Creed - Greatest hits

Creed- Greatest hits

Wind-Up / Epic / Sony
VÖ: 22.11.2004

Unsere Bewertung: 5/10

Eure Ø-Bewertung: 7/10

Konfirmationsanzug

Creed waren immer so etwas wie die ungeliebten Erstbänkler des Alternative Rock. Schon ihr '98-Debüt "My own prison" kam im Versuch, die längst eingemotteten Flanellhemden wieder aus dem Schrank zu holen, ziemlich stiernackig daher. Doch irgendwie war es auch rührend, wie sich Scott Stapp da in Positur schwang, um stimmlich so präzise wie möglich zwischen Layne Staley und Eddie Vedder zu landen. So ging vor allem der flehentliche Weltschmerz von "What's this life for" manchem als durchaus passable Ersatz-Droge durch.

Mit zunehmendem Erfolg, und den gab es nicht zu knapp, setzte Sprachrohr Stapp immer noch mehr mit seinen christlichen Werten hausieren. Seine protestantische Sturheit wirkte dabei mitunter katholischer als der Papst (oder zumindest als Bono). Und obwohl der Bandname ein eher unzweideutiges Indiz war, stritt Stapp jeden religiösen Hintergedanken vehement ab. Und so triefte das Gutmenschentum weiter nur so aus seinen Texten, während seine Jünger die Powerakkorde, die gezerrten Harmonien und die scheppernden Drums möglichst handzahm übereinander schichteten. Das setzte die flammenden Metaphern nämlich medientauglich in Szene und verschreckte überdies das anvisierte Mainstream-Publikum nicht allzu nachhaltig. Da verkauft man dann schon mal 20 Millionen Alben.

Überhaupt sahen sich Creed ja stets als Diener ihrer Fans. Der später geschaßte Bassist Brian Marshall sorgte sich, daß die damals gerade von der NATO bombadierten Serben damit aufhören könnten, Creed-Alben zu kaufen. Und Stapp wurde wegen eines dezent betäubungsmittelinduzierten Auftritts sogar vom eigenen Publikum verklagt. Immerhin erfolglos. Ein Schelm, wer da sich noch um die Musik kümmert.

Dabei war gerade die, aller Zeigefingerei zum Trotz, tatsächlich nicht immer so scheußlich, wie sie damals manchem vorkam. Gut, innovativ war und ist anders. Ganz anders. Und der Schmalz von Unsäglichkeiten wie "With arms wide open" fließt in derartigen Strömen, daß man sich an die Elbeflut des Jahres 2002 erinnert fühlt. Diesem CD/DVD-Doppel mit den "Greatest hits" ist trotzdem kein Rettungsring beigelegt. Um sich am eigenen Schopf herauszuziehen, hat die Band aber ja tatsächlich neben das ewig dräuende Pathos, die ewig wuchtigen Halbballaden und die ewig lederbehosten Riffsalven einige durchaus potente Kracher gesetzt. "Bullet" scheppert düster, "What if" geht als passable Wick-Blau-Werbung durch, und das recht schicke "My sacrifice" ledzeppelint nicht ungekonnt um die Kitschgrenze herum.

Doch alle guten Ansätze bleiben im ideologischen Morast stecken. "I cry out to God / Seeking only His decision / Gabriel stands and confirms / I've created my own prison." Diese flammende Selbstbezichtigung aus einem der ersten Hits entblößt bereits die selbstverschuldete Sackgasse, an der Creed letztlich scheitern sollten. Während seiner Band der Sinn eigentlich nur nach Rocken stand, lebte Stapp sein Prediger-Gen aus. Die einen machen mittlerweile als Alter Bridge weiter, der andere ließ sich jüngst von Mel Gibsons Fundamentalismus-Kinntopp "Die Passion Christi" inspirieren. Und baut jetzt mit einem HipHop-Schnibbler sein Solodebüt zusammen. Amen. Dann doch lieber diese "Greatest hits".

(Oliver Ding)

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Highlights

  • What's this life for
  • My sacrifice

Tracklist

  • CD 1
    1. Torn
    2. My own prison
    3. What's this life for?
    4. One
    5. Are you ready
    6. Higher
    7. Whit arms wide open
    8. What if
    9. One last breath
    10. Don't stop dancing
    11. Bullets
    12. My sacrifice
    13. Weathered
  • DVD 1
    1. My own prison
    2. What's this life for
    3. Higher
    4. What if
    5. With arms wide open
    6. My sacrifice
    7. Bullets
    8. One last breath
    9. Don't stop dancing
    10. Torn (live)
    11. Higher (live)
    12. Weathered (live)

Gesamtspielzeit: 63:25 min.

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