Schrottgrenze - Das Ende unserer Zeit

Schrottgrenze- Das Ende unserer Zeit

Weird System / Indigo
VÖ: 01.11.2004

Unsere Bewertung: 5/10

Eure Ø-Bewertung: 7/10

Tausendmal berührt

Wieso steht eigentlich in jeder Review über Schrottgrenze, daß sie ein ernstes Namensproblem haben und sich tunlichst umbenennen sollten? Nun, vermutlich, weil es stimmt. Man wähnt einfach Punkrocker hinter einem derartigen Namen, solche der derberen Art sogar. Das waren Schrottgrenze auch mal, ganz früher. Heute allerdings wendet sich die Klientel mit dem Iro bestimmt schon nach den ersten Sekunden mit Schaudern ab und dreht vor lauter Angewidertheit der Ratte auf ihrer Schulter den Hals um. Und jene Kettcar-Kids mit den Nietengürteln aus dem EMP-Katalog und den bunten Buttons am Täschchen haben schon solche Angst vor dem Bandnamen, daß sie schon "Vaganten und Renegaten" völlig übersehen haben. Dabei sollte sich das erste auf breiter Basis veröffentlichte Schrottgrenze-Album mit durchaus feiner emotionaler Rockmusik eigentlich von der Vergangenheit freispielen.

Mit altem Namen und neuem Schwung wagen die vier aus Schleswig-Holstein einen weiteren Anlauf. Die Vorzeichen sind nicht schlecht. Mit der "Belladonna"-EP gelang Schrottgrenze Anfang des Jahres ein kleiner Achtungserfolg. Und in der Zwischenzeit wurde Frontmann Alex Tsitsigias seine unnützen Skizzen und ein Cover von Klaus Lages "1001 Nacht" auf seinem Solodebüt los, das wohl nur für ihn selbst gedacht war. Mittenrein in den Deutschrock-Hype lassen Schrottgrenze nun also "Das Ende unserer Zeit" einschlagen, als ob sie von einer glänzenden Zukunft träumten.

Doch ob daraus etwas wird? "Das Ende unserer Zeit" ist natürlich zu niveauvoll geraten, um sich überhaupt mit Silbermond messen zu können oder müssen. Und zu enttäuschend, um in geschmackvolleren Kreisen die "Belladonna"-Begeisterung fortzusetzen. Der EP-Titelsong ist der mit Abstand stärkste unter den 14, wahrscheinlich deswegen, weil er mit einem amtlich schneidenden Riff dagegenhält. Die nicht kitschigen, sondern doch vor allem ehrlichen Texten brauchen einen solchen Gegenpol, erst recht, wenn sie Tocotronic zitieren oder die erste Liebe. Die meisten Songs verlieren sich in gefühligen Melodien, die nur böse Menschen "Schlager" nennen würden, von denen aber auch liebe Menschen konstatieren, daß ihnen der nötige Biß fehlt.

Viermal am Stück ist dieses Album jetzt hier aus den Boxen hier gedrungen. Und kein einziger der Songs hat sich ins Gedächtnis eingebrannt. Gesprochen und gesagt: "Hey, hör mich wieder, wenn Du mit uns allen durch bist." Ein fünftes Mal wird sicherlich folgen, schließlich stellt sich "Das Ende unserer Zeit" als netter Begleiter durch alle Situationen des Lebens vor, als bester Freund sozusagen. Vielleicht passiert beim tausendundersten Mal ja was. Wenn Klaus Lage das sagt, wird es schon so sein.

(Armin Linder)

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Highlights

  • Das Ende unserer Zeit
  • Führ mich heim
  • Belladonna

Tracklist

  1. Lied vom Schnee
  2. Fernglas
  3. Zwilling da draußen
  4. Meine Dämonen
  5. Schwärze
  6. Ich bleibe Kind
  7. Das Ende unserer Zeit
  8. Profuzzor
  9. Kreuzfahrt ins Nichts
  10. Nozomi's Lieder
  11. Führ mich heim
  12. Feige und allein
  13. Belladonna
  14. Vögel

Gesamtspielzeit: 49:18 min.

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User Beitrag
Ted
2009-12-21 23:16:59 Uhr
Sehe "Château" als deren bestes Album. Also gibt es doch noch mehr, die sich für diese Band interessieren ;)
Auf diesem Album mag ich allerding eigentlich nur "meine Dämone" und "Nazomis Lieder"...
Eurodance Commando
2009-12-21 22:15:39 Uhr
Lach, außer mir scheint sich ja niemand für die Band zu interessieren ^^

1. Lied vom Schnee 7,5/10
2. Fernglas 9/10
3. Zwilling da draußen 6/10
4. Meine Dämonen 5/10
5. Schwärze 5/10 (die 2.Hälfte hauts noch halb raus)
6. Ich bleibe Kind 2/10 (lächerlicher Pennäler-Punk)
7. Das Ende unserer Zeit 3/10 (das Lied = Inbegriff der Langeweile)
8. Profuzzor 2/10 (wer kam da na nur bloß auf die Idee, auf den Gesang zu verzichten??? Schade um eine an sich schöne Melodie)
9. Kreuzfahrt ins Nichts 5/10
10. Nozomi's Lieder 9/10
11. Führ mich heim 5/10
12. Feige und allein 4/10 (was für ein dämlicher Text!)
13. Belladonna 10/10 (Armin hat es schon gesagt: Ein Granatensong!)
14. Vögel 6,5/10 (schade, am Ende geht dem Song emotional die Puste aus)


rechnerisch: 5,5/10
gefühlt: 5/10

Fazit:
Den Handvoll guten bis sehr guten Liedern stehen viele wahnsinnig öde und nichtssagende Songs gegenüber.
Bei "Vögel" und "Profuzzor" hat man einiges an Potential verschenkt. Vielleicht hätte man auch 2 Lieder noch weglassen können, dann hätts was geben können mit einem guten Album.
Eurodance Commando
2009-05-27 00:28:32 Uhr
Das Album ist in der Tat ziemlich mittelmäßig, aber das Lied "Nozomi`s Lieder" mit der Textstelle "nur in meinen Liedern kannst du fühlen, wie ich wein´, und spüren, was es für mich heißt, auf dieser Welt zu sein" könnte mich fast zu einer Träne im Knopfloch hinreißen. Groß!
Chez Heinz
2005-08-01 20:46:12 Uhr
Hab diese Band aus Hamburg, Peine oder doch Hannover, kam in ihren Ansagen nicht so deutlich durch, beim Open Air des Bei Chez Heinz zu HAnnover gesehen. Texte versuchen die HH-Schule zum 123.Mal zu kopieren, musikalisch "Toco anno 96"-like. Getoppt nur durch stumpf gewollt schlaue Ansagen des Sängers an den Drums.

1/10 für Gesang plus drums
Armin
2005-07-29 16:49:05 Uhr
SCHROTTGRENZE - Das Ende unserer Zeit - Tour 2005
wird präsentiert von VISIONS, Westzeit, OX-Fanzine/ Triggerfish.de und Ernie Ball:

29.07.05 Großefehn Oma's Teich Festival
30.07.05 Dornburg Out Of Ordinary Festival
13.08.05 Salmrohr Gut Holz Festival
20.08.05 Jülich Kuba
26.08.05 Gladbeck Rock(to)Day Festival

09.09.05 Kaiserslautern Kammgarn
10.09.05 Bremen Römer
15.09.05 Berlin - Kato
16.09.05 Fulda Kulturkeller
17.09.05 Püttlingen Rock Zipfel Festival
18.09.05 Ulm Roxy
23.09.05 Stuttgart - Landespavillon
24.09.05 Neu Isenburg Festival
27.10.05 Hamburg - Molotow
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