Sleater-Kinney - All hands on the bad one

Sleater-Kinney- All hands on the bad one

Matador / Zomba
VÖ: 02.05.2000

Unsere Bewertung: 5/10

Eure Ø-Bewertung: 7/10

No rock 'n' roll fun

Es ist alles eine Sache der Definition. Was für die einen die Asche dessen, was die Bewegung der Riot Grrrls hinterließ, darstellt, mag für andere eine selbstbewußte und emanzipierte Ausgabe des Phänomens Alternative Rock sein. Auf Sleater-Kinney aus Olympia/Washington dürfte beides zutreffen. Drei junge Frauen machen reduzierten Pop-Krach in der Tradition von Team Dresch und Bikini Kill und ernten dafür Kritikerlob von allen Seiten. Ihr Kill-Rock-Star-Erstling von 1997, "Dig me out" graste Lobeshymnen en masse ab. Angeschrägt, hymnisch, wild, aber nicht unüberlegt kamen ihre Songs herüber und die Presse erfand - wohl auch wegen ihrer Herkunft aus dem Dunstkreis Seattles - Sleater-Kinneys Ruf, die neuen Nirvana zu sein.

Nun sind aber weder Carrie Brownstein (Gitarre/Gesang), Corin Tucker (Gitarre/Gesang), noch Janet Weiss (Schlagzeug/Gesang) mit dem Charisma eines Kurt Cobain ausgestattet, weshalb man bei der Plattenfirma auch gleich ein neues Klischee meint, hervor kramen zu müssen: New Metal. Wer auf die hirnrissige Idee gekommen ist, Sleater-Kinneys Musik zwischen Postpunk, New Wave, Powerpop und Riot-Grrrl-Punk mit Dünnstrahlpinklern wie Limp Bizkit oder Kid Rock zu vergleichen, sollte vor Gericht geklärt werden. Der Musik der drei Damen wird dies jedenfalls kein bißchen gerecht.

Viel mehr Wert wird hier auf Harmonie und Dynamik gelegt, zu variantenreich und letztlich zu sensibel wirken ihre Bemühungen um musikalische Abwechslung. Leider machen aber auch solcherlei Bemühungen noch keine gute Platte aus. Zwischen gelegentlich breit grinsend hervorstechenden Geistesblitzen wie dem marschierenden "Ironclad", der sehnsuchtsvollen Scheinballade "Was it a lie?" und dem an selige Spätsiebziger-New-Wave-Zeiten erinnernden "Leave you behind" tummeln sich zu viele direkt aus der großen Mittelmaß-Kiste entlaufene Songs. Zu selten kommt die Ein-Finger-Suchtechnik der beiden Gitarristinnen mit den süßlichen Popversuchen auf eine Linie. Um mit einem Songtitel zu sprechen: "You're no rock n' roll fun".

(Oliver Ding)

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Highlights

  • Ironclad
  • Was it a lie?
  • Leave you behind

Tracklist

  1. The ballad of a ladyman
  2. Ironclad
  3. All hands on the bad one
  4. Youth decay
  5. You're no rock n' roll fun
  6. #1 must have
  7. The professional
  8. Was it a lie?
  9. Male model
  10. Leave you behind
  11. Milkshake n' honey
  12. Pompeii
  13. The swimmer

Gesamtspielzeit: 37:07 min.

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