Cocún - Zoë in exile

Cocún- Zoë in exile

Single Malt / Rough Trade
VÖ: 04.10.2004

Unsere Bewertung: 6/10

Eure Ø-Bewertung: 7/10

Engelszungen

Man soll ja nicht nach Äußerlichkeiten gehen. Wenn es danach ginge, wären Cocún mit ihren Kajal-Augen und kollektiven Kinnbärtchen (die Pianistin/Violinistin hat zum Glück keinen) nämlich irgendwas zwischen HIM und Oomph!. Wobei Sänger und Gitarrist Finn Martin auch bei The Darkness mitspielen könnte. Und das Video zu ihrer Debütsingle "Better off" lehrt uns, wieviele Klischees in dreieinhalb Minuten passen: eine Fabrikhalle, eine hübsche Dame mit nackten Füßen, plüschigen Engelsflügeln und Tränen in den Augenwinkeln, ein allwissend wirkender Sänger und eine Artistin, die an der Decke rumschaukelt. Alles mit dabei.

Zum Glück widerlegt "Zoë in exile" alle Befürchtungen. Hier geht es um das, was wir im Zusammenhang mit Reamonn oder Matchbox Twenty schon mal als "Mädchenrock" bezeichnet haben. Was also? Popsongs mit ein bißchen Feuer unterm Arsch, Tanzen auf dem schmalen Grat zwischen Schwelgen und Rocken. Das Ganze aber weitgehend unpeinlich und beinahe hart. Aber nur beinahe. Auch wenn bei Cocún alles weder neu noch sonderlich originell ist, finden sich hier elf schmerzfreie Stücke, die schnell ins Ohr und mitunter sogar direkt ins Herz gehen. Besonders positiv fällt dabei auf, daß eine Geige durchaus zur Bereicherung von Alternative-Rocks-Songs eingesetzt werden kann - hielt man das Instrument doch bisher immer für ein von der Genfer Konvention übersehenes Folterinstrument für Straßenmusikanten und Nachbarskinder.

Eine Ballade wie "Crossroads" mit viel Klavier, Streichern und Pathos kann gewaltig ins Auge gehen. Tut sie aber nicht. Und ist trotz Chad-Kroeger-Geknödel sogar gelungen. Wir wollen mal darüber schweigen, daß Refrains wie "And I beg you to come back now / Come back to me" eigentlich eine Beleidigung für jeden Englischschüler (und Fremdsprachen gibt's jetzt schon ab der ersten Klasse!) darstellen. Bei diesen Texten dienen das anrührende Instrumental "Sveas theme" und der Bonustrack "Break free", in dem man Martin Luther King weitgehend das Reden überläßt, als willkommene Erholung. Dennoch: "Zoe in exile" ist ein gefälliges Album. Gemessen an den Vorzeichen sogar ein kleines Wunder.

(Lukas Heinser)

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Highlights

  • Everything
  • Crossroads
  • Sveas theme

Tracklist

  1. Everything
  2. Drown
  3. Better off
  4. Wait
  5. Beg you
  6. Between the lines
  7. Crossroads
  8. Ocean
  9. Confluence
  10. Sveas theme
  11. Break free (Bonus track)

Gesamtspielzeit: 41:16 min.

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