Sportfreunde Stiller - So wie einst Real Madrid

Sportfreunde Stiller- So wie einst Real Madrid

Motor / Universal
VÖ: 02.05.2000

Unsere Bewertung: 8/10

Eure Ø-Bewertung: 8/10

Drei Ecken, ein Elfer

Daß bayrische Fussballspieler gut mit dem Ball umgehen können ist nicht Neues. Wenn bayrische Fussballspieler aber noch dazu gute Songs schreiben können, verdient das schon besondere Aufmerksamkeit. Bei den Sportfreunden Stiller, die sich nach ihrem früheren Trainer Hans Stiller benannt haben, ist diese Beachtung durchaus gerechtfertigt. Der Peter, der Flo und der Rüdi sind so die netten Jungs von nebenan und traten vor ein paar Jahren noch selber gegen den Lederball. Im beschaulichen Germering bei München, ohnehin Geburtsstätte einiger ganz hervorragender Indie-Bands, verdingten sich die Sportfreunde als "verkannte Talente" beim örtlichen Fussballverein. Gott sei Dank haben sie dann irgendwann ihr wahres Talent erkannt und die Kickerschuhe gegen Gitarren eingetauscht. Mit jahrelangen Ackertouren durch ganz Deutschland vom kleinen Abi-Festival bis hin zu "Rock am Ring" und "Rock im Park" sowie zwei starken EPs haben sie sich jetzt endlich zu einem Major-Plattendeal hochgespielt. "So wie einst Real Madrid" heißt das Longplay-Debüt der Gitarrenpopper und ist wie zu erwarten war verdammt gut geworden.

Mit dem flotten "Rocket Radio" und dem etwas gemäßigteren "Einmal Mond und zurück" landen gleich die ersten beiden Hits im Ohrnetz. Die etwas schnulzige Single "Fast wie von selbst", "Aber besser wär's" und "Heimatlied" erhöhen die Trefferquote bis zur Hälfte der Spielzeit auf fast 100%. Die Songs knallen frisch und relaxt aus den Boxen und mit ihren Ohrwurm-Hooklines fordern die Jungs geradezu nach der nächsten La Ola. Auch in der zweiten Halbzeit bleibt das Trio dynamisch am Ball - bis auf "Hockey" kein einziger Ausfall. Und spätestens mit der Hans-Rosenthal-Reminiszenz "Spitze" haben die Jungs die Weltmeister-Trophäe in der Hand. Reif für die Champions League sind auch die Texte, die niemals peinlich oder sentimental rüberkommen. Die Sportfreunde verlieren sich im Gegensatz zu vielen anderen deutschen Bands nicht in verquerer Gymnasiastenpoesie und tocotronischen Selbstanalaysen. Ohne Platitüden wird da beispielsweise dem Spaß am Leben Tribut gezollt ("Laß uns Wellenreiten gehen") oder auch mal taggeträumt ("Wir könnten unsere eigene Geschichte schreiben oder nächtelang vor dem Fernseher hängenbleiben"). Diese Brillanz ist selten und verdient deshalb einen Extrapunkt.

Die erstmalige Zusammenarbeit mit einem professionellen Produzenten hat im Sound der "Sportis" deutliche Spuren hinterlassen. Uwe Hoffmann, der schon bei den Ärzten und den Busters in den Produzentensessel furzte, verpaßte dem Münchner Trio einen sehr viel massenkompatibleren Anzug. Die Punk und Grunge-Anteile, die die Songs auf den EPs bestimmten, wurden etwas zurückgeschraubt. Stattdessen gibt's große Melodien, die gelegentlich mit Streichern, Keyboards und Bläsern ausgekleidet werden. Das ist zum einen gut, da die Tracks bis zum Schluß abwechslungsreich bleiben, zum anderen aber auch schade, denn dadurch geht eine ganze Menge an früherer Rauheit und spontaner Härte verloren. Die Konsequenz ist, daß das perfekt produzierte Album recht glatt und gefällig klingt. Damit will man die Jungs von Seiten der Plattenfirma wohl auf anspruchsvolle Echt-Variante trimmen. Wie auch immer, die Sportfreunde haben mit ihrem Major-Debüt einen ganz großen Wurf gelandet. Ich habe lange keine so erfrischende Scheibe einer deutschen Band gehört! "Das war Spitze!" Treffender kann man's nicht mehr sagen.

(Christof Nikolai)

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Highlights

  • Einmal Mond und zurück
  • Fast wie von selbst
  • Aber besser wär's
  • Heimatlied

Tracklist

  1. Rocket Radio
  2. Einmal Mond und zurück
  3. Fast wie von selbst
  4. '94 (Novanta quattro)
  5. Alles Liebe alles Gute
  6. Aber besser wär's
  7. Heimatlied
  8. Wunderbaren Jahren
  9. Hockey (Feld)
  10. Willkommen im Club
  11. Money Mark
  12. Wir müssen gewinnen
  13. Jericho
  14. Spitze
  15. Wellenreiten '54

Gesamtspielzeit: 52:09 min.

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(Neueste fünf Beiträge)
User Beitrag
Watchful_Eye
2013-05-27 21:12:59 Uhr
Mit dem Vorschlag kommst du zu spät. "Sportfreunde Stiller" *ist* doch schon genau so ein Lieschen-Müller-Name. ;)
Musterman
2013-05-27 21:02:44 Uhr
Die Musik isses ja nicht, denn ist ist belanglos-egal (übelster Sänger ever allerdings!. Aber was die Band zu ao winwm üblen Ärgernos macht, ist ihr permanenter pseudo-ironischer Gestus (zu richtiger Ironie und Witz sind sie tatäschlich eben gar nicht fähig)und ihre stets betont kumpelhaft-naive Mittelmässigkeit. Sollten sich konsequenterweise in The Lieschen Müllers oder so umbenennen.
Dani
2013-05-27 15:54:47 Uhr
Die meisten Alben der Sportis, die hier gennant werden, rocken Kiss gnadenlos weg. Eben ausser Real Madrid und zur Hälfte Die gute Seite.
koekoe
2013-05-26 23:54:16 Uhr
Das waren eben auch zuenftige Hooks, kann man nicht anders sagen. :-)
@Dani
2013-05-26 22:46:19 Uhr
Das müssen dröge Sommerferien gewesen sein.
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