Gwen Stefani - Love.Angel.Music.Baby

Gwen Stefani- Love.Angel.Music.Baby

Interscope / Universal
VÖ: 22.11.2004

Unsere Bewertung: 3/10

Eure Ø-Bewertung: 7/10

Rosa Grütze

Von einer, die auszog, um sich selbst zu verwirklichen. Altmodische Phrase, aber immer wieder wahr. "Ausziehen" könnte im Falle von Gwen Stefani ja zumindest für den männlichen Bevölkerungsanteil interessant sein, doch "Ausziehen" findet ja nicht nur im Männermagazin statt. Es gibt durchaus Fälle, wo das "Ausziehen" auf das Innere bezogen ist: Da wird dann ein Seelenstriptease aufs Parkett gelegt, der einem zivilisierten Westeuropäer ebenso die Schamesröte angesichts der kaum zu ertragenden, da entsetzlich peinlichen nackten Tatsachen ins Gesicht treibt. Von Höllenqualen in einer fürchterlichen Kindheit in der Schule muß man erfahren, Hänseleien inklusive, die gar schrecklicher anmuten, als selbst eine Teilnahme an modernen Selbsterfahrungssendungen im (TV-)Dschungel.

Manchmal jedoch erfährt man dergleichen nicht direkt, also nicht via Hochglanzgazetten-Interview, aber man kann es aus dem Schaffen des Künstlers ableiten. Das frühere Leben von Gwen Stefani, als Sängerin von No Doubt und noch viel früher, muß demnach ein grausiges Darben gewesen sein. Selbst heute noch wird sie von schrecklichen Alpträumen gequält und malt sich aus, was sie wohl tun würde, wenn sie "endlich einmal reich wär" (dideldideldadidum).

Auf ihrem Solodebüt wählt sie geradezu konspirativ die Verkleidung in kunterbunte Allerweltspopmelodien. Sie macht sich die Welt, widewidewie sie ihr gefällt. Und überhäuft den Hörer dabei mit erschütternden Anklagen: "We're in a mess, a danger zone. What will happen next? You never know." Man ist ergriffen. Ihr Traum von einem Leben in Saus und Braus, er wird sich erfüllen, oh ja. Schließlich gibt es haufenweise Menschen auf dieser Welt, die Hüpfdohlen jeglicher Couleur mit Geld zuschmeißen. Wahrscheinlich ist das die Lektion, die Frau Stefani gelernt hat: Es reicht nicht zum Reichwerden, wenn man eine interessante Ska-Punk-Band zu Nachahmern längst gerechterweise vergessener Kapellen wie Ace Of Base anstiftet, selbst dann nicht, wenn man es damit sogar bis ins Dudel-Radio schafft. Nein, es reicht nicht, weil man dann die Kohle schließlich noch mit der ganzen Kapelle teilen muß. Und das ist doch ungerecht: Wie soll man sich denn sonst die erneute Schönheitsoperation leisten können, damit man bzw. frau endlich auch so aussieht wie die bestverdienende, halb so alte Konkurrentin?

Wen interessiert es da schon, daß das Resultat schon auf dem Cover aussieht wie eine billige Kopie von Madonna und erschreckenderweise sogar noch mieser klingt? Kurioserweise wird direkt unter dem jeweiligen Songtitel auf der Tracklist der Name des Produzenten aufgeführt. Bristol-Legende Nellee Hooper liest man da bei vier Songs, Dr. Dre beim mit Eve geträllerten "Rich girl", André 3000 gibt sich als Produzent und Gastsänger für "Long way to go" her, und die unvermeidlichen Neptunes spendierten stampfende Beats für das plakative "Hollaback girl".

Alles dabei, was Rang und Namen hat, State of the art ist und für Pop-Großtaten gesorgt hat, die selbst manchem eingefleischten Indie-Puristen heimliche Lieblingssongs beschert haben. Doch abgesehen von kleineren Ausrutschern nach oben wie bei "The real thing" will man den beteiligten Gästen einfach nur Wagenladungen Tipp-Ex spendieren. Auf daß sie diese peinlichen Auftritte aus ihrer Biographie löschen können. An "Luxurious" hätten wohl höchstens Stefan-Raab-Fans Freude, der Freestyle-Cruiser "Crash" verstößt gegen alle Verkehrsregeln, und der Rest hört sich an, als hätte man Britney Spears und Kylie Minogue in die 80er Jahre gebeamt, um mit Dieter Bohlen eine neue Platte aufzunehmen. Da kann Gwen Stefani von Grande Dame Madonna doch was lernen: wie man in Würde altert. Schließlich ist die Welt kein Puppenhaus.

(Holger Schauer)

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Highlights

  • The real thing

Tracklist

  1. What you waiting for?
  2. Rich girl
  3. Hollaback girl
  4. Cool
  5. Bubble pop electric
  6. Luxurious
  7. Harajuku girls
  8. Crash
  9. The real thing
  10. Serious
  11. Danger zone
  12. Long way to go
  13. The real thing (Wendy and Lisa slow jam mix)

Gesamtspielzeit: 52:15 min.

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