Crash Test Dummies - Songs of the unforgiven

Crash Test Dummies- Songs of the unforgiven

Cha-Ching / Soulfood
VÖ: 25.10.2004

Unsere Bewertung: 6/10

Eure Ø-Bewertung: 5/10

Enter sandman

Schwer und träge pumpt eine Kirchenorgel ihre sonoren Töne. Zaghaft huschen Finger über eine Akustikgitarre. Schließlich setzt eine Baßstimme ein, die einem das Blut in den Adern gefrieren läßt. Nick Cave? Johnny Cash? Nee, klingt nur so. Die Stimme gehört Brad Roberts, der gerade mal wieder dabei ist, seine Crash Test Dummies neu zu erfinden. Diesmal also Sakralfolk. Warum auch nicht? Der letzte Versuch ging ja so weit daneben, daß Veränderung dringend Not tat.

Aufgenommen wurde "Songs of the unforgiven" in einer alten Kirche in Duluth am Lake Superior. Wegen der Atmosphäre und so. Die Bedeutungsschwere lastet dementsprechend auf dem Album, das sich auch noch um biblische Motive und komplexe Poesie rankt. Für das allgemeine Verständnis wäre also eine etwa fünfhundertseitige Interpretationshilfe von Vorteil. Aber vergessen wir mal kurz den Inhalt und konzentrieren uns auf das Auffälligste: Brad Roberts' Gesang. Diese Stimme! Als Metapher sei hier nur mal ein Eisbrecher erwähnt, der sich durchs Packeis frißt. Langsam, aber erbarmungslos. Ein bißchen aber auch wie das traurige Walroß bei "Urmel aus dem Eis".

Die Stimme tröstet darüber hinweg, daß es dem Album ein wenig an Songs fehlt. Der Schreiber Roberts hat sich Versatzstücke aus Country- und Westernsongs zurechtgelegt und spielt diese noch ein bißchen langsamer vor. Vor dem inneren Auge reiten Cowboys durch die verschneiten Berge und durch vereiste Flüsse. Vielleicht sitzen sie auch vor dem Kaminfeuer und trinken Rotwein. Jedenfalls: Atmosphäre! Und zwar jede Menge davon.

Aber vielleicht muss das diesmal gar nicht sein. "Songs for the unforgiven" wirkt als Ganzes. Am ehesten sticht "The unforgiven ones" hervor - und das ziemlich gewaltig. Zeilen wie "Some are sinners, some repent / Some are never done / And then there's those like you and I / The unforgiven ones" wirken wie in Marmor gemeißelt oder zumindest auf sehr altes Pergament gekritzelt. Schwer, kalt und dunkel klingt das Album, und manchmal fragt man sich für einen Moment, ob es die Band da nicht mit ihrem Konzept übertreibt, ob das nicht alles zu gewollt ist. Vielleicht, ja. Und trotzdem geht eine Faszination von dieser Musik aus - und man vergibt der Band das Vorgängeralbum.

(Lukas Heinser)

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Highlights

  • The unforgiven ones
  • The beginning of the end
  • There is no final winner

Tracklist

  1. Prelude
  2. Sonnet 1 (And when the sun goes down)
  3. And so will always be
  4. The unforgiven ones
  5. Interlude 1
  6. Come down to the sinkhole
  7. Is the spell really broken?
  8. Everlasting peace
  9. Sonnet 2 (And back in ages past)
  10. The beginning of the end
  11. Interlude 2
  12. You've had your run
  13. There is no final winner
  14. You've done it once again
  15. Sonnet 3 (The cold is here)
  16. The wicked and the evil
  17. Postlude

Gesamtspielzeit: 40:28 min.

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