The Czars - Goodbye

The Czars- Goodbye

Bella Union / Rough Trade
VÖ: 25.10.2004

Unsere Bewertung: 7/10

Eure Ø-Bewertung: 8/10

Abschiedsschmerz

Das Intro erlaubt zaghaft zweifelndes Fragen: CD vertauscht? Was ist das denn? Eine Perle aus Schumanns Fantasiestücken für Klavier? Egal, weil wunderschön. Düster und doch strahlend. Der Regenbogen im Gewittergrau. Jenen Gegensatz übernimmt auch der nachfolgende Titeltrack, "Goodbye". Eine an Phoenix erinnernde Rhythmusgruppe eröffnet das Abschiedslied für die verflossene Herzensdame. "I'm waiting over here / Just to see you / My love", wird zunächst coldplayesk gesäuselt, um dann ein verbittert nüchternes, aber nicht weniger lieblich vorgetragenes "I love to see you fade and die / I love to see you kicking / Screaming while you try to reach the sky" hinterherzuschicken. Ein Text, wie ihn Jarvis Cocker zu seinen zynischsten Zeiten hätte schreiben können.

Daß das Quintett aus Denver, Colorado, gerne als die "britischste Band Amerikas" bezeichnet wird, ist kein Geheimnis. Auch auf ihrer dritten Platte machen sie diesem Ruf alle Ehre. Zwölf überraschend strukturierte Stücke. Melodien, die hängen bleiben. An ein paar wenigen, vernachlässigbaren Stellen wirken die Czars dabei etwas schwerfällig und altbacken, jedoch, viel wichtiger: nie pathosüberladen. Die 60s-Akustikgitarren-Schmachterei "Paint the moon" ist nicht weniger als ein Klassiker - Sänger John Grant läßt an Morten Harket in Hochform denken. Man glaubt sogar, dieses hübsche Lied irgendwoher zu kennen. Und mit "Hymn" geht die Assoziationssuche gleich weiter. Initiiert von einem feierlichen Männerchor, der sehr nach Kirche klingt. Barclay James Harvest? Queen? Und dann! Paul McCartney am Klavier. Und im Zimmer nebenan experimentiert William Orbit. Unglaublich.

Und da wohnen noch mehr Leute! Im "Pink house" treffen sich bei jazzig-bluesigen, klaviergetragenen Klängen Nina Simone und Miles Davis. Wie auch schon auf dem Vorgänger "The ugly people -vs- The beautiful people" trompetet Ron Miles meisterhaft. Erneut klopft der Déjà-vu-Gedanke an. Man mag nicht glauben, daß diese Nummer tatsächlich von den Czars stammt. Nach dem dunklen, über verpaßte Chancen lamentierenden "L.O.S." darf zu "Bright black eyes" geschunkelt werden. Gerne auch mit ein wenig Alkohol im Blut. Der Rausschmeißer "Pain" stellt noch einmal den Optimisten auf die Bühne: "Pain, it takes so much pain / To help you feel, if you can't feel at all." Also doch: Everything happens for a reason und so. No pain, no gain.

Die Harmonie des Longplayers wird lediglich durch ungestüme Gitarren samt überdrehter Soli ("Trash") und durch kantige elektronische Effekte ("I am the man") gestört, die den bitteren Nachgeschmack von etwas Künstlichem, Kühlem hinterlassen. Aber wen interessieren schon zwei fehlende Perlen, wenn auch ohne sie ein brillantes Schmuckstück zustande kommt?

(Ina Simone Mautz)

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Highlights

  • Goodbye
  • Paint the moon
  • Hymn
  • Little pink house

Tracklist

  1. Goodbye intro
  2. Goodbye
  3. Paint the moon
  4. The hymn
  5. My love
  6. Little pink house
  7. I am the man
  8. Trash
  9. I saw a ship
  10. L.O.S.
  11. Bright black eyes
  12. Pain

Gesamtspielzeit: 54:13 min.

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