Jens Friebe - Vorher Nachher Bilder

Jens Friebe- Vorher Nachher Bilder

ZickZack / What's So Funny About / Indigo
VÖ: 29.03.2004

Unsere Bewertung: 7/10

Eure Ø-Bewertung: 7/10

Von Bienchen und Blümchen

Ein richtiger Geheimtip ist Jens Friebe nicht mehr. Seine "Vorher Nachher Bilder" zu verpassen, war zwar durchaus möglich. Aber die Danone-Taktik führt letztlich doch zum Ziel: Er kriegte sie alle. Und während die begeisterte Rezensenten-Schar dem Berliner aus Lüdenscheid zu Füßen liegt, wollen wir uns ein wenig mit der Legende befassen: Friebe hatte diesen seltsamen Plan, mit seinen Songs durch die Republik zu touren und sich seine Band unterwegs zusammenzubauen Gleich beim ersten Auftritt findet ein gewisser Jochen Distelmeyer Gefallen an seinen Schlageresken und nötigt NDW-Papst Alfred Hilsberg zur Kontaktaufnahme. Der wiederum setzt Friebe spontan eine Halbjahresfrist, um ein Album einzuspielen. Was dieser nun zum Anlaß nimmt, nach dem legendären Armin von Milch zu fahnden, auf daß ihm dieser den Hintern rette. So weit, so Pop.

Die eingeweihten Zirkel hatten "Vorher Nachher Bilder" 2004 ähnlich wenig entgegenzusetzen wie im Jahr zuvor dem Elan von Wir Sind Helden. Denn dieses merkwürdige Album bringt eine selten gehörte Ästhetik ins einheimische Musikschaffen. Schon das Cover im Ravensburger-Look mit seinen ausgeschnittenen Schmetterlingen und Raupen, das den Sänger mittels Lippenstift und Wetgel ein wenig verhuscht präsentiert, kann sich zwischen Kitsch und Glamour genausowenig entscheiden wie zwischen Nostalgie und Ironie. Und nach genau diesem Prinzip funktionieren auch die vielen unerhörten Indie-Gassenhauer auf "Vorher Nachher Bilder".

Da wäre zunächst der plastikbunte Schwung von "Gespenster", das auf analogen Bässen und wippenden Beats die Geisterbahn moderner Beziehungen entlang fährt wie einst der große Andreas Dorau. Oder die versponnene Hymne "Wenn man euch die Geräte zeigt", die mit preisgünstigen Mitteln den Wall of sound eines Phil Spector imitiert. Der Kirmesgroove von "Star", der quietschende Bodybuilder "Körper" oder der Synthetikschlager "Lied ohne Botschaft", der seinen Slogan ganz doll ernst nimmt. Und mittendrin das herzergreifend eingedeutschte Cover von Beat Happenings "Cast a shadow". Ein Hit, ein Hit, ein Hit!

Friebes durchaus schmalznahe Stimme brachte ihm schon den Titel "Katzencasanova" ein. Und doch sind weder die unaufdringliche Sprachgewalt noch sein unverkrampfter Umgang mit simplen Melodien Gründe für Scheuklappen. "Junger Mann, junger Mann / Haben sie mir was zu sagen / Oder ist es nur ein Katzensprung / Von hier nach Westernhagen?" So sehr die "Vorher Nachher Bilder" in Gestus und Melodie auch ZDF-Hitparaden-kompatibel wären, schlenkert Friebe doch immer wieder augenzwinkernd daran vorbei wie ein elektrisierter Funny Van Dannen. Und hält ähnlich wie sein Hauptstadt-Kollege mit präziser Alltagspoesie fest, was anderen vor lauter Trübsalblasen entgeht: "Alles riecht nach Abschiednehmen und dem Zeug / Das du dir immer in die Haare schmierst." Kitsch is beautiful.

(Oliver Ding)

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Highlights

  • Gespenster
  • Wenn man euch die Geräte zeigt
  • Cast a shadow
  • Bring mich zum Wagen

Tracklist

  1. Gespenster
  2. Wenn man euch die Geräte zeigt
  3. Cast a shadow
  4. Bring mich zum Wagen
  5. Star
  6. Lied ohne Botschaft
  7. Vorher Nachher Bilder
  8. Dann sagst du auf wiedersehen
  9. Deutsches Kino
  10. Körper
  11. Stehen geblieben
  12. Wenn man euch die Geräte zeigt (Reprise)

Gesamtspielzeit: 40:03 min.

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(Neueste fünf Beiträge)
User Beitrag
Patte
2007-10-27 10:47:15 Uhr
Natürlich kann der Herr singen, wer behauptet eigentlich immer das Gegenteil?
jeckyll
2006-03-26 17:47:44 Uhr
Lieber Oliver Ding,

das Wort Brotigkeit ist nicht existent. Wie auch der Rest deines Geschreibsels ein einziges, ungestaltes Gewäsch darstellt. Es ist überdies auch erstaunlich, wie mit sidekick ein User mit allen Mitteln verteidigt wird, der in diesem Thread nur unartikulierte, pubertäre Antihaltung postet. DU, Oliver Ding, verstehst es ja auch deine unartikulierte Antihaltung in weisen Worten niederzuschreiben. Aber das ist recht symptomatisch für dieses Forum.

Und um endlich mal wieder etwas on topic zu schreiben:

Vorher Nachher Bilder 07/10
In Hypnose 08/10
Oliver Ding
2006-03-25 18:07:54 Uhr
ihr aus diesem forum seid mal wieder dermaßen ironieresistent, das es eine art hat.

Das war die Reaktion auf die ironische Hinterfragung Deiner Aussage.

aber wenn ihr die Aussage schon für bare Münze nehmt ist es kein Wunder wenn ihr mit Friebe nix anfangen könnt. es braucht ein gefühl für das komische, das absurde!

Das waren die Worte, die Friebe Ironie unterstellen.

Wenn man von Pop natürlich keine Ahnung hat kann man das nicht kapieren.

Und das waren die Worte, die ohnehin jede weitere Diskussion mit Dir wegen grassierender Brotigkeit als nicht ernsthaftigkeitsfähig deklarierten.

Nicht wundern, nur hinnehmen. Anders läßt sich ja auch Friebe kaum goutieren.
jeckyll
2006-03-25 15:22:55 Uhr
Gut, dass auch Oliver Ding überlegt, bevor er schreibt...=/
Mut zu Kitsch und Peinlichkeit hat er ja, der gute. Deswegen ist er ja auch der Godfather of Deutschpop ;-) Das war ja auch nicht gemei... ach, ich gebs auf. Es hat keinen Namen, äh, Zweck.
Oliver Ding
2006-03-25 13:24:10 Uhr
Statt Mut zu Kitsch und Peinlichkeit jetzt doch wieder nur das Ironiedeckmäntelchen? Wie billig. ;-)
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