Eskobar - Til we're dead

Eskobar- Til we're dead

V2
VÖ: 18.09.2000

Unsere Bewertung: 4/10

Eure Ø-Bewertung: 7/10

Nicht tot, nur eingeschlafen

"Date with IKEA" war einer der Höhepunkte auf dem Pavement-Album "Brighten the corners" betitelt. Es war ein Album, auf dem der Indie-Pop lebte, einem agil entgegenhüpfte und sich tief in die Kehle biß. Eskobar bescheren mir nun ein erneutes "Date with IKEA", das statt dem bissigen Ungetüm von Pavement in seiner Wirkung eher einer Tsetsefliege gleicht und schon nach Sekunden überaus einschläfernd wirkt. Nachdem die sanften Klänge einen zunächst an Briten glauben lassen, belehrt einen der auffällige Akzent im Gesang schnell eines besseren: Eskobar stammen aus Schweden, das in der Zwischenzeit in fast jedes deutsche Wohnzimmer Einzug gehalten hat. Sei es durch auf Tonträger gepreßte Tanz-Grütze, intoniert von vier läufigen A's und B's (ABBA, A-Teens, Ace Of Base) oder auch durch die allgegenwärtigen Regale aus des Schweden liebstem Möbelhaus. Eskobar bringen mit "Til we're dead" nun endlich auch ein Album unter die Leute, das als musikalisches Pendant hervorragend mit den IKEA-Möbeln harmoniert, die zwar funktionabel erscheinen, aber in ihrer Biederkeit nicht mal von den mancherorts darauf lagernden weißen Häkeldeckchen zu überbieten sind.

Bei gleich drei Stücken wird der Hörer von einer südländisch-schwültigen gezupften Gitarre eingelullt. Und das, obwohl ich eigentlich gehofft hatte, daß diese Praxis, ein unschuldiges Instrument auf übelste Art und Weise zu mißhandeln, seit Ricky King aus allen Repertoires in Richtung ewige Jagdgründe verbannt worden ist. Weit gefehlt! Eskobar haben für "Til we're dead" die Särge geöffnet, den Leichen-Staub weggepustet und scheuen sich nicht, die exhumierte Mumie, die sich "Kitsch" nennt, hemmungslos zuschlagen zu lassen. Erinnerungen an jenen verdrängten Teil der Eighties werden wach, den nur noch ab und an einige völlig geschmacksfreie Radiosender ins Gedächtnis rufen. An Schmalzlocke Chris Isaak zum Beispiel, und nicht zuletzt auch an Marti Pellow, Frontmann von Wet Wet Wet, der es wie kein anderer verstand, aufgebrachte Armeen zu besänftigen, indem er sie in den Schlaf sang.

Der Grat zwischen überladenem Pomp und reduzierter Belanglosigkeit ist bekanntlich ein schmaler, und Eskobar kommen öfter zum Straucheln, als einem lieb sein könnte. Wie darauf problemlos und sicher zu wandern ist, haben noch vor kurzem die Briten von Coldplay gezeigt. Zwar verstehen es auch Eskobar mit einzelnen Stücken wie "Tumbling down" oder "Sun in my eyes" dem geneigten Coldplay-Anhänger die eine oder andere winzige Träne ins Knopfloch zaubern, sind aber weit von der Klasse und Intensität ihrer berühmteren Kollegen entfernt. Bei mir jedenfalls wird "Til we're dead" sobald diese Rezension vollendet ist, im CD-Regal "Råndölf" verschwinden und so schnell nicht wieder hervorgekramt werden. Schließlich will ich heute noch eine Weile wach bleiben.

(Armin Linder)

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Highlights

  • Tumbling down
  • Sun in my eyes

Tracklist

  1. Tumbling down
  2. On a train
  3. Good day for dying
  4. Sun in my eyes
  5. Angels
  6. Someone told me
  7. So
  8. She's not here
  9. Love
  10. On my side

Gesamtspielzeit: 34:36 min.

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