David Judson Clemmons - Life in the kingdom of agreement

David Judson Clemmons- Life in the kingdom of agreement

Village Slut / MMS / Al!ve
VÖ: 02.11.2004

Unsere Bewertung: 7/10

Eure Ø-Bewertung: 7/10

Cathedral

Ein riesengroßer Raum. Die meterdicken Mauern, die das Sonnenlicht aussperren und dem Raum die Wärme nehmen, sind weit, weit weg. Der Betrachter steht ganz allein und verloren in dieser eingeengten Weite. Einige hohe, schmale Fenster lassen etwas Licht hinein, die erdigen Farben der Gläser nehmen diesem Schein alles Strahlende. Oben schließt sich ein Gewölbe, das so hoch über dem Boden liegt, daß man kaum Einzelheiten erkennen kann. Während gotische Kathedralen gebaut wurden, um dem Verweilenden seine Nichtigkeit im Vergleich zur Macht und zur Größe der Institution Kirche zu verdeutlichen, zeigt die Halle, die David Judson Clemmons hier errichtet, dem Eintretenden vor allem seine Haltlosigkeit und Verlorenheit.

Tonnenschwere Verzweiflung türmt der der ehemalige Jud- und Fullbliss-Kopf zu einem Bauwerk auf, das seelenfressende Düsternis mit beinah schwerelos anmutender Architektur verknüpft. Ein kleiner Raum könnte diesen Schmerz überhaupt nicht aufnehmen. Wände in greifbarer Nähe würden vielleicht so etwas wie Geborgenheit vermitteln. Clemmons Vortrag braucht vor allem Hall. In diesem Saal knüpft er jede seiner Klagen an ein federleichtes Band aus Seide. Von filigranen Melodien getragen schweben sie durch den Raum. Der Zuhörer greift danach, auf der Suche nach ein wenig Halt. Doch kaum hat er eine berührt, zerfällt das zerbrechliche Gebilde zu Staub. Fest ist hier nur der Boden, auf dem man sich in embryonaler Schutzhaltung zusammenkauert.

Der Baumeister hat diese Stätte der tiefen Verzweiflung und totalen Isolation perfekt inszeniert. Gute 45 Minuten läßt er den den Zuhörer herumirren und seine Qualen erleben. Dann endlich reicht er dem Verzweifelten einen Starken Arm: "To leave this room" zeigt den Ausgang aus dieser unheimlichen Kathdrale. Draußen wird er er von Orgel und Streichern in Empfang genommen und der beängstigende Trip endet mit dem immer noch traurigen, aber wenigstens etwas wärmeren und nicht ganz hoffnungslosen "Undimmed". Wir haben in einen Abgrund geschaut. Und sind heilfroh, lebend wieder rausgekommen zu sein.

(Rüdiger Hofmann)

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Highlights

  • Beautiful you
  • Caucasia
  • Undimmed

Tracklist

  1. Scars
  2. Beautiful you
  3. The shores
  4. Caucasia
  5. The perfect life is here
  6. Lover, my love
  7. Scars 2
  8. Behind the face
  9. Kingdom of agreement
  10. To leave this room
  11. Undimmed

Gesamtspielzeit: 72:17 min.

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