Me First And The Gimme Gimmes - Ruin Jonny's Bar Mitzvah

Me First And The Gimme Gimmes- Ruin Jonny's Bar Mitzvah

Fat Wreck / SPV
VÖ: 18.10.2004

Unsere Bewertung: 3/10

Eure Ø-Bewertung: 6/10

Sperrstunde

Selbstzitate gehen aus diversen taktischen und rhetorischen Gründen normalerweise überhaupt nicht und sollten daher tunlichst vermieden werden. Grundsätzlich zumindest. Wenn es sich allerdings wie im Falle von Me First and the Gimme Gimmes dermaßen anbietet und man daraus obendrein noch einen passablen Rezensionseinstieg findet, ersetzt die Ausnahme die Regel.

"Die Cover-Idee läuft sich wider Erwarten nicht tot und ist anscheinend noch lange nicht zu Ende." lautete das Plattentests’sche Fazit des letztjährigen Longplayers "Take a break" der Gibmir Gibmirs. Doch Zeiten ändern sich. Müßten die Jungs eigentlich auch wissen, zumal sie vor Jahren selbst mal Bob Dylans "The times they are a changin’“ mehr oder weniger gut verpunkrockt haben. Doch mittlerweile ist nun anscheinend endgültig der Punkt erreicht, an dem selbst die engstirnigsten, Scheuklappen tragenden Me First-Fans und Fat Wreck-Alleskäufer den ganzen Rotz nicht mehr hören können. Das ist schon nach den ersten paar Songs des neuen Albums traurige Gewißheit.

Ja, zugegebenermaßen mag die eigentliche Cover-Idee auch schon lange vor "Ruin Jonny’s Bar Mitzvah" nicht mehr unter den Lebenden gewesen sein. Aber egal. Zu flotten Abgehversionen von "Sweet Caroline", "Seasons in the sun", "Where do broken hearts go" oder "Rocket man" ließ es sich immer bierselig und vergnügt abzappeln. Anno 2004 bräuchte es leider eine mindestens doppelt so hohe Ration an Gerstensaft, um den aktuellen Stücken etwas mehr als nur grausige Langeweile abgewinnen zu können. Lediglich das Unterfangen einer Punkrockband an sich, auf einem jüdischen Bar Mitzvah-Fest als Kapelle aufzuspielen und dabei Jung und Alt samt Kippa zum sanften Pogen zu bewegen, ist ein Schmunzeln wert. Vor allem, wenn man den auf der CD enthaltenen Videomitschnitt oder die Fotostory im Booklet begutachtet.

Ansonsten herrscht gähnende Tristesse in Punkrockhausen. Ganz davon abgesehen, daß diesmal nicht wirklich ein Konzept zu entdecken ist, kann heutzutage jede Schülerband Led Zepplins "Stairway to heaven" oder Elvis Presleys "Always on my mind" origineller herunterbrettern. Vom fast schon peinlich Campino-esken "Auld lang syne" ganz zu schweigen. Lediglich das hoppelnde "Heart of glass" (Blondie) und die erfreulich unverbrauchte REO Speedwagon-Nummer "Take it on the run" wirken zwar nicht quicklebendig, aber immerhin weniger langweilig. Das war’s dann also. Soff! Hebräisch für "Ende".

(Jochen Gedwien)

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Highlights

  • Heart of glass

Tracklist

  1. Jonny's blessing
  2. Stairway to heaven
  3. Heart of glass
  4. Delta dawn
  5. Come sail away
  6. O sole mio
  7. Strawberry fields forever
  8. Auld lang syne
  9. The longest time
  10. Always on my mind
  11. Take it on the run
  12. Superstar
  13. Hava nagila
  14. Hava nagila (Christmas style)

Gesamtspielzeit: 46:36 min.

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