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Michel van Dyke - Bossa Nova

Michel van Dyke- Bossa Nova

Home / Sony
VÖ: 27.09.2004

Unsere Bewertung: 6/10

Eure Ø-Bewertung: 8/10

Was Echtes

Michel van Dyke - woher kennen wir den noch gleich? Ach ja: Der gebürtige Holländer schneiderte "Du trägst keine Liebe in Dir" für die fünf Flensburger Flaumträger von Echt und bescherte ihnen damit ihre erfolgreichste, sogar Echo-dekorierte Single. Den Ruf wird er wohl leider auch nicht los. Weniger bekannt, dafür umso beachtlicher: van Dykes Platte "One life" wurde vom NME in die Liste der 50 besten internationalen Veröffentlichungen des Jahres 1991 gewählt, er arbeitete mit Produzenten wie Mike Hedges (U2, Manic Street Preachers, Travis) oder Midge Ure zusammen, schrieb Filmmusik für "Crazy" und "Anatomie" und supportete sogar Oasis auf deren 96er Deutschlandtour. Diese Fakten machen durchaus neugierig und - zugegeben - der Albumtitel auch. Ist tatsächlich das drin, was draufsteht? Van Dyke erklärt, daß die Definition des Bossa Nova alle Zutaten dessen beinhalte, was er als seine "Vision der zeitgemäßen Gefühlsmusik" bezeichnet. Da sind Elemente des Cool-Jazz der späten 50er und frühen 60er, mäßiges Tempo, anschmiegsame Melodiebögen, die angedeutete Option der Tanzbarkeit. Und natürlich charmanter Schmelz in der Stimme, die auch gerne melancholiert. Aber keine brasilianische Gesellschaftstanzmusik, nein.

Wir steigen ein, in die Zeitmaschine, und van Dyke drückt also den "Fifties-/Sixties-Bossa-Nova"-Knopf. Neben ihm sitzt der zeitlose Pop und blättert in Illustrierten mit den immergleichen Fotos. Es geht los. Gleich zu Anfang erwartet uns ein seltsames Georgel, das im Verlauf der 41-minütigen Reise immer wieder auftauchen wird, wie ein Phantom. Es beginnt also dramatisch. Doch schon nach weniger als zwanzig Sekunden erlöst schwebender Klang mitsamt einer souligen Stimme, die, dies hätte man nicht erwartet, fast einem musikalisch neuorientierten Max Herre gehören könnte. Die Texte drehen sich um das Übliche: Männer, Frauen, Liebe. Wandeln auf dem schmalen Pfad zwischen klar artikulierter Poesie und Schlagerklischee Marke "Sag' mal schläfst Du schon oder tust Du nur so?". Bei zwei Stücken hat Bernd Begemann generös seine Wortschatulle geöffnet.

Die Sixties-Pop-Nummer "Liebe so gut es ging" und "Schläfst Du schon" klingen, als wären sie eigentlich Echt zugedacht gewesen, lupenreine Balladen zum Mitsummen, In-den-Sternenhimmel-Sehen, und gelegentlich zum Fußwippen. Neu ist das nicht, dafür aber sehr hübsch. und wenn man aus dem Fenster der Zeitmaschine sieht, winkt da sogar Phil Spector. Auffallend percussionverliebt, klavierorientiert und vorbildlich orchestriert, diese elf Stücke. "Neu in dieser Stadt" bietet eine beeindruckende Metamorphose von exotischen Rhythmen über Easy-Listening (und zwar genau jene Art von Klängen, die oft Dokumentationen über die letzten Paradiese der Erde untermalen) und Filmmusik hin zu fast vollständiger Stille und schließlich strahlenden Streichern. Abschließend wird klar: Natürlich ist nicht überall das drin, was draufsteht. Aber überall, wo van Dyke draufsteht, ist musikalische Qualität drin. Und ganz viel Pop, für den Zeit keine Rolle spielt.

(Ina Simone Mautz)

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Highlights

  • Schläfst Du schon
  • Neu in dieser Stadt

Tracklist

  1. Herbst
  2. Schläfst Du schon
  3. Telephon
  4. Auseinander gehen
  5. Kriegenwirschonwiederhin
  6. Liebe so gut es ging
  7. Ich nehme es zu schwer
  8. Regenwahrscheinlichkeit 100%
  9. Mehr Zeit
  10. Wir tun es trotzdem
  11. Neu in dieser Stadt

Gesamtspielzeit: 41:00 min.

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