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Tilman Rossmy Quartett - Alles muss gehen

Tilman Rossmy Quartett- Alles muss gehen

Glitterhouse / Indigo
VÖ: 08.11.2004

Unsere Bewertung: 6/10

Eure Ø-Bewertung: 6/10

Bewegungsmelder

Passend zum Albumtitel "Alles muss gehen" ist auch Tilman Rossmy gerade nicht da. Genauer gesagt: für ganze sechs Monate. Er befindet sich auf Weltreise, abgeschnitten von jeglicher Telekommunikation. Das vierte Album des Tilman Rossmy Quartetts wurde kurz vor Antritt des Trips aus dem Nest geschubst und muß jetzt alleine sehen, wie es laufen lernt. Das klappt aber schon ganz gut, vor allem, weil der klassische, piano-orientierte Country-Rock gerne seine Lebenserfahrung teilt und eine starke Schulter hat. Dazu ist er überaus lässig und immer geradeaus. Hier ist kein Ironiejoker notwendig, der einen Schutzbunker für die Ehrlichkeit errichtet, wenn diese sich mal wieder zu weit vorgewagt hat.

Wenn Songs wie "Der Wanderer", "Wohin ich auch wander", "Platz in der Welt", "Alles muss gehen", "Die Heimkehr" und "Here we go again" in genau dieser Reihenfolge auf einer Platte erscheinen, ist der Weg zu dem Gedanken, es mit einer Art Konzeptalbum zu tun zu haben, nicht sonderlich weit. Es geht um Bewegung, Veränderung und den Weg zur Erkenntnis und vor allem zu sich selbst - "denn sich selbst zu sehen durch sich selbst, ist nicht das Gleiche, wie sich selbst zu sehen durch einen anderen" ("Gärten durch die Ströme fliessen"). Dabei vermittelt Rossmy allerdings immer das Gefühl, den erhobenen Zeigefinger niemals zur gestischen Untermalung schulmeisterlicher Philosophiemonologe zu nutzen, sondern höchstens, um dem Typ an der Bar zu bedeuten, daß er noch ein Bier bringen soll. Überhaupt hat man den Eindruck, daß "Alles muss gehen" in einer Kneipe aufgenommen wurde. So nah, ungeschminkt und sympathisch klingt das alles.

Man möchte wetten, daß Tilman Rossmy nur mit dem allernötigsten Gepäck in Zug oder Flugzeug gestiegen ist. Und auf die Frage nach seiner Reiseroute hat er schelmisch schmunzelnd geantwortet: "Mal sehen, wo's mich so hinverschlägt." Auch musikalisch liegt er mit der Taktik, keine Taktik zu haben, goldrichtig. "Der Gärtner und die Rose", ein textlich erstklassiges Stück über die Tatsache, daß sich so mancher Schicksalsschlag mit etwas Abstand schließlich doch als Geschenk erweist, sollte ganz klar eine Ballade werden. Und rockt nun gewaltig. Der herausragend schöne Titeltrack hat genau die entgegengesetzte Metamorphose durchlebt.

Klar, musikalisch gibt es weitaus Spannenderes und Abwechslungsreicheres. Das Tilman Rossmy Quartett setzt auf klassische Akkordfolgen und Standard-Melodien, deren Verlauf man ohne große Mühe erraten kann. Rock'n'Roll, bei dem es weder auffällige Fragezeichen noch Ausrufezeichen gibt. Trotzdem können die Vier punkten, vor allem aufgrund der unglaublichen Relaxtheit ihrer Darbietung. Die spielen so, wie man in seinen am besten passenden Schuhen läuft. "Ich hab' meine Richtung, aber ich weiß nicht, wo der Weg hinführt", singt "Der Wanderer". Erstmal wieder nach Hause, Herr Rossmy. Und dann in die Clubs. Okay?

(Ina Simone Mautz)

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Highlights

  • Der Gärtner und die Rose
  • Alles muss gehen

Tracklist

  1. Der Gärtner und die Rose
  2. Der Wanderer
  3. Wohin ich auch wander
  4. Platz in der Welt
  5. Alles muss gehen
  6. Die Heimkehr
  7. Here we go again
  8. Mysteriös
  9. Gärten durch die Ströme fliessen
  10. Endloser langer Sommer
  11. Dass da kein Zweiter ist
  12. Bring dich selbst in Schwierigkeiten und dann...
  13. Lass es regnen
  14. Ich kam wegen dem Wein
  15. Trunkenbold

Gesamtspielzeit: 57:42 min.

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