Helmet - Size matters

Helmet- Size matters

Interscope / Universal
VÖ: 04.10.2004

Unsere Bewertung: 6/10

Eure Ø-Bewertung: 8/10

Godzillas Sohn

Seit wann kommt es bei Helmet auf die Größe an? Der Name Helmet stand doch immer für das Gegenteil von Schwanzlängenvergleichen. Als Page Hamilton und seine T-Shirt-Träger damals mit auf den Millimeter ausgefrästen Riffs und mathematisch genau konstruierten Harmoniebißchen dem Metal die Spandexhosen herunterzogen, suchten sie stets nach dem Minimum. Schleifsteine wie "In the meantime", "Milquetoast", "Biscuits for Smut" oder "Unsung" massierten den Schädel nicht mit aufgedunsenen Arrangements, sondern mit dem exakten Gegenteil: bis aufs Mark abgenagter Rock. Der unmetallischste Metal around.

Wenn sich Hamilton nun nach sieben Jahren Pause, ungezählten Projekten und reichlich Zauderei ausgerechnet den Titel "Size matters" aufs Album pinnt, muß das doch der pure doppelte Boden sein. Oder? Schon der Opener "Smart" fährt dem Zuhörer mit vakuumverpackten Gedonner in die Gebeine. Melodie und Akkord werden mit dem Schweißbrenner aneinandergeklebt. Da paßt keine Briefmarke mehr dazwischen. In direkter Abstammungslinie vom melodischen Abschiedsgruß "Aftertaste" über das klobige Durchbruchsalbum "Betty" bis zurück zu den scharfkantigen Anfängen von "Meantime" und "Strap it on".

Doch etwas ist tatsächlich anders. So muskelbepackt klangen Helmet noch nie. Das könnte an den neuen Namen liegen: Chris Traynor (Orange 9mm, Bush) an der Sägezahn-Gitarre, Frank Bello (Anthrax) am Tieftöner und Joey Tempesta (Testament, White Zombie) mit den Knüppeln in der Hand haben ja einige Boller-Erfahrung. Aber auch Hamiltons Songwriting sucht sein Heil nicht mehr in der kompromißlosen Reduktion. Wenn sich "Enemies" nach seinem angenehm eklig schnarrenden Riff plötzlich eine speckige Lederhose überstreift und zu allem Überfluß "Unwound" mit ordinärem Geflöte zwischen Staind und Metallica auf der Stiernacken-Couch Platz nimmt, sind Helmet plötzlich die Band, gegen die sie vor zehn Jahren noch selber angetrümmert haben. Dicke Hose.

Aber Hamilton gönnt sich nur diese zwei Totalausfälle. "Surgery" braucht nur seinen gefriergetrockneten Groove, um für Ruhe im Schacht zu sorgen. "Throwing punches" teilt seine chromatischen Uppercuts noch aus, wenn sich längst schon alle geduckt haben. Die erste Gitarre frißt sich in der Luft fest, während die zweite alle überflüssigen Partikel aus dem Echo herausquetscht. Und selbst aus den zurückbleibenden Löchern baut Hamilton noch ein echtes Brett. Wenn dann in "Last breath" auch noch seine Kehle so kaputt klingt wie Lars Ulrichs Snare auf "St. Anger", hält man gewissenhaft den Atem an. Ein Argument für die Helmpflicht.

(Oliver Ding)

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Highlights

  • Smart
  • See you dead
  • Last breath

Tracklist

  1. Smart
  2. Crashing foreign cars
  3. See you dead
  4. Drug lord
  5. Enemies
  6. Unwound
  7. Everybody loves you
  8. Surgery
  9. Speak and spell
  10. Throwing punches
  11. Last breath

Gesamtspielzeit: 39:34 min.

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(Neueste fünf Beiträge)
User Beitrag
Helmet222
2004-11-28 15:25:14 Uhr
Dass das Album nicht wie die Alten klingen wird hättet ihr euch doch denken können.
Hätte doch niemanden was gebracht wenn Size Matters wie Meantime klingt.
Size Matters is Ziemlich geil.
Am besten find ich Speak And Spell und Unwound
Michael
2004-10-05 00:52:25 Uhr
helmet live! ich mach mir vor freude in die hose...
Armin
2004-10-04 16:44:27 Uhr
HELMET
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Tourneeveranstalter: FKP Scorpio Konzertproduktionen GmbH
Norman Bates
2004-09-24 14:15:48 Uhr
@Jesus
Zustimmung
Jesus
2004-09-24 13:39:32 Uhr
Also bei mir läuft die Platte seit drei Wochen jeden Tag. Klasse!! Besser als alles im Moment, doch schlechter als die älteren Platten. Aber nicht falsch verstehen..SAUGUTE Platte! Page hat sich sehr viel Mühe gegeben und die Musik ist ehrlich.
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