Leonard Cohen - Dear Heather

Leonard Cohen- Dear Heather

Columbia / Sony
VÖ: 25.10.2004

Unsere Bewertung: 6/10

Eure Ø-Bewertung: 8/10

Frauenversteher

Eine möglicherweise unpopuläre Idee: Hat mal jemand über eine Musiker-Rente nachgedacht? Spätestens mit 65 zurück in die Anonymität des Alltags. Und dann eine Art Kollektiv-Versicherung, bei der junge erfolgreiche Stars ihren gealterten KollegInnen solidarisch einen Fixbetrag überweisen können. Dann könnten die Beschenkten ihre zeitlebens genossenen Freuden weiter finanzieren - ohne weiter zu musizieren, Inspiration bleibt doch meist tatsächlich ein Privileg derjenigen, die sich noch jung an Jahren schätzen dürfen. Der eine oder andere Altersmusikant setzt seinen möglicherweise etwas breit gewordenen Hintern lediglich auf die Lorbeeren vergangener Zeiten. Stil-Stillstand.

Die wichtigste Feststellung zu "Dear Heather": Leonard Cohen murmelt mehr denn je. Wieder vergoldet eine Damenstimme den Bariton des gealterten Dandys. Die Muse, so läßt es schon der Album-Titel vermuten, ist einmal mehr eine weibliche Person: "Because of a few songs / Wherein I spoke of their mystery / Women have been / Exceptionally kind / To my old age", singt er in "Because of". Der Mann weiß auch mit 70 Jahren noch, was Frauen wollen. Liebe und Machtspiele, das waren schon immer die zwei gewaltigen Topoi im Schaffen des kanadischen Künstlers. Cohen war stets mindestens ebenso sehr Dichter wie Musikant. Doch nachdem er sich in den letzten Monaten einmal mehr Zen-Studien widmete, scheint er seinen Seelenfrieden gefunden zu haben.

Musikalisch droht das Cohen-Konzept langsam aber sicher, auf Sand zu fahren. Es fehlen beizeiten die großartigen Melodien. Cohen flirtet mit Stilen wie einst mit den Damen. Das famose "Go no more a-roving" etwa ist sanfter Soul, "Undertow" eine schwülstige und überflüssige Saxophon-Ballade, "Morning glory" Jazz aus dem Hemdsärmel und "Villanelle for our time" vertonte Lyrik. Textlich wendet sich "Dear Heather" ab von den verbalen Nadelstichen der früheren Alben. Doch auch bei "Dear Heather ist "the night" immer noch "made for loving". Und das "light" bringt immer noch meist der "moon".

Doch Cohen erlaubt sich aus seinem Zen-Elfenbeinturm ein paar kleine Kommentare zur gegenwärtigen politischen Lage: "Some people say / It's what we deserve / For sins against God / For crimes in the world / I wouldn't know / I'm just holding the fort / Since that day / They wounded New York." Leonard Cohen schaut mit seinen siebzig Jahren auf die Welt. Ihn juckt nichts mehr, nur noch die Damen beizeiten. Auch eine Art zu leben. Wir verneigen uns derweil bis zur äußersten Dehnung aller Rückenwirbel vor seinem Œuvre, "Dear Heather" inklusive. Aber noch einmal die Frage: Was hält er von der Idee einer Musiker-Rente?

(Sebastian Peters)

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Highlights

  • Go no more a-roving
  • Morning glory
  • Nightingale

Tracklist

  1. Go no more a-roving
  2. Because of
  3. The letters
  4. Undertow
  5. Morning glory
  6. On that day
  7. Villanelle for our time
  8. There for you
  9. Dear Heather
  10. Nightingale
  11. To a teacher
  12. The faith
  13. Tennessee waltz (live)

Gesamtspielzeit: 49:27 min.

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(Neueste fünf Beiträge)
User Beitrag
jupp
2004-12-12 21:54:59 Uhr
die Kritik des Herrn Peters ist eine einzige Lachnummer.
Die frage ist doch, erreicht ein Künstler deine Seele? Zynismus, Sarkasmus und Ironie sind allenfalls Optionen der Sublimierung.

Leonard Cohen ist auch mit siebzig " the master of the inner language."

Herr Peters seien Sie mir nicht bös`, aber warum
ausgerechnet Sie eine solche Kritik schreiben müssen ist mir völlig schleierhaft.

Norbert
2004-12-10 00:51:12 Uhr
Der Titelsong ist super und eindringlich, obwohl simpel
Armin
2004-09-17 16:09:14 Uhr
Leonard Cohen "Dear Heather"
Mit "Dear Heather* erscheint am 25. Oktober das erste Leonard-Cohen-Album
seit mehr als drei Jahren. *Dear Heather* enthaelt zwölf brandneue Songs,
die in Zusammenarbeit mit dem langjaehrigen Cohen-Engineer und Produzentin
Leanne Ungar (Billy Joel, Cat Stevens, Laurie Anderson) entstanden waren.
Darüber hinaus ist der Live-Track *Tennessee Waltz* enthalten - Leonard
Cohens Version des Country/Western-Standards, der bereits von Chet Atkins
und Patti Page interpretiert wurde. In seiner Karriere verkaufte Leonard
Cohen weltweit mehr als elf Millionen Alben und veröffentlichte elf Bücher,
darunter die beiden Romane "The Favorite Game" (1963) und "Beautiful
Losers" (1966).
Konf. Album
VÖ 25.10.04
Norbert
2004-08-28 00:00:07 Uhr
als Cohen-Fan der ersten Stunde muß ich sagen, daß seine Stimme wie ein guter Whiskey oder ähnliches mit den Jahren immer besser (intensiver, wie auch immer) geworden ist.
Ich freue mich auf die neue CD - habe LC auf seiner letzten Deutschland-Tour im Hamburger Stadtpark erleben dürfen, wo er Teens wie Omis erfreut hat.
Man mag ihn, oder eben nicht - ich liebe ihn.
Allen, die es noch nicht kennen, lege ich "Death of a ladies man" ans Herz
ruebenfischer
2004-08-23 23:42:57 Uhr
Naja, die Stimme ist bei ihm mit seinen 70 Jahren sicherlich nicht mehr so wie früher, aber trotzdem freue ich mich sehr auf das Album.
Schließlich waren auch schon auf 10 New Songs einige Perlen.
Und die Lyrics, die mir bei Leonard Cohen mindestens genauso wichtig sind wie die Musik, sind bislang mit der Zeit höchstens besser geworden!

Übrigens mag ich den Tennessee Waltz (in der Version von Patti Page, die zumindestens sehr nahe am Kitsch ist) sehr und dachte immer, das wäre ein Zeichen von "schlechtem Geschmack". Aber wenn sogar Leonard Cohen das singt...
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