Clann Zú - Black coats & bandages

Clann Zú- Black coats & bandages

G7 Welcoming Committee / MMS / Supermusic / Al!ve
VÖ: 04.10.2004

Unsere Bewertung: 6/10

Eure Ø-Bewertung: 8/10

Zwischenwelt

Das Debüt von Clann Zú wartete mit einer spannungsgeladenen Mischung aus Post- und Progrock, Gothic und keltischer Folklore auf und klappte der Kritik kollektiv die Kiefer herunter. Doch obwohl "Rúa" von der Meinungsmache (den Rezensenten eingeschlossen) reichlich begeistert empfangen wurde und trotz eines geradezu zwanghaften Hits wie "Five thousand more", übersah die potentielle Zielgruppe das Album dieser australischen Iren, die auf einem kanadischen Label veröffentlichen. Was nun? Setzen Clann Zú für ihren Zweitling auf noch mehr multikulturelles Stilgemenge? Mehr Leidenschaften? Mehr Politik? Mehr Verkopfung? Mehr strukturelle Absurdität? Reduktion aufs Wesentliche? Mehr Klarheit? Gar mehr Melodie und Konventionalität? Die Antwort: ja. In ziemlich beliebiger Reihenfolge.

"Black coats & bandages" macht vieles anders als der Vorgänger, bleibt aber doch unverkennbar Clann Zú. Die dramatischen Klavierakkorde, die klagenden Streicher, die donnernden Rhythmen. Und dazu Declan de Barras Beschwörerton. Mit einem fetten Aufschlag an Theatralik. Nur das Faszinierendste an Clann Zú ist kaum noch zu spüren: die folkloristischen Anflüge, in denen das jahrhundertelange Leiden Irlands zu vernehmen war. Zwar donnert de Barra gleich zwei Songs in reinem Gälisch, und auch sein Akzent stammt unverkennbar von der grünen Insel, aber die melodische Eindringlichkeit der sanften Volksweisen fehlt weitgehend.

Stattdessen schält sich aus bedrohlichem Gitarrendickicht und vor Spannung knisternden Grooves manch pathetischer Augenblick heraus. Würde sich de Barra in "So complicated was the fall" nicht so haarscharf an den Tönen vorbeiquetschen, gäbe man sich trotzdem gleich wieder der sägenden Geige, den köchelnden Gitarren und dem schachteligen Getrommel hin. Äußerst spannend instrumentiert, und doch ohne melodischen Biß. Trotz aller Krokodilstränen.

Da muß schon das brenzlige "One bedroom apartment" daherkommen. Wortreich taumelt de Barra durch Trennungsschmerz und Verzweiflung. "I will never love again." Immer und immer wieder. "And on the fifth day he placed everything he owned in the centre of the room / And he watched it burn as he recited all the beautiful words that had ever come out of her mouth." Das Klavier dreht Spiralen Richtung Abgrund, und aus dem Verzerrer lecken die ersten Flammen. Ähnlich morbide-intensiv lebt auch "From Bethlehem to Jenin". Zumindest textlich: "There is no blessed saviour / There is no blessed sin / There is only the sound of bodies / As they are swinging in the wind." Die dramatische Geste alleine aber sorgt hier nicht mehr nur für Gänsehaut.

(Oliver Ding)

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Highlights

  • There will be no morning copy
  • One bedroom apartment
  • From an unholy height
  • You'll have to swim

Tracklist

  1. Black coats & bandages
  2. There will be no morning copy
  3. So complicated was the fall
  4. T-éan bán
  5. One bedroom apartment
  6. From an unholy height
  7. An deirdreadh scéal
  8. From Bethlehem to Jenin
  9. You'll have to swim
  10. A sudden intake of breath

Gesamtspielzeit: 46:52 min.

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(Neueste fünf Beiträge)
User Beitrag
Julian Carax
2007-08-08 17:22:58 Uhr
Ich hab mir nun endlich auch dieses Meisterwerk zugelegt. Das Album gefällt mir ein ganzes Stück besser als "Rua", weil es von der Atmosphäre her viel intensiver und in sich schlüssiger ist. Die Kritik kann ich irgendwie nicht nachvollziehen, ich hätte wohl eine 8, wenn nicht sogar eine 9, gegeben.
Schon die ersten Sekunden des ersten Tracks zerren einen dermaßen in eine düstere, traurige Welt, dass man für 46 Minuten versinkt in dieser wunderschönen Musik. Die Stimme von Declan De Barra gefällt mir wahnsinnig gut, weil sie es einfach schafft, die sehr düsteren Texte auch angemessen rüberzubringen.

Oftmals erfüllen nur das scheppernde Schlagzeug oder die warmen Klaviermelodien den Raum; die Stücke schleppen sich in bester Post-Rock-Manier vor sich hin, werden immer intensiver, führen immer tiefer in die beklemmende Atmosphäre, ein Blick auf das wundervolle Artwork verstärkt das Gefühl der Hoffnungslosigkeit im Hörer nur noch mehr. Und am Ende wird man oftmals mit schrägem, hohem Gesang und Endzeitgitarren erlöst. Das ist in meinen Augen phänomenal. Allein ein Song wie "One Bedroom Apartment" ist in meinen Augen einfach nur perfekt.
Vertigo
2004-11-02 12:55:29 Uhr
hab mir zuerst mal die Rua angehört,
wird mir aber ab der hälfte irgendwie uninteressant – Black Coats an d Bandages hingegen wird zum Schluss immer noch besser!!!
Oliver Ding
2004-10-10 20:42:23 Uhr
Besser sie "Rúa" anhören. Die ist um Längen spannender.
weird-O
2004-10-10 10:50:56 Uhr
den rezensenten haben wir nun gelesen. was meint der rest der gemeinde?

wenn das da oben stimmt, führt kein weg vorbei. kommt erstmal nach ganz oben auf die "unbedingt reinhören liste". eigener eindruck später, danke für den tip(p).
logan
2004-10-10 10:31:17 Uhr
den rezensenten haben wir nun gelesen. was meint der rest der gemeinde?
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