John Frusciante & Josh Klinghoffer - A sphere in the heart of silence

John Frusciante & Josh Klinghoffer- A sphere in the heart of silence

Record Collection / Warner
VÖ: 06.12.2004

Unsere Bewertung: 6/10

Eure Ø-Bewertung: 8/10

Raupe Nimmersatt

Kurz vor Weihnachten. Das bedeutet, im lustig-verschobenen Paralleluniversum des John Frusciante ist es jetzt ungefähr April und das Wetter entsprechend wechselhaft. Gestern hat es noch raue Gitarren auf die spitzen Ellbogen der Songs von "Inside of emptiness" geregnet, heute schon wabern dicke Nebelschwaden durch die naßkalte Luft. Zwischen dem neunten und vierzehnten April haben Frusciante und Kumpel Josh Klinghoffer sich "A sphere in the heart of silence" ausgedacht, diesmal ohne den sonst obligatorischen Gastauftritt von Omar Rodriguez-Lopez. Und während dieser sechs vernebelten Tage muß es so sehr geschüttet und gehagelt haben, daß sich die beiden kurzerhand unter steinalten Synthesizern, obskuren Stimmverfremdern und einem Klavier vergraben haben.

Konkret heißt das, daß "A sphere in the heart of silence" das bisher Unkonkreteste ist, was Frusciantes Solo-Serie in diesem Jahr ausgespuckt hat. Wobei letzteres ja nun eigentlich auch schon längst nicht mehr zutrifft, schließlich taucht Josh Klinghoffers Name diesmal nicht nur auf dem Plattencover auf, sondern er feiert mit drei der sieben Stücke auch seinen Einstand als Leadsänger. "Sphere" zum Auftakt kommt allerdings noch ganz ohne Gesang aus, gibt seinem recht beliebigen Synthie-Treiben nach vier Minuten dank Drumcomputer eine Richtung und endet schließlich bei zwei zerfaserten, demontierten und gänzlich zersetzten, Gitarrensoli. Näher können Frusciante und Klinghoffer dem Krautrock wohl nur noch kommen, wenn sie die deutsche Staatsbürgerschaft beantragen.

Womit wir leider beim Problem von "A sphere in the heart of silence" wären: So löblich Frusciantes Interesse an der neueren Musikgeschichte unseres Landes auch sein mag, bisher war er als Soundschrauber doch immer nur halb so spannend denn als Songwriter verknickter Pop-Anflüge. Natürlich hat auch sein neues Album wieder viele irre Geräusche, abgefahrene Ausflüge und interessante Blickwinkel auf musikalisches Experimentieren beisammen. Bloß ein Stück wie "The will to death" etwa, eins das Dir an die Nieren geht, sich unbequem macht und gerade deshalb von Bedeutung ist, das hat es eben nicht. Weil Forschungsarbeit nun mal selten aufregend ist.

"Communique" und "At your enemies", ausgerechnet zwei der Stücke mit ätherischem Klinghoffer-Gesang, sind wie zähes Fleisch, an dem man ewig kaut und das dann doch nicht schmeckt. "Walls" hingegen gelingt es, sich auf seinem trockenen Boden weniger steif, ja beinahe kickend in Szene zu setzen. Und "My life", das einzige wirkliche Solo-Stück von John Frusciante auf dieser Platte, wird ganz am Ende zum mutmaßlichen 90-Sekunden-Teaser auf das nächste Projekt der zwei Rastlosen: ein reines Akustikalbum. Und das wird ziemlich sicher wieder ziemlich gut. Solange es darum geht, einfach nur ein paar Songs zu schreiben, macht John Frusciante schließlich immer noch keiner was vor.

(Daniel Gerhardt)

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Highlights

  • The afterglow
  • Walls

Tracklist

  1. Sphere
  2. The afterglow
  3. Walls
  4. Communique
  5. At your enemies
  6. Surrogate people
  7. My life

Gesamtspielzeit: 38:23 min.

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