Good Charlotte - The chronicles of life and death

Good Charlotte- The chronicles of life and death

Epic / Sony
VÖ: 04.10.2004

Unsere Bewertung: 6/10

Eure Ø-Bewertung: 7/10

Das ganz normale Leben

Das ist ja nun auch keine sonderlich originelle Geschichte mehr. Teenage-Jungs werden Teenage-Punks. Teenage-Punks gründen Teenage-Punkband. Teenage-Punkband weiß nicht, was sie tut, kriegt aber trotzdem einen Plattenvertrag. Teenage-Punkband macht zwei beschissene Teenage-Punk-Alben. Teenage-Punkband wird zum Role Model für die nächste Generation von Teenage-Punks. Teenage-Punkband fühlt sich plötzlich zu alt für den Scheiß und möchte Ex-Teenage-Punkband sein. Ex-Teenage-Punkband kündigt Erwachsenwerden für dritte Platte an - die Welt lacht. Ex-Teenage-Punkband beginnt drittes Album mit Harfe, Chor, Pauke, Klavier, zweitem Chor, Streicherorchester und Wecker. Ex-Teenage-Punkband… hey, Moment mal!

Vielleicht ist die Geschichte ja doch nicht ganz so gewöhnlich. Obwohl Blink 182 letztes Jahr vorgemacht haben, daß man auch als Kaspertruppe den Kopf aus der Pop-Punk-Schlinge ziehen kann. Und Green Day gar erst vor einer Woche zum großen Rundumschlag gegen die Regierung und ihr Drei-Akkorde-für-ein-Halleluja-Image ausgeholt haben. Daß nun aber auch Good Charlotte ihre Chucks nicht mehr im Boy's Department kaufen mögen, war trotzdem nicht abzusehen. Zu tätowiert kamen einem diese Gefühls-Kalifornier vor, zu hip und zu durchgestylt, als daß es irgendjemand wagen würde, an ihrer Erfolgsformel rumzudoktern. Und dann geht "The chronicles of life and death" allen Ernstes mit einem Klassik-Intro los.

Es ist ein geradezu ungezogen hochtrabendes Vorhaben, dem sich Good Charlotte mit dieser Platte widmen. Ein Konzeptalbum, darunter wird es diesmal nicht gemacht. Über das Leben, das Universum und den ganzen Rest. Die Leiden des jungen Durchschnitts-Außenseiters in betont semipunkiger Ausführung. Geradezu lakonisch läßt sich der wohltemperierte Titeltrack mit seinem Schlaumeier-Text an: "Money talks in this world / That's what idiots will say / But you'll find out that this world / Is just an idiots' parade." So sieht sie aus, die große, weite Welt der Erwachsenen. Und Good Charlotte werden in der kommenden Stunde gar keine so schlechte Figur darin machen.

"I just wanna live" spielt sich nach einem ausgesprochen schmerzfrei kickenden Standard-Warmup zur Mottomusik der Platte auf. Stakatto-Streicher wagen einen letzten Blick in den Rückspiegel, nehmen ordentlich Anlauf und schieben Good Charlotte zu ihrem ersten amtlichen Disco-Refrain rüber. Geigen hängen ebenso tief über der Platte, wenn "Predictable" als mutige Single der versammelten Fachschaft das Skateboard auf die Nüsse zwiebelt und anschließend um sein Leben rennt. Auch "The world is black" trägt die Naivität nur noch im Titel, geriert sich als wiederum unprätentiöse Geheim-Hymne. Und wenn man schon nach jemandem zum Kneifen sucht, verrennt sich die Platte schließlich doch noch irgendwie. Auf halbem Weg zur Sensation.

Mit "The truth" mischt sich das Unheil erstmals unter die Hauseinweihungsparty der generalüberholten Good Charlotte. Klaviergeschnulze aus Elton Johns Leichenhalle, pseudo-verhuschtes Billig-Schlagzeug und der weinerlichste Knödel-Gesang, der jemals einem Mann ohne Dauerwelle passiert ist. Und dabei wird es nicht mal der omnipräsente Axl-Rose-Größenwahn sein, der der Platte am Ende noch die Tour vermasselt. "The chronicles of life and death" scheitert vielmehr an den zunehmend auftauchenden Konventions-Rockern, die nicht nur das stringente Bild der Platte vollkleckern, sondern auch noch ausgesprochen langweilig sind. Und so bleibt am Ende schließlich eine buchstäblich pubertäre Platte übrig. Aufsässig, experimentierfreudig, neugierig, verunsichert und unberechenbar. Aber ganz bestimmt auf dem richtigen Weg.

(Daniel Gerhardt)

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Highlights

  • The chronicles of life and death
  • Predictable
  • The world is black
  • In this world (Murder)

Tracklist

  1. Once upon a time: The battle of life and death
  2. The chronicles of life and death
  3. Walk away (Maybe)
  4. S.O.S.
  5. I just wanna live
  6. Ghost of you
  7. Predictable
  8. Secrets
  9. The truth
  10. The world is black
  11. Mountain
  12. We believe
  13. It wasn't enough
  14. In this world (Murder)
  15. Meet my maker

Gesamtspielzeit: 60:06 min.

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User Beitrag
Sahra52
2010-05-01 01:48:08 Uhr
Hi all, would somebody please help me out? I arrived here another day by using bing but now are unable to discover again the post I have been reading that day :(. And before someone asks, no I am not blond simply not that excellent with computer systems hehe.
Kiss
maddentwin
2007-01-11 12:59:22 Uhr
wie meinst du denn das mit mad oder made? sie heisst ja immer madegirl
The Dude
2006-11-29 09:35:05 Uhr
hehe, weiter oben im thread gabs eine lustige diskussion. besonders erheiternd: madegirl (weiß nicht ob sie "mad" oder "made" sein will?)!
hopesfall
2006-11-28 23:57:23 Uhr
geht so
Olga
2006-11-28 12:05:20 Uhr
Great work!
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