22-20s - 22-20s

22-20s- 22-20s

Heavenly / EMI
VÖ: 13.12.2004

Unsere Bewertung: 6/10

Eure Ø-Bewertung: 7/10

Übersprudelnd

Gibt es einen Zusammenhang zwischen Mineralwasserflaschen und dem Mississippi-Delta? Vielleicht. Zumindest gilt auf dem Sprudelwasserbehältersektor für Bonaqa-Flaschen dasselbe wie auf dem Gebiet der Musik für den Blues: Sie sind unkaputtbar. Lassen wir aber das Mineralwasser im Kühlschrank stehen und konzentrieren uns auf den Blues, den Vater und besten Freund des Rock'n'Roll. Jahrelang vom Gros der Welt vergessen, fristete er ein unauffälliges Schattendasein. Nicht zuletzt, weil ihm einige seiner "Helden" wie Eric Clapton seichtglattes, schönklingendes Gift in die Ohren träufelten und ihn in einen komatösen Dämmerschlaf versetzten.

Ein ganzer Haufen junger, talentierter Bands hat aber seit geraumer Zeit die Vergangenheit als Zukunft entdeckt, den Geist und Charme vergangener Jahrzehnte dank Mund-zu-Mund-Beatmung reanimiert, die dekorativen Klangvorhänge zerrissen und dem Rock wieder den Blues eingehaucht. Rauhe Ungeschminktheit, dröhnendes Scheppern, elementare Themen, einfachste Strukturen als Maxime. Der düstere Charme verqualmter Clubs, glitzernder Schweißperlen, fettiger Haare, zerfetzter Lederjacken und eierkartonvertäfelter Garagenproberäume steht wieder ganz weit oben im Kurs. Aus der Welle wurde inzwischen fast ein Ozean.

Sich den Blues auf die Segel geschrieben haben auch die 22-20s aus Lincoln, eines von Englands "next big things". Benannt nach einem Song von Deltablues-Legende Skip James, angeln sie in den reichhaltigen Fischgründen der Vergangenheit, nehmen Kurs auf die monolithischen Felsen der frühen Rolling Stones, schießen ein paar Leuchtkugeln zum Gruß in Richtung alter Helden wie Huddie Ledbetter und Son House, die kaum merklich am Horizont vorbeiziehen, schrammen kurzzeitig das entgegenkommende Geisterschiff von Led Zeppelin, und schippern in der gleichen Fahrrinne wie die White Stripes, Datsuns, die Black Keys oder Jet. Sie wollen die Welt und das Meer nicht neu vermessen - kein Interesse. Wozu das Rad neu erfinden, wenn es noch hervorragend rollt? "I don't want to modernize / I don't want to rearrange / I don't want to fix up / I don't want to change", heißt es in "Hold on".

Zeitweilig lassen sie es gewaltig krachen, schleudern sägende Riffs aus dem Hemdsärmel, rocken und bluesen, daß die Heide beschwingt wackelt. So zum Beispiel im unverblümt nach vorne bretternden Knaller "Such a fool" oder in "Devil in me", dem Song aus der Golf-GTI-Werbung. Mit "22 days" legen sie sogar noch eine Schippe drauf. Stampfende Rhythmen, schwurbelnde Hammondorgeln, schrammelnde Gitarren, gniedelnde Soli, schweißtreibende Basslinien, kehliger Gesang, dynamische Songanlage. Auch Slide-Gitarren haben sie an Bord, die gerade in den ruhigeren Stücken ausgepackt werden. Zehn Songs haben die jungen Engländer nonchalant auf Platte gerotzt, produziert von Ex-Primal-Scream-Knöpfchendreher Brendan Lynch. Stellenweise großes Kino, ganz nah an der Leinwand - vor allem dann, wenn die Jungs die Handbremse lösen und das Gaspedal durchdrücken. Vielen Stücken allerdings fehlen die ganz großen Melodien und gerade auch Überraschungsmomente. Und dann packen sie einen doch wieder und reißen das Gehör zurück auf Kurs. Volle Kraft voraus!

(Ole Cordsen)

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Highlights

  • Such a fool
  • 22 days
  • Why don't you do it for me?
  • I'm the one

Tracklist

  1. Devil in me
  2. Such a fool
  3. Baby brings bad news
  4. 22 days
  5. Friends
  6. Why don't you do it for me?
  7. Shoot your gun
  8. The things that lovers do
  9. I'm the one
  10. Hold on

Gesamtspielzeit: 39:47 min.

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  • 22-20s (14 Beiträge / Letzter am 12.03.2016 - 19:05 Uhr)

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