Razorlight - Up all night

Razorlight- Up all night

Mercury / Universal
VÖ: 11.10.2004

Unsere Bewertung: 7/10

Eure Ø-Bewertung: 8/10

Nachtschwärmer

Platin in England. Und das hätte man ahnen können: Als Razorlight kurzfristig beim diesjährigen Glastonbury Festival auftraten - zur undankbarsten Zeit überhaupt, nämlich mittags um zwölf - hatten sich innerhalb weniger Minuten 15.000 verpennte Fans aus ihren Zelten geschält und sich wohl einige Male die Äugelchen gerieben, um sicher zu gehen, daß das, was ihre Ohren da ans Gehirn sandten, auch wirklich nicht der schönste Alkoholtraum seit langem war.

Den Drogenalptraum hat Sänger, Gitarrist und Songwriter Johnny Borrell mit Anfang zwanzig schon hinter sich. Drei Jahre lang war er heroinabhängig, jetzt ist er das, was Pete Doherty hoffentlich auch irgendwann sein wird: clean. "Dalston" hat Borrell dem Ex-Libertine und Kumpel aus vergangenen Tagen gewidmet, dem er rät - auch wenn er ja tun und lassen könne, was er will - doch bitte nicht zurück nach Dalston gehen solle, dorthin, wo es die harten Drogen gibt. Sein herzzerreißender Alternativvorschlag lautet: "Come back to me". Ein Riff wird kommen, soviel steht fest. Und das hat das Zeug dazu, daß alles gut wird.

Borrell weiß, was er will. Und was er kann. Er gallaghert aufs Schönste und würde wohl am liebsten ganz London mit seinem Glaubensbekenntnis bezüglich der eigenen Songwriter-Qualitäten plakatieren. Und, nein, er übertreibt noch nicht einmal. Er schreibt großartige Songs. Er weiß, was ein Stück braucht, um gut zu sein. Da sind Gitarren, so euphorisch, hungrig und neugierig wie eine Horde Teenies in der ersten Klassenfahrtsnacht. Da ist ein Schlagzeug, das wie der Puls von London klingt. Hier ein bißchen Klavier, da ein Chor. Aber vor allem Borrells Stimme: kraftvoll, leidenschaftlich, authentisch, wütend, markant, Rock'n'roll-romantisch. Keine Sekunde denkt man daran, daß das, was er uns erzählt, ja ganz vielleicht nur eine erfundene Songgeschichte sein könnte.

Mit berechtigtem Selbstvertrauen durften Razorligt auch den Songs zuliebe mal Routinier Steve Lilywhite feuern und gegen den unbekannten Produzenten Jack Cornfield austauschen. Daß der NME gerne vollmundig Komplimente verteilt, ist nichts Neues. Wenn er aber andere Heilige ins Spiel bringt, um das Ausmaß des nächsten big thing abzustecken, kann man davon ausgehen, daß da tatsächlich irgendwas dran sein muß: "Vielfältiger als Franz Ferdinand, mehr Spirit als die Strokes!" Nicht übel.

Von anderswo, von den unumgänglichen Motzern, hört man etwas von Libertines-Plagiatoren. Na wenn schon, solche Bands kann es nicht genug geben. Auch wenn nicht alle Songs so brillant sind: Bei der Verlockungs-Hymne "Vice" und dem Single-Hit "Golden touch" muß man mit jeglichem Versuch einer adäquaten Würdigung scheitern. Und dem NME gerne Recht geben. "In the city" bluest herrlich, während Borrell von der vergeblichen nächtlichen Suche nach einer bestimmten Frau fabuliert. Wenn das Tempo anzieht, kann man sich seine nervös suchenden Pupillen förmlich vorstellen. Er wird fündig werden. Oder ist es schon.

(Ina Simone Mautz)

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Highlights

  • Vice
  • Don't go back to Dalston
  • Golden touch
  • Stumble and fall
  • In the city

Tracklist

  1. Leave me alone
  2. Rock n roll lies
  3. Vice
  4. Up all night
  5. Which way is out
  6. Rip it up
  7. Dalston
  8. Golden touch
  9. Stumble & fall
  10. Get it and go
  11. In the city
  12. To the sea
  13. Fall, fall, fall

Gesamtspielzeit: 42:34 min.

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(Neueste fünf Beiträge)
User Beitrag
Paul Paul
2008-12-29 01:44:37 Uhr
"Dont't Go Back To Dalston" ist immernoch gut.
Paul Paul
2008-12-29 01:43:59 Uhr
"Dont't Go Back To Dalston" ist immernoch gut.
Lyxen
2006-11-15 10:38:31 Uhr
Ja, da hat sich jemand nicht mit dem Lied und den Lyrics beschäftigt.
jo
2006-11-15 10:35:59 Uhr
und dabei ist das so ein intolerantes und spießiges Kackland..naja, wer sich damit identifiziert sollte wohl darüber singen..

Hmmm... ob die Intention tatsächlich eine Glorifizierung des Landes war, sei mal so dahingestellt...
Lyxen
2006-11-15 09:32:32 Uhr
Mixtape (09.11.2006 - 22:48 Uhr):
"Up all night" ist fad, sehr monoton, aber die neue ist phantastisch und hat ungeahnte Langstreckenqualitäten.


Das hätte ich auch nie für möglich. Ich dachte es sei eine Sommerplatte aber nixda, die ist noch immer gut. Und besser als die erste.
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