Travis - Singles

Travis- Singles

Independiente / Sony
VÖ: 01.11.2004

Unsere Bewertung: 8/10

Eure Ø-Bewertung: 8/10

All the lonely people

Ein netter Kniff ist das. Gibt dem Namen "Singles" einen hübsch herben Nachgeschmack mit, wie sich die Travis-Buben da auf dem Cover zur Platte als einsames Polaroid-Quartett inszenieren. Und ist darüber hinaus natürlich auch wieder so typisch wie die Krone auf dem Guinness. Was auch immer die Briten um Fran Healy in den vergangenen acht Jahren angestellt haben, sie waren halt diese herzensguten Typen, denen Deine Oma jederzeit die besten Kekse der Welt zum koffeinfreien Kaffeekränzchen gebacken hätte. Und so wandeln sie eben auch durch ihr neues Video wieder auf leichten Füßen, entgehen ein paar Mal knapp dem Tod und bringen uns zum Lachen. Obwohl das gar kein Witz ist.

Tatsächlich standen Travis in den letzten Jahren mehr als nur einmal auf der Kippe. Drummer Neil Primrose hätte ein unglücklicher Sprung in einen Swimming-Pool beinahe das Leben gekostet. Selbstzweifel und Sinnkrise nagten ebenso an Fran Healy wie ein tückischer Virus, der ihm mehrere Wochen Krankenhaus bescherte. Wenn sich die Herren aus Glasgow nun aber im Clip zu "Walking in the sun", dem einzigen neuen Song auf "Singles" einmal mehr selbst auf die Schippe nehmen, schließt das beinahe wieder an die Unbekümmertheit an, durch die sich die Frühphase der Band auszeichnete. Man war jung, Schotte und tat, was alle jungen Schotten tun: saufen und rocken, rocken und saufen.

Wer die kaum geschliffenen Songs des Travis-Debüts "Good feeling" (sic!) heute hört, der wird sich nicht mehr vorstellen können, daß sie nur ein Album später zu den größten (und meistgehaßten) Schmusedecken des gesamten Königreichs aufsteigen sollten. Mit "Why does it always rain on me?" kam die Selbstmitleids-Phase, wie hineingeschneidert in den trostlosen Herbst von '99. Keine Band ist seinerzeit schöner zerflossen, kein Herz rührender gebrochen als das des kleinen Fran Healy mit dem Schottenrock und der komischen Frisur auf dem Kopf. Aus dieser Phase stammen aber auch die stärksten Songs der Band, das traumwandelnde "Writing to reach you" und die Us-against-the-world-Hymne "Turn". Damals hätte es ewig so weitergehen können.

Und immerhin, ein bißchen tat es das auch noch. Mit "The invisible band" betrieben Travis Imagepflege und Selbstbehauptung auf hohem Niveau. Ohne den Zauber des Vorgängers, aber mit dem verschmitzten Banjo aus dem Tortenschlacht-Schlager "Sing", dem Niedlichkeits-Gezupfe von "Flowers in the window" und höchstens nochmal angerissenem Gitarrenrock wie im wehleidig hadernden "Side". Sogar in Deutschland ging das damals von Null auf Eins. Und vielleicht würden Travis da selbst heute noch stehen, mit den gleichen kleinen Pop-Zuckerstückchen. Wenn nicht auch an ihrem Horizont erstmals dunkle Wolken aufgezogen wären, denen man nicht so einfach mit einem Gänseblümchen im Mundwinkel begegnen konnte.

Eine unschöne Serie von bandinternen Schicksalsschlägen, handfeste Streitereien und eine Überdosis Bush'n'Blair führten zu "12 memories" und der bis dato weltoffensten Platte von Travis. Auf "Singles" wird mit dem bittersüßen "Re-offender" und dem Cello-Friedenslied "The beautiful occupation" zwar eher ihre konventionelle Seite wiedergegeben. Die Band zeigte sich aber dennoch ernster als zuvor, düsterer, musikalisch vielfältiger und mit zaghafter Experimentierfreude auf der Suche nach neuen Ausdruckswegen. Sicherlich nicht Travis' beste Platte, aber dafür eine, die nötig war, um danach noch eine Zukunft zu haben. Wo auch immer die nun hinführen wird, in fünf nach 2000 - wir sind gleich hinter Euch, Jungs. My dear Travis.

(Daniel Gerhardt)

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Highlights

  • Writing to reach you
  • Why does it always rain on me?
  • U16 girls
  • Turn

Tracklist

  1. Sing
  2. Driftwood
  3. Writing to reach you
  4. Why does it always rain on me?
  5. Re-offender
  6. Walking in the sun
  7. Tied to the 90's
  8. Coming around
  9. Flowers in the window
  10. Love will come through
  11. More than us
  12. Side
  13. U16 girls
  14. Happy
  15. All I want to do is rock
  16. The beautiful occupation
  17. Turn
  18. The distance

Gesamtspielzeit: 67:37 min.

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Mr Oh so

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2015-11-27 13:01:54 Uhr
Wird dir bitteanklopfen dann 2024 verraten.
Frühe Antwort
2015-11-27 12:45:16 Uhr
Warum?
bitteanklopfen
2006-01-08 22:20:58 Uhr
ich hab ne abneigung gegen best ofs
jo
2006-01-08 21:37:20 Uhr
Die einzelnen Alben können aber viel mehr. Die Singles von 'Travis' fand ich zwar jeweils gut ausgesucht, die Highlights fanden sich aber fast immer auf den jeweiligen Alben ('Good Feeling' ausgenommen).
Lennon
2006-01-08 20:26:49 Uhr
ich hör das album gerade und entdecke doch ein paar sehr gute lieder drauf
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