Elefant - Sunlight makes me paranoid

Elefant- Sunlight makes me paranoid

Kemado / Palm Pictures / Rough Trade
VÖ: 15.11.2004

Unsere Bewertung: 7/10

Eure Ø-Bewertung: 8/10

Sonnenbrille

Britpop. Mancher glaubt ja noch immer, diese Stilrichtung wäre das Ergebnis des Wettstreits zwischen Oasis und Blur gewesen. Aber jenseits des damaligen Schnöseltums gab es Mitte der Neunziger bereits eine breite Tradition schöngeistiger Melodien, die bereits zehn Jahre zuvor prächtigste Blüten getrieben hatte. Zehn Jahre später nun feiert diese Melodieseligkeit wieder fröhliche Urständ. Doch nicht aus Liverpool, Manchester oder London kommen die Songs, die die Seele baumeln lassen. Die authentischsten Britpopper unserer Zeit sind Amis.

Jetzt hat es mit "Sunlight makes me paranoid" sogar ein ausgewachsener Elefant über den großen Teich geschafft. Der gebürtige Argentinier Diego Garcia bringt reichlich gesanglichen Schmelz mit, der sich vortrefflich mit den trockenen Grooves von Mod, James Jeffrey Berral und Kevin McAdams verträgt. Schon das vertrackt wedelnde "Make up" schüttelt allerlei Stilbewußtsein aus dem Ärmel. Kristallklar instrumentiert und mit wunderhübschen Verzierungen ausgestattet. Nicht nur Garcias salbungsvolle Stimme läßt die legendären Smiths wieder auferstehen.

"Sunlight makes me paranoid" augenzwinkert natürlich mit der lichtscheuen Blässe der Briten. Doch statt mit vollgeschneuzten Kopfkissen zu winken, wippt sich "Now that I miss her" den Kummer einfach von der Seele. Die häufig mitschwingende Melancholie läßt keine Kopf hängen, sondern reißt stets die Vorhänge auf, um die Sonne hereinzulassen. "Bokkie" gemahnt an schwungvolle Pulp, das hüftbetonte Titelstück kreuzt die Psychedelic Furs mit Roxy Music, und in "Annie" lebt der poppige Trübsinn von The Cure auf. "Misfit" könnte von Interpol stammen, wenn nicht dieser beseelte Optimismus wäre. So streifen sich Parallelen und Referenzen mit Leichtfertigkeit ab.

Es sind keineswegs nur luftige Posen, die Elefant zu bieten haben. Stimmliche Aufdringlichkeit kann sich nur der Sänger trauen, der sich die passende Melodiosität schon zum Frühstück einverleibt. Er gleitet auf den dicht verwobenen Rhythmen und flirtet mit den gitarrigen Schnörkeln. Überhaupt gerät Mods einfallsreiche Saitenarbeit zur Signatur. Es jinglet und janglet, es zwitschert und prickelt, es wummert und knuspert - stets so, wie es der Song braucht. Und alles Pathos hat im Mundwinkel noch ein Grinsen versteckt: "Wrote this song last night while I was sober."

(Oliver Ding)

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Highlights

  • Make up
  • Now that I miss her
  • Misfit
  • Sunlight makes me paranoid

Tracklist

  1. Make up
  2. Now that I miss her
  3. Misfit
  4. Bokkie
  5. Tonight let's dance
  6. Static on Channel 4
  7. Sunlight makes me paranoid
  8. Annie
  9. Love
  10. Ester

Gesamtspielzeit: 32:38 min.

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User Beitrag
Lurx
2008-10-25 16:43:29 Uhr
Auf der myspace seite kann man Michelle hören und London Theater demo. Gibt es vielleicht bald etwas neues von ihnen?
virginia
2005-12-13 19:43:17 Uhr
http://hollywoodrecords.go.com/elefant/blackmagicshow/index.html
unter diesem link kann man sich einen neuen Song
bin gerade dabei und sehr gespannt
Ben
2005-09-10 12:36:53 Uhr
Eine wirklich schöne Platte. Als ich sie zum ersten mal gehört hatte war ich der festen Überzeugung, dass das die neue New Order ist. Die Stimmen klingen aber auch verteufelt ähnlich!
Alex
2005-08-19 22:31:33 Uhr
Na is doch egal, ob die Texte schlecht oder zumindest sehr einfach und durchschaubar sind, denn die Musik is richtig klasse! Und es gibt ehrlich schlechtere Texte, guck dr einfach mal die Charts an... Ich lebe, weil du mein Wasser bist.... I've got the magic stick....
Pjotr
2005-08-17 17:49:33 Uhr
werde den Thread mal wieder nach oben hiefen, da das eine sehr schöne platte ist, und wenn man sich englische Texte näher betrachtet sind sehr viele mega schrott.
personal favourite: tonite let's dance
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