Entombed - Unreal estate

Entombed- Unreal estate

Threeman / Soulfood
VÖ: 06.12.2004

Unsere Bewertung: 7/10

Eure Ø-Bewertung: 8/10

Primabrüllerinas

Man war ja schon einiges an Begegnungen von "E"- und "U"-Musik, speziell von klassischen Symphonien und klassischem Rock gewohnt: kleine und große Metal-Opern von Avantasia über Cradle of Filth bis Therion, Metallica mit Orchesterbegleitung, oder auch das legendäre Werk der Finnen Waltari, "Yeah, yeah, die, die - death metal symphony in deep C". Und nun das: Ballett trifft Death Metal, vertreten durch Entombed, die 1990 mit dem unumstrittenen Klassiker und Banddebüt "Left hand path" die Fundamente des Genres mitbetonierten und im Laufe der letzen Jahre (zuletzt mit "Inferno") sich aufschwangen zu den Königen des Death'n'Roll, einer todesmetallischen Variante klassisch knarzigen Schwedenrocks.

Was mit einer E-Mail der beiden jungen Choreographen Bogdan Szyber und Carina Reich begann, die die Band anfangs für einen Witz hielt, wurde schließlich bei acht ausverkauften Vorstellungen im Februar und März 2002 und vier weiteren im darauffolgenden Herbst im ehrwürdigen Königlichen Opernhaus in Stockholm umgesetzt. Zu diesem Anlaß wurden auch erstmals Ohropax, das Must-Have für alternde Rocker und ihre Fans, an das werte Publikum ausgegeben. Dies und das sonstige Drum und Dran dieses Happenings ist im Booklet des Digipaks zwar genügend dokumentiert, dennoch sind wir damit beim einzigen Manko dieses Albums: Fotos bewegen sich leider kaum zur Musik, und beim Ballett soll dieser visuelle und dynamische Aspekt ja durchaus grundlegender Bestandteil des Gesamtkonzepts sein. Es wäre eben spannend zu sehen, wie die Ballerinas ihre Pirouetten im Takt der Doublebass vollführen oder wie Hebefiguren vom markerschütternden Gebrüll von Fronter LG Petrov unterlegt werden. Eine DVD wäre dringend vonnöten, soll aber gottlob auch schon angedacht sein.

So hat man also zunächst nur das akustische Vergnügen, aber das ist eindrucksvoll: Ohne Overdubs bei der Show am 1.März 2002 aufgenommen, brilliert "Unreal Estate" mit nahezu perfektem Sound, was ja nicht immer selbstverständlich für Live-Alben ist. Aber es finden ja eher selten Rockkonzerte an Orten mit solch guter Akustik und vor gebannt stillschweigendem Sitzpublikum statt. Ihr Programm bestreiten Entombed auf ein traurig schaurig schönes Klavier-Intro hin mehrheitlich mit Songs der neueren Alben "Uprising" und "Morning star", dem grandiosen Roky Erikson-Cover "Night of the vampire", zwei neuen Tracks - dem rasenden "Unreal estate" und dem Intermezzo "It is later than you think" - und als krönendem Abschluß dem legendären "Left hand path". Die Tracks wurden allerdings runderneuert, umarrangiert und zu einem eindrucksvoll dröhnendem Gesamtkunstwerk zusammengefügt. So gibt es im Grunde mit "Unreal estate" drei Dinge auf einmal. Live-Album, Best Of und Metal-Oper. Auch wenn man durchweg die passenden Bilder vermißt: So kompakt und atmosphärisch fesselnd klangen Entombed noch nie zuvor. Kein Wunder, daß die Puppen tanzen.

(Peter Schiffmann)

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Highlights

  • Chief rebel angel
  • Mental twin
  • Night of the vampire
  • Something out of nothing
  • Left hand path

Tracklist

  1. DCLXVI / Intermission
  2. Chief rebel angel
  3. Say it in slugs
  4. It is later than you think
  5. Returning to madness
  6. Mental twin
  7. Night of the vampire
  8. Unreal estate
  9. In the flesh
  10. Something out of nothing
  11. Left hand path (outro)

Gesamtspielzeit: 45:55 min.

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