Gustav - Rettet die Wale

Gustav- Rettet die Wale

Mosz / Cargo
VÖ: 15.11.2004

Unsere Bewertung: 8/10

Eure Ø-Bewertung: 7/10

Leben daneben

Ist eigentlich mal jemandem aufgefallen, daß man in letzter Zeit nur noch über Dinge lachen kann, die eigentlich gar nicht lustig sind? Politik, Fernsehen, Leben? Eben das ganze Paket. Überall nur noch Quatsch und Wahnsinn und Verrückte. Man kann ja gar nicht mehr anders. Aber ob Eva Jantschitsch das alles genauso sieht? Die junge Frau aus Österreich, die seit 2002 im Gustav-Kostüm steckt und jetzt mal endlich acht Songs und ein Intro fertig gemacht hat? Tja, weiß auch nicht. Aber ihr Album, das paßt mal drauf. Also aufgepaßt, bitte. "Dear fellow citizens."

"Rettet die Wale" ist erfreulicherweise eine dieser Platten, über die man sich Gedanken machen muß. Die einen herausfordert und in die Seite piekst mit ihren tausend kleinen Sachen. Und sowieso nie mal irgendwas sicher sein läßt. Pop ist sie natürlich und zum Lachen, aber dann auch wieder ganz schön abstrakt, quergedacht und gar nicht komisch. Oder doch andersrum. "We shall overcome" jedenfalls ist Auftakt und Hymne mit Laienchor, und hat seine ersten Gehversuche trotzdem auf einer Festplatte gemacht. Gustav singt in Englisch, klingt nach großen Augen, die schuldlos hundeblicken und beißt sich mit dem eigenen Track. Weil man dazu früher vielleicht auch Protestsong gesagt hätte.

Aber so bleibt das halt nicht. "Linzserenade" könnte zum ersten Mal den Verdacht auf den Tisch bringen, daß die uns auch ein bißchen verarschen will. Und dabei ist es eigentlich nur ein kleines, trauriges Lied übers Alleinsein, das man in Linz am besten mit den ungezählten Polizisten teilt, die durch alle Gasse patrouillieren. Einen kitzlig-linkschen Charme hat das plötzlich, wenn Gustav auf Deutsch singt. Und dann kann man natürlich auch für die arme Mona, die ihren linken Arm verloren hat, mal ein Neuneinhalb-Minuten-Monument aus den Tonspuren zaubern. So was wie ein Beat schüttelt sachte den Kopf, die Geigen zicken und Gustav weiß ja eh wo's langgeht. "It's a common way of life / Losing one arm / And becoming somebody's wife." Nicht zu glauben.

Es sind nämlich aber nur der zwanglose Humor und die listig komponierten Songs, die dieser Platte ihre eigene Richtung geben. Sondern vor allem die lebendigen Kleinigkeiten. Das kaum mehr zurechnungsfähige Bläsergedudel irgendwo hinten in "Little weird grrrl". Und das Klavier in "Da, am Monop01". Das bringt einen viel eher zum Lachen, als der allerbeste Witz. Weil es irgendwie genauso daneben wie das Leben ist. Aber Gustav hat trotzdem noch einen. Er heißt wie diese Platte, wird von Rhodes-Piano und Heimatfilm-Streichern erzählt und ist natürlich eigentlich wieder gar keiner. Mehr können wir da leider nicht verraten. Das, mein Freund, mußt Du Dir schon selbst zusammenreimen.

(Daniel Gerhardt)

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Highlights

  • We shall overcome
  • Da, am Monop01
  • Rettet die Wale

Tracklist

  1. Intro
  2. We shall overcome
  3. Little weird grrrl
  4. Linzserenade
  5. Genua
  6. One hand Mona
  7. Mein Bruder
  8. Da, am Monop01
  9. Rettet die Wale

Gesamtspielzeit: 43:44 min.

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(Neueste fünf Beiträge)
User Beitrag
terranova_
2018-06-27 22:51:15 Uhr
wieder mal am rotieren
weiterhin unglaublich zeitlos schöne platte
ulv
2016-10-03 22:55:08 Uhr
dieses album war ein geniestreich!
Löschmod
2016-10-03 18:58:53 Uhr
Rettet die Staatssicherheit!
- - -
2013-02-02 15:36:11 Uhr
"g e n u a"

!
jeje oder auch jessy genannt
2005-10-07 17:33:27 Uhr
HY und BY BY
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