Archive - Unplugged

Archive- Unplugged

Warner
VÖ: 25.10.2004

Unsere Bewertung: 5/10

Eure Ø-Bewertung: 6/10

Die Rückkehr des Klappstuhls

Was tollten damals nicht die Ameisen auf dem Rücken herum. Gänsehaut der feinsten Sorte. Da kam eine ehemalige TripHop-Truppe namens Archive an und machte mit "You all look the same to me" mal eben das so ziemlich beste Pink-Floyd-Album seit "The dark side of the moon". Die Begeisterungswelle schwappte sogar von der nicht wirklich Progrock-zugeneigten Tribüne herüber. Derart beflügelt konzipierte das Trio gleich den Soundtrack für den Film "Michel Vaillant" und destillierte die musikalische Essenz seiner organischen Konzerte im ganz und gar nicht unfeinen "Noise".

Gerade in der Livesituation nämlich entfaltete sich die Magie des Archive-Sounds, beflügelt durch Craig Walkers eindringlichen Gesang. Auch die handwerkliche Schönheit der Mini-Epen machte Eindruck. Deshalb war es prinzipiell eine gute Idee, Archive das alte "Unplugged"-Konzept ausgraben zu lassen. Dabei kam man eigentlich durch äußeren Zwang auf diesen Gedanken, weil man bei der Studiobastelei an "Noise" gerade keine Mitmusiker im Handgepäck hatte. Doch leider plagte gerade Samtröhre Walker zu dem Zeitpunkt, als in Paris in intimen Rahmen ein derart reduzierter Gig aufgenommen werden sollte, ein kleiner Schnupfen. Das muß natürlich nicht zwangsläufig ein Nachteil sein. Die rasselnden Polypen lassen das bitterkalte "Fuck U" noch frostiger erscheinen, wiewohl das Klavier noch Versöhnlichkeit auszustrahlen versucht. Ein etwas anderer Alptraum ohne rockistische Breitseite. Noch besser funktioniert das Titelstück des aktuellen Albums. Die Gitarre taumelt durch den Takt, und Walker zergeht vor Vehemenz.

Doch auch Archive sind nicht davor gefeit, sich durch weiches Klavier und gezupfte Gitarre Herrn Kitsch ins Boot zu holen. So verliert sogar das eigentlich löbliche Smiths-Cover "Girlfriend in a coma" einen guten Teil seiner morbiden Romantik. "Sleep" wird zum trägen Schlummerlied, und in "Conscience" kann Walker der resignierten Stimmung der Musik kaum folgen. Und dann stellt auch noch die Trackauswahl das eine oder andere Bein. So wird der Übersong "Again" schmerzlich vermißt. Und selbst das intensiv gelittene "Goodbye" kann seine Wirkung kaum entfalten, steckt es doch fest zwischen der nervigen Kuschelgrütze von "Absurd" und "Me and you" auf der einen sowie der schwelgenden Langeweile von "Run" auf der anderen Seite. Schade. Vielleicht brauchen Archive wirklich die sterile Strenge des Studios, um maximale Emotionen entfalten zu können. Statt samtigem Plüsch und dem edlen "Unplugged"-Barhocker regiert der hölzerne Klappstuhl.

(Oliver Ding)

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Highlights

  • Fuck U
  • Noise
  • Goodbye

Tracklist

  1. Fuck U
  2. Noise
  3. Sleep
  4. Game of pool
  5. Girlfriend in a coma
  6. Conscience
  7. Absurd
  8. Me and you
  9. Goodbye
  10. Run

Gesamtspielzeit: 40:18 min.

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