. Im Song "Bunny gamer (b)" etwa läßt sich etwas wie eine logische Notenfolge erahnen.

Dieser kleine Hoffnungsschimmer auf so etwas wie Bodenständigkeit im Werk von Xiu Xiu wird jedoch schnell wieder gänzlich dekonstruiert. "Little Panda McElroy" und "Support our troops OH" sind nur leicht dahingesäuselte Ideen, die auf Eingängigkeit als den Kitt der Gesellschaft verzichten, stattdessen die Seele ins Wanken bringen. Während ein Großteil der Songs auf "Fabulous muscles" auf herkömmliche Instrumentierung verzichtet und stattdessen den Computer walten läßt, erklingt beim Titeltrack plötzlich eine akustische Gitarre. Ganz sanft und ganz langsam. "Nice pieces" kommt daher mit einer unmotiviert geblasenen Trompete. Dazu werden Geschichten erzählt. Seltsame freilich. Und ein großer Teil der Songs berichtet autobiographisch von Homosexualität.

Am Ende liegen der Hörer und Xiu Xiu da. Fabulöse Muskeln, völlig erschlafft. "Fabulous muscles" ist keine Musik für den entspannten Feierabend. Wie eine Sezierung des Körpers zerlegen Xiu Xiu jeden Song bis auf sein kraftstrotzendes Innenleben. Das Album kann zu keiner Zeit "genossen" werden. Höchstens als Kontrastprogramm zum üblichen Pop-Einerlei. Diese verstörende Geräuschkulisse gilt es, sich erst zu erschließen. Keine schnelle Freundschaft, kein One-Night-Stand. Dafür liegen XIu Xiu schwer im Magen. Lange, sehr lange. Zum Weinen gut.

(Sebastian Peters)

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Highlights

  • I luv the valley, oh!
  • Mike

Tracklist

  1. Crank heart
  2. I luv the valley, oh!
  3. Bunny gamer (b)
  4. Little Panda McElroy
  5. Support our troops, oh! (Black angels, oh!)
  6. Fabulous muscles (Mama black widow version)
  7. Brian the vampire
  8. Nieces pieces (Boat knife version)
  9. Clowne towne
  10. Mike

Gesamtspielzeit: 37:35 min.

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