The Rolling Stones - Live licks

The Rolling Stones- Live licks

Virgin / EMI
VÖ: 01.11.2004

Unsere Bewertung: 5/10

Eure Ø-Bewertung: 8/10

Zungenbrecher

Selbst die Dinosaurier sind irgendwann ausgestorben. Die Rolling Stones aber touren immer noch. Letztes Jahr haben sie Vierzigstes gefeiert. Mit allem Pipapo und einer Konzertreise, die rund um den Globus von guten drei Millionen Menschen gesehen wurde. Der Clou dabei sollte sein, in großen Stadien, großen Hallen und intimen (lies: großen) Clubs zu spielen. Und was dabei so alles schief gegangen ist, wurde natürlich sogleich als dickbrüstiges DVD-Bündel verjubelt. "Four flicks" hieß das dann. Und weil das Ereignis ja von solch gigantischem, übermenschlichem und gewiß doch überirdischem Ausmaß war, konnte das natürlich längst noch nicht alles gewesen sein. Was haben Sie denn gedacht?

Man hat ja Verständnis. Wer sich in dem Alter/Zustand nochmal around the world schleppt, für den muß sich das auch lohnen. Und so bestreiten die Rolling Stones mit ihrer "Licks"-Tour folgerichtig schon die zweite Weihnachtssaison. Diesmal gibt's den ganzen Spaß als Doppel-CD, mit idiotensicherer Hitrevue und Quasi-Raritäten-Kollekte. Kein einziger Song von Disc zwei sei jemals zuvor auf einer Rolling-Live-Platte gewesen, verkündet man ein bißchen stolz. Und als wäre man damit schon aus dem Schneider, hat sich dann auch niemand gesteigerte Mühe gegeben, um aus "Live licks" eine wenigstens halbwegs aufregende Geschichte zu machen. Aber beginnen wir am Anfang.

Da ist erstmal Applaus, jede Menge davon. Und dann poltern sie los. Mick Jagger, der Ed von Schleck des Rock'n'Roll. Keith Richards, über den heute keine Drogenwitze gemacht werden. Ron Wood, die Zweitgitarre mit der geschmackvollen Damenperücke. Und Charlie Watts natürlich, der einmal mehr auf seinem Schlagzeugschemel sitzt wie Dein Lieblingsopi beim Abendbrot. Angefeuert von zigtausend Geschichtsforschern und etwa genauso vielen Hilfsmusikern rattern sie durch "Brown sugar", rasseln "Street fighting man" runter, geben "It's only rock'n'roll" Saures und klingen immerzu wie Kirmesmusikanten, die die Rolling Stones covern. Es ist ein Schrecken. Und wird beinahe unwirklich, wenn Jagger erstmal "You can't always get what you want" auseinander montiert hat.

Rock'n'Roll ist tot, die Rolling Stones haben ihn nicht nur überlebt, sondern auch noch ins Grab geschubst. Soweit der Zwischenstand nach Track neun. Aber dann geht plötzlich ein Ruck durch "Live licks", wie ihn auch Augenzeugen der Tour von Zeit zu Zeit bemerkt haben wollen. "Gimme shelter" wird zum Knackpunkt, trocken und trotzig vorgetragen, mit einer Backgroundsängerin, die verstanden hat, worum es geht. Vergeben ist das laxe "Honky tonk woman" samt seines Sheryl-Crow-Gastauftritts, mit Seite zwei des Albums kommt doch noch Leben in die Bude. Und sei es nur, weil Jagger mit "That's how strong my love is" eindringlich daran erinnert, daß auch er schonmal den Blues gehabt hat.

Es sind solche Momente, in denen das Abziehbild von heute immerhin halbwegs deckungsgleich auf die Rolling Stones von einst paßt. Und dann ist es auch okay, daß die versierte, obgleich allzu routinierte Backing-Band aus "Can't you hear me knocking" einen Zehn-Minuten-Jam macht. Oder Keith Richards hinters Mikro drängt, um das 1937er "The nearness of you" (ein Cover, keine Sorge) auszuräuchern. Auch ein Spontanbesuch von Solomon Burke kann ja eigentlich nie schaden. Sollte er aber "Everybody needs somebody to love" dabeihaben, es mit Mick'n'Keef'n'Co. nach allen Regeln der Kunst ausschlachten und am Ende irgendwas von den "Kings of Rock'n'Roll" stammeln, dann ist das nicht mehr schön. Und "Live licks" kriegt ebenb doch noch, was es verdient.

(Daniel Gerhardt)

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Highlights

  • Gimme shelter
  • That's how strong my love is

Tracklist

  • CD 1
    1. Brown sugar
    2. Street fighting man
    3. Paint it, black
    4. You can't always get what you want
    5. Start me up
    6. It's only rock'n'roll
    7. Angie
    8. Honky tonk women
    9. Happy
    10. Gimme shelter
    11. (I can't get no) Satisfaction
  • CD 2
    1. Neighbours
    2. Monkey man
    3. Rocks off
    4. Can't you hear me knocking
    5. That's how strong my love is
    6. The nearness of you
    7. Beast of burden
    8. When the whip comes down
    9. Rock me, baby
    10. You don't habe to mean it
    11. Worried about you
    12. Everybody needs somebody to love

Gesamtspielzeit: 109:19 min.

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User Beitrag
electrolite
2004-12-30 08:57:51 Uhr
Die Liste oben sind wie du weißt Zitate von Dir. Sie aufzuzählen bedeuten nicht daß überall das Gegenteil der Fall sein soll wie du trotzig zum besten gibst. Mein Ziel war dir aufzuzeigen welchen argumentativen Amoklauf du eigentlich veranstaltest.
Die "Klischees deiner eigenen Generation" sind durchaus diskussionswürdig, interssantes Thema, da stimme ich jederzeit zu.
Was hältst du davon dies ohne totale Diskreditierung der 90er, großer 90erBands, der Leser, usw. zu versuchen. Es wäre dann gut möglich daß sich eine interssante Diskussion um das eigentliche Thema entwickelt. Mit Äußerungen wie oben diskreditierst du dich nur selbst. (Und angesichts deines Hintergrundwissens denke ich siehst du vieles selber nicht so extrem wie es oben steht)

Also: erfreue dich an den Gemeinsamkeiten und diskutiere sachlich über den Rest.

:-)
marcuse
2004-12-30 04:03:19 Uhr
Im Übrigen sind die Gemeinsamkeiten viel größer als du denkst.
Ich hasse Bayern München, Britney Spears und das Nabtal Duo. Ich liebe Bloodflowers von The Cure und viele andere Sachen die hier positiv besprochen wurden. Allerdings nerven mich die Kischees meiner eigenen Generation und von bestimmten sozialen Gruppen, die sich und ihren gleichgeschalteten Geschmack ständig selbst feiern und keinerlei kritischen Abstand dazu gewinnen können.
marcuse
2004-12-30 03:48:15 Uhr
Mein Resumee:

Du hast mich voll überzeugt. Die Stones sind eine nicht innovative, stümperische Kirmesband, die live nicht das geringste drauf hat und die Muikgeschichte nicht im geringsten beeinflussen konnte. Stattdessen bin ich jetzt Fan der wahren Innovationsträger des Rock n Roll: Von Synth-Pop-Country-Erfinder und Schnulzen-Legende Neil Young, der Kuschelrockband REM und der sich ständig weiter entwickelnden und um den Fortschritt verdienten Polit-Kapelle Pearl Jam.
electrolite
2004-12-30 01:10:14 Uhr
@marcuse

ok.

Ein Résumée:

- hier herrschen "dämliche Indiedenkmuster" vor
- der Rezensent ist "respektlos"
- Bands werden hier nach gut/böse-schemata getrennt und bewertet
- coldplay und radiohead haben "kein Feuer im Arsch" und "keine Eier in der Hose"
- hier wimmelts von sogenannten "Indie-Kasperln"
- Songwriter=Gott - alle andern=Nichts
- Pearl Jam spielen Proll-Gitarrensoli
- In den 90ern gabs keinen musikalischen Fortschritt
- Pearl Jam haben niemals etwas neues gemacht
- in der Gegenwart herscht totale Innovationsarmut (musikalisch)
- Neil Young ist die Verkörperung des totalen Stillstandes
- Eddie Vedder ist ein erfolgloser "Rettet-den-Regenwald-schreier"
- die Stones gehören zum Ursprung des Punk und haben die Welt gesegnet mit "Metrosexualität", Ablehnung von alten Normen und dem Gedanken der Freiheit im Rocknroll.
- Kritiken sind von ihrem Wesen her sinnlos
- Stones Live-Platten sollten nicht bewertet werden
- die Leser brauchen einen Tritt in den A damit sich ihr Horizont erweitert
- "Stripped" ist eine gute Live-CD
- die Wertungen dieser Seite sind ein Desaster
(- "Nevermind" und "Californication" verdienen 10/10!?? ;-))

ich denke, die Chemie zwischen dem Geschmack der Leser sowie dem Stil von plattentests und Dir stimmt nicht. Scheinbar gibts kaum eine gemeinsame Basis.
marcuse
2004-12-29 23:46:00 Uhr
Also die DVD-Box aus dem letzten Jahr ist mit Sicherheit das Gegenteil von schlecht.Viele die hier klug daher reden haben sie doch gar nicht gehört/gesehen. Und da das Live-Album in diesem Jahr meines Wissens eine Zusammenstellung aus den 3 Konzerten der DVD ist kann sie gar nicht schlecht sein. 5 Punkte sind deshalb ein Witz.
7 wären wohl mindestens angebracht- für die DVD, die eine umfassende Dokumentation der letzten Tour ist, sind in jedem Fall 8 angebracht. Das wird auch jeder bestätigen, der sie sich anschaut.
Aber die Wertungen sind sowieso ein Desaster hier.Es wird insgesamt alles zu gut bewertet.
Wenn man überlegt, dass 10 Punkte die Spitzenwertung ist, dann können das doch epochale Alben sein, wie das White-Album von den Beatles,oder in den 90ern Nevermind, Californication, oder Mellon Collie and the infinite Sadness, meinetwegen OK Computer.
In diese Kategorie Modest Mouse und Trail of Dead einzuordnen sagt ja nun wirklich alles darüber aus, wie hier verfahren wird. Monster-Magnet- God says no: 9 Punkte Hallo?
Dann hätte ja Spine of God 12 Punkte kriegen müssen. Das beste Album der letzten Jahre wurde ohnehin von Yuppie Flu vorgelegt und heißt Hollow Beep! Aber das wurde hier noch nicht mal erwähnt, obwohl jeder Indie Kasper es eigentlich lieben müsste.

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