The Beautiful South - Golddiggas, headnodders and pholk songs

The Beautiful South- Golddiggas, headnodders and pholk songs

Epic / Sony
VÖ: 18.10.2004

Unsere Bewertung: 7/10

Eure Ø-Bewertung: 8/10

Goldrausch

Weihnachtsfeiern sind schon so 'ne Sache. Da hat man mal ein bißchen Spaß und prompt entsteht - natürlich vollkommen ungeplant - etwas, das die Zukunft bestimmt. Man muß nur mal Franz Beckenbauer fragen, der könnte ein Lied davon singen. Oder The Beautiful South. Die singen sogar gleich zwölf. Letztes Jahr hat sich das Sextett aus dem nordenglischen Hull während des bandinternen Plätzchenkaffees kräftig amüsiert. Mit Karaoke. Als die Stimmung dann so ausgelassen war, daß Gefühlsduseligkeiten nicht mehr peinlich, sondern sogar richtig niedlich wirkten, stimmte Paul Heaton einen Song der Stylistics an. Die erste Band, die er überhaupt live gesehen hat. Damals, 1976, in der Fairfield Hall zu Croydon. "Stone in love with you", ein wahres Falsett-Vanillekipferl. Und weil's so schön war, wurde beschlossen, den elften The-Beautiful-South-Longplayer ausschließlich Coverversionen zu widmen.

Wer nun zu Stirnrunzeln, Kopfschütteln und Gähnen ansetzt, sollte sich eine Kokosmakrone zwischen die Zähne schieben und erstmal abwarten, was passiert, wenn Santa Beautiful South sein Säckchen öffnet. Darin befinden sich nämlich nicht jene Coverversionen, die der Teufel wahllos an managermanipulierte Casting-Gewächse liefert. Sondern vor allem die Lieblingssongs der Band. Und diese verbeugt sich merklich vor den Stücken, anstatt tollwütig auf ihnen herumzutrampeln. Daß dabei trotzdem fast immer ein Augenzwinkern mindestens zu erahnen ist, liegt in der Natur der Macher und macht gerade deren Charme aus. Bester Beweis dafür ist eine Version des S-Club-7-Hits "Don't stop moving", der nie zuvor so spannend klang. Auf die Leinwand des Gedankenkinos wird ein gefürchteter, mit blankpoliertem Colt den Saloon betretender Westernheld projeziert. In Zeitlupe.

Der zweiten Single "Livin' thing" (Electric Light Orchestra) wurde eine gute Portion Country verabreicht, das Lush-Shoegazing bei "Ciao!" gegen eine Prise Pop-Hyperaktivität ausgetauscht und der Blue-Öyster-Cult-Leichtmetall-Klassiker "Don't fear the reaper" (die erste Single) in ein fantastisches Latin-Salsa-Stück transformiert. Während der historisch halbwegs bewanderte Musikfreund mit den Originalen der meisten Songs auf "Golddiggas, headnodders and pholk songs" vertraut sein dürfte, ist zumindest ein Stück eine wirkliche Überraschung: Die dritte Singleauskopplung "This old skin", ursprünglich von der aus South Carolina bzw. Deutschland stammenden Formation The Heppelbaums - auf die Paul Heaton von hierzulande lebenden Freunden, bei denen er jedes Jahr Silvester verbringt, aufmerksam gemacht wurde. Die zweite Strophe singt übrigens Chip Taylor, aus dessen Feder ein Titel stammt, der passenderweise erst in einer Coverversion ein Hit wurde (und zwar für die Troggs): "Wild thing".

Man muß The Beautiful South auf die Schulter klopfen und kann sich die Nikolaus-Rute getrost für die Castinggewächse aufheben. Auch wenn Willy Nelsons "Valentine" vielleicht etwas zu sehr zuckergußüberzogen ist und der "Blitzkrieg bop" so ganz ohne Punk-Attitüde und rotzige Ramones-Riffs wie Karamell im Ohr klebt, schmeckt das Gros der Cover-Kekse doch ausgesprochen gut. Und wer es sogar schafft, den "Rebel prince" des großartigen Rufus Wainwright neu zu interpretieren, ohne ihm - trotz leichten Kalorienentzuges - Glanz und Krönchen zu rauben, dem gebührt schon eine extragroße Tasse Glühwein. Ach was, ein ganzes Faß! Aber natürlich nicht ganz uneigennützig, denn wir wissen ja: Ausgelassenheit ist eine gute Basis für lange anhaltende (musikalische) Freuden. Man muß nur mal Franz Beckenbauer fragen.

(Ina Simone Mautz)

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Highlights

  • Livin' thing
  • Don't fear the reaper
  • This old skin
  • Rebel prince

Tracklist

  1. You're the one that I want
  2. Livin' thing
  3. This will be our year
  4. Ciao!
  5. Valentine
  6. Don't fear the reaper
  7. This old skin
  8. Don't stop moving
  9. Till I can't take it anymore
  10. Rebel prince
  11. Blitzkrieg bop
  12. I'm stone in love with you

Gesamtspielzeit: 43:47 min.

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