The Open - The silent hours

The Open- The silent hours

Polydor / Island / Universal
VÖ: 20.09.2004

Unsere Bewertung: 7/10

Eure Ø-Bewertung: 8/10

Offenherzig

Vorbei die Zeiten, in denen es in Großbritannien jedes Jahr ein "Next big thing" gab. Heutzutage wird alle zwei Wochen die nächste Band durchs Dorf gejagt. Aktueller Liebling - das heißt, vor ein paar Wochen aktuell - sind The Open. Weitgehende Einigkeit besteht darin, daß das Quintett mit "The silent hours" ein sehr feines Debütalbum veröffentlicht hat. Offene Ratlosigkeit macht sich hingegen bei denen breit, die den Sound der Band beschreiben wollen. "Britpop", sagen die Einen und laufen ins offene Messer des Emo-Gesangs von Steven Bayley. Emo ist es aber auch nicht - aber was ist das schon?

Um es kurz zu machen: Die Musik von The Open berührt einen, läßt sich aber selbst kaum greifen. Zu schwerelos, beinahe frei von jeder Körperlichkeit sind die Songstrukturen. Auf der einen Seite jagen die Bratzgitarren durch die Lieder wie eine Hundertschaft Kettensägen durch einen morgendlichen Wald, auf der anderen Seite sind da wabernde Keyboards, die einen umarmen wie gute Freunde. Laut und leise, Depression und Hoffnung, Licht und Schatten.

So klingen die letzten Regentropfen, bevor es aufklart. So klingt Zartbitterschokolade. So klingt es, wenn man auf einer hohen Brücke steht und in den reißenden Fluß unter einem guckt. Genau so klingen eben The Open. Eine Spur zu sperrig, um Pop zu sein, eine Spur zu eingängig, um als richtiger Rock durchzugehen. Letztendlich ist es aber auch total egal, was für Musik das da auf "The silent hours" sein soll, es ist klar, daß es verdammt gute ist. Man muß den Sinn hinter den Tempo- und Harmoniewechseln nicht verstehen, um sich davon angesprochen zu fühlen. Aber man sollte sich darauf einlassen und nicht erschreckt zusammenzucken, wenn beispielsweise auf "Can you hear?" die Grenzen zum Progrock nicht mehr nur gestreift werden.

Textlich bekommt man natürlich eine ordentliche Portion Weltschmerz verabreicht. So heißt es gleich im Opener "Close my eyes": "When I close my eyes / It's darker than anything / When I close my eyes / Feels like I'm falling." Aber man kennt das ja inzwischen. Ob The Open wirklich das nächste große Ding sind bleibt - wie so oft - zu bezweifeln. Ein verdammt gutes Album haben sie jetzt jedenfalls schon mal auf der Habenseite, und die Welt steht ihnen offen.

(Lukas Heinser)

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Highlights

  • Close my eyes
  • Just want to live
  • Step into the light

Tracklist

  1. Close my eyes
  2. Bring me down
  3. Lost
  4. Forgotten
  5. Daybreak
  6. Just want to live
  7. Step into the light
  8. Coming down
  9. Can you hear?
  10. Elevation

Gesamtspielzeit: 48:47 min.

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