The Detroit Cobras - Baby.

The Detroit Cobras- Baby.

Rough Trade / Sanctuary / Rough Trade
VÖ: 01.11.2004

Unsere Bewertung: 7/10

Eure Ø-Bewertung: 8/10

Twist and shout

Gut, jetzt haben sie George W. Bush wiedergewählt. Aber es gibt wohl auf der Welt trotzdem noch immer nichts Schlimmeres als das Phänomen der Coverband. Sie heißt Rolfi And The Rollis, sie sieht aus wie Pudel And The Pudhys und sie besteht aus 45jährigen Außendienstlern mit Vokuhila und Jeansweste, die am Wochenende ihrem alten Rock'n'Roll-Traum hinterher leben. Kein Schützenfest ist sicher vor ihr, keine Hochzeit komplett, bevor Braut und -igam nicht zu ihrer Version von "Everlasting love" die Tanzfläche eröffnet haben. Und danach gibt's dann Freibier für alle.

Es ist also wirklich Zeit für die Detroit Cobras. Gib ihnen irrsinnige 31 Minuten und sagenhafte 38 Sekunden, und alle Coverbands der Welt sind gerettet. Auf Flohmärkten und in 2nd-Hand-Läden suchen diese Fünf nach alten, möglichst obskuren R'n'B-, und Rock'n'Roll-7-Inches. Davon nehmen sie dann die B-Seiten und spielen sie in schlichtweg sensationellen Garage-LoFi-Soul-Versionen nach. Ohne Punkt und Komma, aber mit Gratis-Arschtritt auf der hohen Kante. Klingt natürlich bekloppt, funktioniert aber so gut, daß die mittlerweile bei Rough Trade erscheinen. Und die coolste Band der Welt sind.

Mit "Baby." darf nun also auch Europa teilhaben. Cremige Vintage-Gitarren umkurven weibliche "Uhuhuh"-Chöre, das Schlagzeug rasselt und scheppert, und Frontvollweib Rachel Nagy singt mit ihrer filterlosen Gitanes-Stimme die neuesten alten Geschichten aus dem Heartbreak Hotel. Prominentestes Opfer dürfte diesmal Bobby Womack sein, dessen "Baby help me" hier kurz vor Schluß als klassischer Cadillac-Roadmovie unter die Räder kommt. "Just can't please me" ist derweil prächtig nachempfundener "Be bop a lula"-Rock'n'Roll. Und weil in "Everybody's going wild" everybody wild goes, dürfen die Background-Sängerinnen noch schnell ihr Jodeldiplom nachholen. Wir sagen's ja. Die coolste Band der Welt.

Und doch ist leider nicht alles in Ordnung mit unserem "Baby." Weil die dafür zuständigen Leute entschieden haben, aus den Detroit Cobras nun eine richtig große Nummer zu machen, läuft "Cha cha twist", der grandiose Opener ihres 98er Debütalbums "Mink rat or rabbit", nun als Hintergrundmusik in einem Autowerbespot. Und wurde für "Baby." in einer Tut-nicht-weh-Version neu aufgelegt, die beinahe klingt, als würden Rolfi And The Rollis jetzt die Detroit Cobras covern. Da hilft es dann auch keinem mehr, daß Meg White durch das zugehörige Video tanzt. Als Rotkäppchen. Mit der ehemals coolsten Band der Welt. "Come on baby."

(Daniel Gerhardt)

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Highlights

  • Slipping around
  • Just can't please you
  • Baby help me

Tracklist

  1. Slipping around
  2. I wanna holler (But the town's too small)
  3. Baby let me hold your hand
  4. Weak spot
  5. Everybody's going wild
  6. Hot dog (Watch me eat)
  7. Mean man
  8. Now you're gone
  9. It's raining
  10. Just can't please you
  11. The real thing
  12. Baby help me
  13. Cha cha twist

Gesamtspielzeit: 31:38 min.

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