Joan Of Arc - Joan Of Arc, Dick Cheney, Mark Twain ...

Joan Of Arc- Joan Of Arc, Dick Cheney, Mark Twain ...

PolyVinyl / Rough Trade
VÖ: 24.10.2004

Unsere Bewertung: 6/10

Eure Ø-Bewertung: 8/10

Pablo Picasso

Daß Joan Of Arc keine Band für Leute mit Aufmerksamkeitsschwäche sind, könnte sich herumgesprochen haben. Und so zerfasert auch "Joan Of Arc, Dick Cheney, Mark Twain ..." aus ästhetischer Überzeugung. Jede Ecke wird noch einmal zergeschlagen, gemörsert, zerlegt. Also ziemlich genau das, was Mensch gerne einmal mit dem Titelhelden Dick Cheney machen würde.

Apropos: "Joan Of Arc, Dick Cheney, Mark Twain ..." ist tatsächlich als politisches Statement gemeint. Um der Aussage allerdings auf die Schliche zukommen, muß man hinter mehr als nur einen Spiegel blicken. Wenn im abschließenden "The cash in ad price" das Motiv des unwohl zirpenden "The title track of this album" aufgreift, wenn sich aus dem Wirrwarr entmenschlichter Stimmen nur noch der zensurfreundliche Clear Channel herauswindet, schwant einem Tiefgründiges.

Der Forscherdrang legt nahe, die zerkratzten Oberflächen zu überwinden. Und das ist kein leichtes Unterfangen. Immer wieder fallen verspulte Fieporgien aus der Asservatenkammer von Produzent John McIntire. Selbst muntere Schunkler wie "Queasy Lynn" und "Fleshy Jeffrey" oder das bitterromantische "Onomatopoetic animal faces" geben sich unnahbar. Selten nur wird die Band um Tim Kinsella konkret. Und hinter der freien Assoziation und den unsorgsam choreographierten Störgeräuschen vermutet man die Revolution.

Doch es bleibt leider meist bei diesem ungenauen Gefühl. Desorientierte Arschwackler wie "80's dance parties most of all", das um keinen Polyrhythmus verlegene "Half-deaf girl named Echo" und das seltsam groovende "White and wrong" erschaffen nur die Illusion des Gegenständlichen. Dafür haben selbst die Slogans mindestens einen doppelten Boden. "You cannot want to not want", heißt es da. Oder "I'm putting the fun back in funeral." Die eigentlich Untergründigkeit des Albums zeigt sich jedoch nicht in solchen pseudoplakativen Parolen, sondern in der ständigen Untergrabung von Struktur, Fluß und Harmonie. Die Rache der Abstraktionsebene.

(Oliver Ding)

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Highlights

  • White and wrong
  • Queasy Lynn
  • Fleshy Jeffrey
  • Abigail, cops, and animals

Tracklist

  1. Questioning Benjamin Franklin's ghost
  2. Apocalypse politics
  3. The title track of this album
  4. Queasy Lynn
  5. White and wrong
  6. Onomatopoepic animal faces
  7. Half-deaf girl named Echo
  8. 80's dance parties most of all
  9. Deep rush
  10. Gripped by the lips
  11. Fleshy Jeffrey
  12. Abigail, cops, and animals
  13. "Still" from Miss Kate's texture dictionary
  14. The details of the bomb
  15. I trust a litter of kittens still keeps the colosseum
  16. The telephones have begun making calls
  17. The cash in ad price

Gesamtspielzeit: 57:16 min.

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