The Unicorns - Who will cut our hair when we're gone?

The Unicorns- Who will cut our hair when we're gone?

Alien 8 / Ruff Trade / Sanctuary / Ruff Trade
VÖ: 22.11.2004

Unsere Bewertung: 8/10

Eure Ø-Bewertung: 7/10

Enuff is enuff

Einmal nicht richtig in die Karte geguckt. Einmal falsch abgebogen. Und schon stehen wir hier. Mit den Unicorns und auf der anderen Seite der Popmusik. Drüben unterm Regenbogen toben sich die Melodien aus, spielen Fangen mit listigen Refrains, und "Bababa"-Chöre rutschen viel zu enge Rutschen runter. Aber hier? Blitz und Donner, Chaos und Tumulte. Saurer Regen und die Unicorns. Ihre Orgeln eiern in bejammernswertem Zustand, ihren Gitarren fehlen wichtige Saiten und die anderen sind falsch gestimmt. Sie spielen Lieder wie ausrangierte Roboter mit großen, traurigen Augen. Die keiner mehr haben will, weil ihnen wichtige Teile fehlen und schon Drähte aus den Bäuchen rauskommen. Aber sie geben sich trotzdem noch die allergrößte Mühe. Es ist ein Trauerspiel.

"Who will cut our hair when we're gone?" ist eine Platte, die sich prima die Zeit vertreiben kann mit blöden Geräuschen, schwachsinnigen Flötenintros oder verbogenen Schlagzeugrhythmen. Zur gleichen Zeit will sie aber auch ein Popalbum sein, das sich an keine einzige gängige Regel hält. Und das geht natürlich nicht. Songs fallen nach 90 Sekunden einfach um, Beatles-Klaviere geben vorzeitig den Geist auf und bevor auch nur einmal Strophe auf Refrain und Strophe folgt, zückt lieber noch jemand irgendein Blasinstrument, das er neulich erst auf dem Flohmarkt gekauft hat. "Tuff luff". Im wahrsten Sinne des Wortes.

Weil nämlich, da sind eben auch so Momente, da kriegt die Platte plötzlich wirklich mal Pop auf die Reihe, dem kein Messer im Rücken steckt. "I was born (A unicorn)" zum Beispiel hält immerhin knappe drei Viertel seiner zwei Minuten 45 durch. "Child star" ist gar ein lieblicher, wenn auch etwas verschwommener Wonneproppen. Bis ihn die beiden Unicorns-Sänger mit nett gemeinten "I hate you"s eindecken. Und wenn sich dann auch noch "Let's get known" nach quasi hitverdächtigem Start in irgendeiner Geräuschemaschine verheddert, dämmert es tatsächlich langsam. Jeder Song kein Hit. Die perfekte nicht perfekte Platte. Darauf wollen die hinaus.

Und dann läuft's natürlich wie am Schnürchen. Dann machen die Geigen Sinn, die durch "Tuff luff" stolpern wie ein Nackedei über einen Fußballplatz. Dann ist auch eine düster dröhnende Geisterbeschwörung wie "Tuff ghost" auf einmal nur noch halb so schaurig. Und das Blockflöten-Indierock-Massaker des artverwandten "Sea ghost" täuscht sogar kurz gute Laune an. Selbst die Texte gehen plötzlich klar, die hier in immer engeren Bahnen und mit immer dickerem Grinsen um Tod, Verderben und ähnliche Späße kreisen. Und so gesehen ist diese Platte tatsächlich ein richtig schönes Popalbum. Nur eben auf der anderen Seite. "Somewhere in the asshole of my eye."

(Daniel Gerhardt)

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Highlights

  • Tuff ghost
  • Sea ghost
  • Jellybones
  • I was born (A unicorn)

Tracklist

  1. I don't wanna die
  2. Tuff ghost
  3. Ghost mountain
  4. Sea ghost
  5. Jellybones
  6. The clap
  7. Child star
  8. Let's get known
  9. I was born (A unicorn)
  10. Tuff luff
  11. Inoculate the innocuous
  12. Les os
  13. Ready to die

Gesamtspielzeit: 41:00 min.

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User Beitrag
The Triumph of Our Tired Eyes
2010-08-25 10:58:15 Uhr
Dochdoch, die stammen von den Unicorns ab. Die "Arm's Way" ist aber auch klasse. Aufgeräumter als die Unicorns.
Gordon Fraser
2010-08-25 10:50:55 Uhr
Ja ja, schon klar. Gerade die "Arm's Way" mag ich auch sehr. Aber dass die von den Unicorns abstammen war mir neu. :)
@Gordon
2010-08-25 09:44:07 Uhr
Islands
The Triumph of Our Tired Eyes
2010-08-25 08:32:02 Uhr
Vor einigen Wochen auch mal wieder rausgekramt und seit dem auf Dauerrotation. Nebenwirkung: Seit dem grinse ich manchmal unkontrolliert. Tolle Scheibe:)
Born Bjorn
2010-08-25 07:24:23 Uhr
Gordon, du schribbelst noch immer die fluffigsten Posts. Huddab.
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