Tele - Wovon sollen wir leben

Tele- Wovon sollen wir leben

Tapete / Universal
VÖ: 04.10.2004

Unsere Bewertung: 7/10

Eure Ø-Bewertung: 8/10

Drehmoment

Die Welt ist eine Scheibe. Der Himmel ist der Boden, der Boden in echt der Himmel, und die Gravitation ist nur kaputt. Eigentlich müßten wir alle fliegen, mit Lichtgeschwindigkeit Richtung Sonne. Oder nicht? Verwirrt? Ja, schon. "Ich häng in der Luft." Da geht man doch die Wände hoch. Oder gehen die Wände an den Füßen runter? "Wo ist unten, wo ist oben?". Äh. Wo denn eigentlich¿ Hilfe¡¡¡

Ganz schön waghalsig, was Tele da mit "Falschrum" fabrizieren. Und auch ziemlich clever. Ein feister Beat, beschwingte Keyboards, smoothe Riffs. Und ein Text, den man immer dann singt, wenn es einem langweilig wird. Denn danach steht kein Stein mehr auf dem anderen. "Ich hab lang gebraucht, um zu verstehen, daß immer nur Zeichen und nie Wunder geschehen."

Aber Tele haben eigentlich sogar schon gewonnen, wenn die Keyboards von "Wenn du gehst" einsetzen. Ein paar Tastendrücke, die uns an alles erinnern, was wir je peinlich finden wollten, aber nie konnten. Der Vorgänger-Albumtitel "Tausend und ein Verdacht" zitierte Klaus Lage, jetzt heißt es "Wenn du gehst, geht auch ein Teil von mir". Und das passende Lied ist eine so liebliche Hymne, mit derart viel Drive, daß man sie einfach ins Herz schließt, ja schließen muß, diese Jungs.

Es gibt noch mehr davon. Insgesamt ein Dutzendmal das, was wir hier ausnahmsweise Lieder nennen statt Songs. Entweder schmissig wie in "Rot" und "Wiemir". Oder auch mal herzerweichend wie in "Ende der Besuchszeit". Immer auf der Kippe vom Pop zum Schlager. Gerade dann schön. Und nicht, wenn Tele gegen Ende mit ihrem Schrank aus Soul und Jazz angeben. Phoenix stehen da sicher auch drin, direkt neben Steely Dan und dem Duden. Nochmal: Diese Texte! Gefühlsduselig, manchmal, aber immer fein ausgedacht.

Vor allem in "Wunder in Briefen", ganz wunderbar. Da leisten wir uns sogar einen ausgiebigeren Auszug von dem, was Francesco Wilking krächzt: "Es werden immer mehr Wunder in Briefen verschickt / Aber wie kannst Du die seh'n / Wenn Du nur zweimal im Jahr Post kriegst / Und das sogar noch oft ist / Weil da meistens keine ist / Und Du dann alleine bist / Du gehst auf die Ämter und willst Dich beschwer'n / Aber da ist niemand mehr da / Die sind zuhaus' und feiern Feiern." Und der Mann hüpft durch den Song, wie wir über die bunten Kreidefelder, die wir auf die Fahrbahn gemalt hatten. Früher. Tag für Tag. Bis der Regen kam.

(Armin Linder)

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Highlights

  • Wenn Du gehst
  • Wunder in Briefen
  • Falschrum
  • Ende der Besuchszeit

Tracklist

  1. Wenn Du gehst
  2. Wunder in Briefen
  3. Es kommt ein Schiff
  4. Falschrum
  5. Wovon sollen wir leben
  6. Wiemir
  7. Wenn Du gehst (Reprise)
  8. Die Luft
  9. Rot
  10. Die besseren Zeiten
  11. Ende der Besuchszeit
  12. Dilemma
  13. Eine Kreuzung vier Wege

Gesamtspielzeit: 52:41 min.

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