Dogs Die In Hot Cars - Please describe yourself

Dogs Die In Hot Cars- Please describe yourself

V2 / Rough Trade
VÖ: 27.09.2004

Unsere Bewertung: 7/10

Eure Ø-Bewertung: 8/10

Tell me why

Nachts sind alle Katzen grau, und in England ist jeder Hund ein bunter Hund. Man muß ja eigentlich niemandem mehr erzählen, daß britischer Musikjournalismus im Prinzip professionelles Elefanten-aus-Mücken-machen ist, aber heute lohnt es sich, das doch noch mal dazu zu sagen. Wir haben hier nämlich eine Band, die selbst zwischen all den kolorierten Kötern noch in den hellsten Farben strahlt: Dogs Die In Hot Cars. Dogs Die In Hot Cars! Zwei Jungs, befreundet seit der Krabbelgruppe, im Laufe der Jahre zielgerecht verstärkt durch Drummer, Bassist und Pianistin/Waldhornistin. Kinder der Achtziger, die auf Schulbandwettbewerben schon mal Nirvanas "Rape me" vergewaltigt haben. Und heute klingen wie lange niemand mehr. Ungelogen.

Damit wir das gleich geklärt hätten: Ganz sauber sind die nicht. Irgendwann kam der Geistesblitz, der die Hunde direkt in die offenen Arme der Popmusik getrieben hat. Und seitdem hören sie sich so an, wie man sich die Band auf der Beerdigung von Dexy's Midnight Runners vorstellt. Deren Haus-und-Hof-Produzenten aus besseren Tagen haben Dogs Die In Hot Cars übrigens auch ihren irrwitzigen Klang auf die Karottenjeans genäht. In Szeneclubs kriegt man für sowas zwar seit Grunge Hausverbot, aber dafür muß man hier wirklich jeden Moment mit einer Coverversion von "I don't like mondays" rechnen. Und das ist ja wohl mal was.

"Please describe yourself" heißt das Debüt der vier Schotten und geht mit der UK-Top-30-Single "Godhopping" los. Toller Titel, genau, vor allem aber die dollste 80s-Deppen-Rock-Hommage auf der richtigen Seite von Oliver Geissen. "I love you 'cause I have to" knipst dann selbst in den prüdesten Schlafzimmern das Licht an, und "Celebrity sanctum" schließlich ist ein Song wie eine Lavalampe. Ein kleines bißchen schwerfällig, ein großes bißchen altbacken. Aber wen kümmert's, solange das Teil ein Hit, Hit, Hit ist. Was die da allein schon wieder singen: "I love Lucy / I love Lucy Liu / I love her twice as much as you." Und wir sind erst beim vierten Song.

Zeit für die Nix-Blicker. Sie werden das Lucy-Liu-Ding ungekürzt zurückgeben und den klinisch reinen Klang der Platte bemeckern. Aber darum sind sie ja auch die Nix-Blicker. "Please describe yourself" ist doch bloß deshalb so weit vorne, weil jedes Instrument in der ersten Reihe stehen will. Weil kein Song drauf ist, der sich nicht rausputzt wie ein Pfau. Und weil die Zweizeiler des folgenden Kalibers hier in jedem geschmacklosen Hemdsärmel stecken: "Latin is clever, sexy is French / 'Sprechen Sie Deutsch?' would hardly make sense." Mal ganz abgesehen davon, daß eine Band ja eh schon lange gewonnen hat, wenn sie einen Song über "Paul Newman's eyes" auf der Platte hat. Nicht? Scheißt der Hund drauf.

(Daniel Gerhardt)

Bei Amazon bestellen / Preis prüfen für CD, Vinyl und Download
Bei JPC bestellen / Preis prüfen für CD und Vinyl

Bestellen/anhören bei Amazon

Highlights

  • Godhopping
  • Lounger
  • I love you 'cause I have to
  • Apples & oranges

Tracklist

  1. Godhopping
  2. Lounger
  3. I love you 'cause I have to
  4. Celebrity sanctum
  5. Somewhat off the way
  6. Apples & oranges
  7. Modern woman
  8. Paul Newman's eyes
  9. Pastimes & lifestyles
  10. Glimpse at the good life

Gesamtspielzeit: 35:33 min.

Threads im Plattentests.de-Forum