Sid LeRock - Written in lipstick

Sid LeRock- Written in lipstick

Ladomat / Mute / EMI
VÖ: 01.11.2004

Unsere Bewertung: 7/10

Eure Ø-Bewertung: 7/10

Dick aufgetragen

Schreibt es mit Lippenstift an die Wände: Das Ding ist out. Wir Männer wollen das nicht sehen. Lippenstift, jenes phallusartige Utensil, welches die Frau sich nicht in, sondern lediglich um den Mund schmiert. Die damit mal dezent, meist jedoch weniger, ihre Lippen umrandet, betont oder einfach nur verunstaltet. Er hinterläßt blöde Flecken auf T-Shirts. Und sieht einfach dämlich aus.

Auf Sid LeRocks "Written in lipstick" findet das Ding dennoch Verwendung. Es ziert das Album-Cover. Doch die Lippenstift-Armada, die hier auf den Betrachter zufliegt, macht eher den Eindruck von Streubomben. Und um jetzt den Lippenstift-Diskurs auf einen musikalischen Nenner zu übertragen: Sid LeRock trägt dick auf. Jeder Song ein Knaller, farbenfroh und schwer tanzbar. Sid LeRock heißt gut bürgerlich Sheldon Thompson, ist gebürtiger Kanadier, wohnhaft in Köln und veröffentlichte bisher Alben als Pan/tone und Gringo Grinder.

Und ewig dampft die Elektromaschine. Der Einer-Kanadier musiziert in ähnlichen Gefilden wie seine Landsmenschen Peaches und Gonzales. Elektronische Klänge, monotone Schichten, rumpelnde Bässe, die sich summieren und ihr Ende nach fünf bis sechs Minuten finden. "Written in lipstick" schürt Emotion. Doch nicht jene besänftigende Variante, die einen eins sein lässt mit der Umwelt, sondern jene, die die Faust in der Tasche ballt. Seine Elektronik ist nicht etwa dancefloorlastig, sondern zutiefst dunkel und vertrackt. Songtitel wären hier Schall und Rauch, denn Nonverbales und Verbales ergänzen sich zum Gesamtkunstwerk. Hervorstechend lediglich das famose "Lost in gräser".

Dieses Faible für die morbide Monotonie ist Reminiszenz an seine musikalische Sozialisation. Ursprünglich mochte Sid LeRock mal Hardcore und Punk. Und so fungiert er heute als Verbinder zwischen den Orten und zwischen den Stilen. Nur der Lippenstift, der mag allen guten Willens zum Trotz nicht in das Konstrukt passen.

(Sebastian Peters)

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Highlights

  • Lost in gräser
  • Bull Dozer
  • Jalapeno Rock

Tracklist

  1. Torque
  2. Close again
  3. Bull Dozer
  4. Three steps from grace
  5. Lost in gräser
  6. Le monsieur zut suit
  7. Jalapeno rock
  8. Ocean view
  9. Stranger danger
  10. Add it!
  11. Alive n'swell

Gesamtspielzeit: 67:08 min.

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